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Besuch in Kölner Gefängnis: Kahn macht jungen Häftlingen Mut

zuletzt aktualisiert: 05.09.2010 - 14:35

Köln (RPO). Irgendwo um Zelle 120 herum rüttelt eine Gefangene wie wild an den Gitterstäben. "Wo ist der Olli? Ich seh ihn nicht", ruft sie. Oliver Kahn dreht sich um und winkt.

Der Titan zeigt sein weiches Herz. Zu aktiven Zeiten sah man den dreimaligen Fußball-Welttorhüter oft mit weit aufgerissenem Mund umherschreien oder Mitspieler durchschütteln. Spätestens seit dem Karriereende 2009 gibt es aber den anderen Oliver Kahn.

Es ist nicht nur die Tatsache, dass der 41-Jährige sich sozialen Projekten widmet. Dass er bayerische Schulen besucht und unter dem Motto "Ich schaffs" motivieren will. Und dass er selbiges an diesem Samstag sogar bei jungen Strafgefangenen in der Justizvollzugsanstalt in Köln versucht. Es ist vor allem die Art, wie er es tut. Geduldig, kumpelhaft, humorvoll.

Der neue Kahn ist aber auch "sehr, sehr nachdenklich. Es ist ein bisschen beklemmend, wenn man diese kleinen Zellen sieht und sich vorstellen muss, dass Jugendliche darin leben müssen. Das ist alles andere als einfach", sagt er sichtlich bewegt. Es sei aber auch klar, dass die Jugendlichen "über das, was sie getan haben, nachdenken müssen".

Die Interviews an diesem Tag gehen dem langjährigen Bayern-Schlussmann bei aller Routine nicht leicht von der Hand. Es fällt ihm schwer, seine Gefühle in Worte zu fassen. Am wohlsten fühlt er sich beim lockeren Plausch mit den Gefangenen - hinter verschlossenen Türen, versteht sich. "Sehr persönlich und natürlich" sei er da gewesen, berichtet Insassin Annika. Die 22-Jährige ist wegen eines Drogendeliktes inhaftiert und als langjährige Vereinsfußballerin besonders angetan vom Besuch des großen Idols.

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Gefangene bestens informiert

Fußball ist für die Gefangenen ein Topthema. Die Jugendlichen hätten ihn gefragt, ob er Michael Ballack oder Philipp Lahm für den besseren Kapitän der Nationalelf halte, und wer sein bester Mitspieler gewesen sei, berichtet Kahn später. Bereitwillig gab er Antwort, allerdings nur den Jugendlichen. In der K-Frage sprach er sich übrigens für Ballack aus. "Wenn ich das in der Öffentlichkeit sage, machen Sie wieder große Schlagzeilen daraus", sagt er schmunzelnd.

"Ich habe gedacht, der Kahn ist so eitel, wie er im Fernsehen rüberkommt. Aber er war einfach nur cool", sagt der 20 Jahre alte David. Seine intimen Worte könnten dazu motivieren, "mal auf andere Ideen zu kommen als immer nur Scheiße zu bauen".

Genau das will der 86-malige Nationaltorhüter, der im Gefängnis als Botschafter der Sepp-Herberger-Stiftung agiert. Er steht somit in einer Reihe mit den deutschen Ehrenspielführern Fritz Walter und Uwe Seeler. Er habe in seinem Leben sehr viel Glück gehabt, davon wolle er nun etwas zurückgeben.

Dass Kahn ausgerechnet an diesem Tag zu Besuch ist, hat natürlich seinen Grund. Sechs Justizvollzugsanstalten spielen im Hof der Kölner Anstalt ein Turnier aus. Logenplätze gibt es hier nicht, die meisten Häftlinge schauen durch ihr Zellengitter zu. Nur Gäste und die Spieler der anderen Teams dürfen am Spielfeldrand stehen.

Autoknacker, Vergewaltiger, Terroristen

Mittendrin Oliver Kahn, eine Kaffetasse in der Hand. Dass aus weit über 100 Zellen die Blicke auf ihn gerichtet sind, hier, wo vom Autoknacker über den Vergewaltiger bis zum Terroristen alle vertreten sind, scheint ihn in diesem Moment nicht zu irritieren. Kahn lacht, hält Small Talk, schreibt Autogramme.

"Der mit den langen Haaren ist ein richtig Guter", stellt er fest. Einer der Finalisten soll sogar in der deutschen U17-Nationalmannschaft gespielt haben, ehe er straffällig wurde.

Kahns erster Weg nach dem Endspiel führt zum Torwart der unterlegenen Mannschaft aus Hövelhof. Dieser kauert mit ähnlich leerem Blick am Pfosten wie Kahn nach dem 0:2 im WM-Finale 2002 gegen Brasilien.

"Kann passieren, nach vorne gucken, aufstehen, weiter machen", habe Kahn gesagt, berichtet Torhüter Christoph. Das berühmte Kahn-Motto "weiter, immer weiter", es scheint nirgendwo so gut zu passen wie hier.

Quelle: SID/seeg

 
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