Erstes Pflichtspiel von RB Leipzig: Jena wehrt sich nach Hass-Attacken
zuletzt aktualisiert: 11.08.2009 - 16:49Leipzig (RPO). Dem Fußball-Osten droht eine Saison mit skandalösen Vorfällen rund um den neugegründeten RB Leipzig. Selbst Sachsens Verbandspräsident Klaus Reichenbach glaubt nicht an eine schnelle Beruhigung der Lage. "Was in Jena passiert ist, ist nur der Anfang", sagte Reichenbach der Tageszeitung Die Welt: "Ich fürchte, dass wir in dieser Saison in nahezu jedem Spiel mit Beteiligung von RB Leipzig Probleme bekommen werden."
Das Sportgericht des Nordostdeutschen Fußballverbandes (NOFV) wartet derweil noch auf verschiedene schriftliche Berichte vom Wochenende und will in dieser Woche über die Einleitung eines Verfahrens gegen Carl Zeiss Jena entscheiden. Stephan Oberholz, im Deutschen Fußball-Bund (DFB) verantwortlicher Richter für die Regionalligen Nord und West, sagte dem SID, dass ein "Anfangsverdacht wegen unsportlichen Verhaltens und mangelnden Ordnungsdienstes vorliegen könnte".
In ihrer Verachtung für den neuen Klub scheinen die Randalierer sogar lang gepflegte Feindschaften zu vergessen. "Ich weiß, dass in der Fanszene diskutiert wird, gemeinsam gegen den RB vorzugehen", sagt Reichenbach, der am Dienstag an einer eilig berufenen Sicherheits-Besprechung mit Verband und Klub teilnahm: "Wir fordern, jedes RB-Spiel in die höchste Sicherheitskategorie einzuordnen."
Dies stößt allerdings auf Unmut bei der Polizei. Seit langer Zeit weisen die Beamten auf unverhältnismäßig große Polizei-Einsätze gerade auch bei Fußballspielen in Sachsen hin. Besonders ärgerlich sei, "dass wir in immer unterklassigeren Ligen aktiv werden müssen", sagt Edgar Rennhack von der sächsischen Polizeigewerkschaft. Eine Lösung könne nur über härtere Bestrafung der Täter herbeigeführt werden: "Wir rennen den Ereignissen hinterher, weil die meisten Krawallmacher viel zu schnell wieder auf freien Fuß kommen."
RB will noch in dieser Woche die Zäune im heimischen Stadion am Bad von Markranstädt erhöhen. "Wir werden in Zukunft von unserem Hausrecht Gebrauch machen und diejenigen, die offenbar nicht zum Fußball gucken kommen, nicht ins Stadion lassen", kündigte RB-Präsident Andreas Sadlo an.
Carl Zeiss Jena wehrt sich gegen Vorwürfe, die Partie seiner Reserve-Mannschaft gegen RB bezüglich des Sicherheitsaspektes unterschätzt zu haben. "Das Amateurstadion im Ernst-Abbe-Sportfeld ist der vom Nordostdeutschen Fußballverband abgenommene Spielort unserer zweiten Mannschaft und kein Nebenplatz", sagte Geschäftsführer Andreas Trautmann der Thüringer Landeszeitung.
Es entspricht laut Trautmann nicht der Philosophie des Vereins, bei "einem Fünftliga-Spiel die Zuschauer hinter Gittern zu verbannen". So habe man gerade im Ernst-Abbe-Stadion die Zäune der Gegengeraden abgebaut - für brisante Drittliga-Duelle wie gegen Erfurt gelte das auch. "Eine Errichtung von Zäunen im Amateurstadion käme einer Kapitulation gleich", so Trautmann.
Am vergangenen Wochenende war es beim ersten Meisterschaftsspiel des mit dem Ziel Bundesliga gegründeten RasenBallsport Leipzig in Jena (1:1) zu Hass-Attacken von Jenaer Chaoten gekommen. Die Gäste wurden beschimpft, bespuckt und mit Bierflaschen beworfen. Sogar während der Partie kam es zu Handgreiflichkeiten.
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