"Stellenwert derselbe wie in Deutschland": Interview mit Berti Vogts
zuletzt aktualisiert: 05.11.2001 - 16:26sid: "Berti Vogts, seit dem Wochenende sind Sie mit Kuwaits Nationalelf im Trainingslager in der Nähe von Freiburg. Wie ist Ihr erster Eindruck, frieren Ihre Spieler?"
Vogts: "Nein, das Wetter ist zufriedenstellend, und alle Spieler sind beeindruckt von Deutschland. Außerdem muss man wissen, dass es in Kuwait derzeit sehr kühl ist. Es sind nur 29 Grad."
sid: "Kennen Sie Ihre Spieler bereits, oder ist noch ein Findungsprozess im Gange?"
Vogts: "Ich habe viele ältere Spieler durch junge Spieler ersetzt. Ich kenne sie vom Sehen, aber sie haben drei, vier Namen. Heißen einmal Hussein, dann Mohammed. Das ist noch ein Problem."
sid: "Wo ist das Niveau Ihrer Mannschaft anzusiedeln? Kann man sie mit deutschen Teams vergleichen?"
Vogts: "Ich habe 14 Spieler unter 21 Jahren. Alle sind von der Technik her sehr gut ausgebildet, aber sie vergessen manchmal das Taktische. Das Team ist vergleichbar mit einer durchschnittlichen Zweitliga-Mannschaft. Ich kann mir sieben oder acht Spieler durchaus in europäischen Klubs vorstellen."
sid: "Welche Ziele haben Sie?"
Vogts: "Die Kuwaitis haben sich zuletzt 1982 für eine WM qualifiziert. Darunter leidet das ganze Land, denn Fußball ist die Sportart Nummer eins, zwei und drei. Der Verband will wieder zur WM und hat mir einen Fünfjahresvertrag angeboten. Das muss man aber erst abwarten. Was soll ich mich länger als ein Jahr binden, wenn ich feststelle, dass ich nichts bewegen kann?"
sid: "Haben Sie als Europäer Probleme im Alltag in Kuwait?"
Vogts: "Nein, man ist sehr freundlich und herzlich. Nach dem 11. September denkt man vielleicht, dass die Leute nicht mit Europäern umgehen können. Aber das ist falsch. Außerdem fühle ich mich sehr sicher. Vom Krieg in Afghanistan bekomme ich nichts mit."
sid: "Wie ist Ihr Stellenwert und die Arbeitsweise in Kuwait?"
Vogts: "Der Stellenwert des Nationaltrainers ist derselbe wie in Deutschland. Aber man hat zu respektieren, dass die Spieler zu gewissen Zeiten beten. Ich kann aber ab November alle Spieler einmal pro Woche zum Training zusammenziehen. Das ist natürlich ein Traum für einen Nationaltrainer. Aber alle Spieler sind Amateure."
sid: "Verfolgen Sie auch weiter die Bundesliga und Ihren Ex-Klub Bayer Leverkusen?"
Vogts: "Ich verfolge alles via Satelit. Leverkusen gewinnt jetzt die Heimspiele, die ich verloren habe. Ich hoffe, Bayer kann Bayern München abfangen. Der Zeitpunkt ist gekommen."
sid: "Können Sie sich eine Rückkehr in die Bundesliga vorstellen?"
Vogts: "Ich bin Deutscher und habe dem deutschen Fußball viel zu verdanken. Wenn ich irgendwo helfen kann, werde ich das vielleicht tun."
sid: "Wie sehen Sie die Chancen des deutschen Teams vor den WM-Playoffs gegen die Ukraine?"
Vogts: "Ich kann nur die Daumen drücken, aber wir werden das schaffen ohne Wenn und Aber. Jeder Spieler soll an seine Verpflichtung denken, und dann werden die Ukrainer weggehauen."
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