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Prominente Unterstützung
Putin schlägt Blatter für Friedensnobelpreis vor

Fotos: Sepp Blatter: 17 Jahre an der Spitze der Fifa
Fotos: Sepp Blatter: 17 Jahre an der Spitze der Fifa FOTO: dapd, Alessandro Della Bella
Zürich/Düsseldorf. Die "Weltwoche" preist den gesperrten Fifa-Präsidenten als "Schweizer des Jahres". Von Robert Peters

Am Donnerstag durfte Sepp Blatter mal wieder die Zentrale des Fußball-Weltverbands Fifa in Zürich betreten. Seit Oktober war er da nicht mehr. Die Ethikkommission hatte den Präsidenten des Weltverbands für 90 Tage gesperrt. Nun schritt der 79-Jährige zur Anhörung vor die Kommission, der er vorsichtshalber schon einmal Stilmittel der Inquisition unterstellte.

Blatter genießt bei seinem letzten Kampf gegen die endgültige Verbannung aus dem Weltfußball prominente Unterstützung. Der russische Präsident Wladimir Putin erklärte voller anhaltender Dankbarkeit für die Vergabe der Weltmeisterschaft 2018 ins Gazprom-Land: "Das ist mal jemand, dem man den Friedensnobelpreis geben sollte." Es ist nicht abschließend geklärt, ob das eine ernsthafte Bemerkung war. Es ist allerdings wahrscheinlich, und es ist wohl immer eine Frage der Perspektive. Unser aller ehemaliger Bundeskanzler Gerhard Schröder hat Putin schließlich auch mal einen "lupenreinen Demokraten" genannt.

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So ist auch nicht weiter verwunderlich, dass Blatter pünktlich zu seinem Auftritt vor der Ethikkommission von der Zeitung "Weltwoche" feierlich und ohne ironischen Unterton zum "Schweizer des Jahres" ernannt wurde. Der Funktionär sei ein "unermüdlicher und bewundernswerter Fußballkämpfer für eine bessere Welt", lobte das Blatt.

Unermüdlich ist er zweifellos und ein Kämpfer sicher auch. Sonst würde er nicht noch kurz vor Vollendung des 80. Lebensjahres ein Leben in der Öffentlichkeit führen und geradezu verzweifelt an der Wiederherstellung seines Rufs arbeiten. Dass der höchst zweifelhaft ist, hat Blatter offenbar mit Erfolg ausgeblendet. "Eigentlich müsste man mir ein Diplom überreichen für das, was ich erreicht habe", sagte er.

Es ist sicher sein Verdienst, dass aus der Fifa eine Gelddruckmaschine wurde. In fast 40 Jahren ist es sein Verband geworden, den er als Generalsekretär und Präsident nach seinen Vorstellungen formte. Dazu gehört ein Flechtwerk aus Beziehungen in die 209 Mitgliedsverbände, das gerade unter tätiger Mithilfe des FBI und der Staatsanwaltschaft von New York City entwirrt wird. Zahlreiche seiner ehemaligen und langjährigen Wegbegleiter müssen sich inzwischen vor Gericht verantworten, sind von der Ethikkommission aus dem Funktionärs-Verkehr gezogen worden oder müssen sich Ermittlungen der Schweizer Behörden stellen. Die "New York Times" beschrieb Blatters Fifa unter Berufung auf die US-Ermittler als "etwas, was man sonst von Mafia-Kartellen und Drogenkartellen kennt".

Blatter ficht das nicht an. "Ich habe in meinen 40 Jahren bei der Fifa weder gegen ethische noch gegen juristische Regeln verstoßen", beteuerte der gesperrte Spitzenfunktionär. Die Untersuchungskammer der Ethikkommission scheint das anders zu sehen. Sie hat eine längere Sperre gefordert, weil sie eine Zahlung von zwei Millionen Franken an den inzwischen ebenfalls suspendierten Uefa-Chef Michel Platini für anrüchig hält. Am Montag spricht der deutsche Richter Hans-Joachim Eckert als Vorsitzender der rechsprechenden Kammer das Urteil über Blatter. Er wird ihn kaum für den Friedensnobelpreis vorschlagen.

Quelle: RP
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