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Affäre um WM 2006
Agentur Freshfields verfolgt Spur nach Afrika und Asien

WM 2006: Horst R. Schmidt soll Licht ins Dunkel bringen
Horst R. Schmidt will erneut aussagen. FOTO: AP, AP
München. Die Spur führt nach Afrika und Asien, ein "Kronzeuge" soll noch einmal aussagen: Zwei Wochen vor der Präsentation des Abschlussberichts zur deutschen WM-Affäre 2006 kommt auf die Ermittler der Kanzlei Freshfields offenbar noch viel Arbeit zu. Der Sumpf rund um das Fußball-Sommermärchen scheint immer tiefer zu werden - und die Uhr tickt.

Nach Informationen von Süddeutscher Zeitung, NDR und WDR prüfen die vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) berufenen Anwälte derzeit verschwundene Millionensummen, die über den Weltverband Fifa in Afrika versickert sein sollen. Zudem nehmen sie zumindest fragwürdige Abkommen mit Katar, das im Weltfußball ständig mit Korruptionsvorwürfen konfrontiert wird, unter die Lupe.

Der frühere DFB-Generalsekretär Horst R. Schmidt (74) wurde deswegen laut des Rechercheverbunds vom designierten DFB-Präsidenten Reinhard Grindel (54) in mehreren Telefonaten dazu bewegt, noch einmal mit den Ermittlern zu sprechen. Die vermeintliche Schlüsselfigur des Skandals – Schmidt saß damals als Vize im WM-Organisationskomitee – wurde bereits Ende Oktober von Freshfields vernommen und soll es zunächst abgelehnt haben, nochmals Auskunft zu geben.

Inhalt der Akten birgt Explosionsgefahr

Am 4. März sollen die Ergebnisse Stand jetzt präsentiert werden. Es soll ein Abschluss sein in der Krise, die schon Wolfgang Niersbach (65) zum Rücktritt vom Amt des DFB-Präsidenten gezwungen hat. Der Inhalt der Aktenberge ist explosiv.

Drei Jahre vor der WM 2006 soll die Fifa vom deutschen OK plötzlich 40 Millionen Euro gefordert haben für Hotels, Tickets, die Informations-Technologie für die WM und eine "Solidaritätsabgabe" für Afrika. Am Ende zahlte das OK Unterlagen zufolge, die Freshfields fand, 20 Millionen Euro.

Als Freshfields im November Niersbach kurz vor dessen Rücktritt dazu befragte, soll der ehemalige OK-Vizepräsident erklärt haben, die 20 Millionen könnten "von der Fifa nach Afrika geleitet worden sein". Freshfields hatte Niersbach dazu das Protokoll eines Treffens der Fifa mit dem deutschen OK vorgelegt. Die Niederschrift datiert vom 24. Juni 2006. Nach Ansicht von Freshfields muss das Dokument aber aus den Jahren 2002 oder 2003 stammen. Das ergebe sich aus "unterschiedlichen Stellen im Text".

Mit dem katarischen Fußballverband hatte der DFB in einem "Letter of Intent" eine Art Entwicklungshilfeabkommen geschlossen, das unter anderem den Punkt Trainerausbildung beinhaltete. Umgekehrt soll Katar die Deutschen bei deren Bewerbung für die WM 2006 unterstützt haben. Dies ist keine Korruption, solange kein Geld fließt. Freshfields soll gleichwohl untersuchen wollen, ob der DFB vor dem Zuschlag für die WM 2006 noch weitere Unterstützungsabkommen mit anderen Verbänden aus Asien vereinbart hat.

Auf die vier asiatischen Vertreter in der Fifa-Exekutive soll der DFB von Anfang an gesetzt haben, um zusammen mit den acht europäischen Stimmen die WM nach Deutschland zu holen. Freshfields nimmt nach diversen Zeugen-Vernehmungen und der Sichtung zahlreicher Unterlagen offenbar an, dass der DFB drei Stimmen aus Asien sicher hatte, aber um die vierte Stimme der asiatischen Fraktion kämpfen musste.

Der damalige Wackelkandidat soll Chung Mong-Joon aus Südkorea gewesen sein. Er ist wegen fragwürdiger Vorgänge im Zusammenhang mit der gescheiterten Bewerbung von Südkorea für die WM 2022 von der Fifa-Ethikkommission für sechs Jahre gesperrt worden.

Freshfields möchte herausfinden, welche Vorsorge das Bewerberkomitee für den Fall getroffen hatte, dass Chung möglicherweise nicht für Deutschland stimmen wolle. Außerdem soll geklärt werden, ob ein früher einflussreicher Fußball-Funktionär aus Asien beim Erwerb von TV-Rechten für die EM 2004 von den Deutschen unterstützt worden sei.

(seeg/sid)
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