Mitgliederversammlung ohne Überraschungen: "Kaiser" Franz macht weiter
zuletzt aktualisiert: 24.11.2000 - 22:54München (dpa). Franz Beckenbauer bleibt drei weitere Jahre Präsident des größten deutschen Sportvereins. Der "Kaiser" wurde am Freitagabend bei der Jahreshauptversammlung des FC Bayern München mit großer Mehrheit in seine dritte Amtszeit gewählt. 1 591 der 1 695 anwesenden Mitglieder stimmten bei 73 Gegenstimmen und 31Enthaltungen in der Olympiahalle für den 55-Jährigen, der seit 1994 an der Spitze des deutschen Fußball-Rekordmeisters steht. Mit Beckenbauer gehen auch seine Stellvertreter, die Vizepräsidenten Karl-Heinz Rummenigge, Fritz Scherer und Hans Schiefele, in eine weitere Amtszeit.
Zu später Stunde feierte Beckenbauer mit Hilfe des bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber einen weiteren Sieg, als der Antrag des Mitglieds Andreas Neumaier abgeschmettert wurde. Nur 253 Stimmen waren für dessen Forderung, der FC Bayern solle ein neues Stadion bauen. Stoiber, auch Vorsitzender des Verwaltungsbeirat des FC Bayern, sprach sich für den bereits beschlossenen Umbau des Olympiastadions aus und gab der Opposition zu bedenken, "dass wir alle, die hier sind, ein neues Stadion nicht mehr erleben werden. Mit einem neuen Stadion wäre auch das WM-Eröffnungsspiel 2006 in München erledigt."
Finanziell die Nummer eins
Finanziell bleibt der FC Bayern die Nummer eins im deutschen Fußball. Der sportlich derzeit angeschlagene Meister erzielte mit 283 Millionen Mark im abgelaufenen Geschäftsjahr 1999/2000 erneut einen Rekordumsatz. Im Vergleich zum Vorjahr (249,7 Millionen) beträgt das Umsatz-Plus somit 33,3 Millionen Mark. Finanz- Vizepräsident Fritz Scherer vermeldete bei der Jahreshauptversammlung der Bayern zudem einen Reingewinn von 17,7 Millionen Mark (Vorjahr 24 Millionen Mark). Auch die Zahl der Mitglieder hat sich weiter vergrößert: 84 717 Menschen gehören dem FC Bayern (Vorjahr 81 957) an.
Zuvor hatte Beckenbauer eine positive Bilanz gezogen. "Ich denke, wir können sehr stolz auf die Lizenzspielermannschaft sein", so der Bayern-Chef mit dem Hinweis auf den Gewinn der Deutschen Meisterschaft und des DFB-Pokal in der vorigen Saison. Kritik übte er an den Leistungen in dieser Bundesligasaison: "Heimniederlagen gegen Rostock und Frankfurt kann man erklären, aber nicht entschuldigen."
Riesenbeifall erntete Beckenbauer, als er die Mitglieder um Verständnis bat, "dass die Sache mit dem Baby meine private Angelegenheit ist und keiner weiteren Erklärung bedarf." Großen Applaus gab es auch für Manager Uli Hoeneß, für den Beckenbauer ein leidenschaftliches Plädoyer hielt. "Personen des öffentlichen Lebens haben verletzende Behauptungen aufgestellt. Es ist höchste Zeit, dass dieser Personenkreis sich bei Hoeneß entschuldigt", forderte der Bayern-Chef, "dazu braucht man eine gehörige Portion Mut und Charakter, aber Charakter schein nicht vorhanden zu sein."
Schelte für den DFB
Im Zusammenhang mit der Drogen-Affäre um Christoph Daum übte Beckenbauer Kritik am Deutschen Fußball-Bund (DFB). Zuletzt sei immer die Rede davon gewesen, dass nur Bayer Leverkusen Opfer für den deutschen Fußball gebracht habe, so der Bayern-Präsident, "aber auch wir haben Opfer gebracht. Man sollte mal erwähnen, was der FC Bayern für den deutschen Fußball tut und tun wird."
Unterdessen hatte sich Beckenbauer bereits vor der Versammlung dafür ausgesprochen, Trainer Ottmar Hitzfeld "so lange wie möglich" an den FC Bayern zu binden. "Nicht nur vertraglich, sondern auch menschlich", sagte der Präsident der Tagezeitung "tz". Er stelle sich eine Konstellation wie bei Manchester United vor, wo Trainer Alex Ferguson schon 14 Jahre arbeite und nach zwölf Jahren die Champions League gewonnen habe. "Da muss man Geduld haben. Eine derart langfristige Bindung und kontinuierliche Weiterentwicklung stelle ich mir auch mit Ottmar Hitzfeld vor", sagte Beckenbauer.
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