Interims-Trainer übernahm am Nachmittag das Training: Köln feuert Trainer Ewald Lienen
zuletzt aktualisiert: 28.01.2002 - 17:54Köln (rpo). Bundesligist 1. FC Köln hat mit sofortiger Wirkung seinen Trainer Ewald Lienen beurlaubt. Nach der Niederlage am vergangenen Wochenende war der Club mehr denn je in Abstiegsnöte geraten.
Entgegen aller Treueschwüre in den vergangenen Wochen sah sich der Vorstand um Präsident Albert Caspers gezwungen, in der für den Verein kritischen Situation und dem Absturz auf einen Abstiegsplatz zum letzten Mittel zu greifen. "Wir bedauern diese Entwicklung, aber auf Grund der sportlichen Entwicklungen und der prekären Situation des Vereins mussten wir handeln", sagte Caspers am Montag bei einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz.
Lienen ist nach Frank Pagelsdorf (Hamburger SV), Werner Lorant (TSV München 1860) und Friedhelm Funkel (Hansa Rostock) der vierte Coach, der in der laufenden Bundesliga-Saison seinen Stuhl räumen muss. Als Nachfolger für Lienen steht zunächst der FC- Amateurtrainer Christoph John zur Verfügung. Der Coach hat zusammen mit Assistent Jan Kocian am Nachmittag bereits das Training des Profi-Kaders geleitet und soll die Mannschaft schon am Mittwoch im DFB-Pokal-Viertelfinale bei Hertha BSC Berlin betreuen.
Die Stimmung gegen den Kölner Trainer, der seit Wochen in der Kritik steht, kippte nach der 0:3-Niederlage beim TSV 1860 München am Samstag endgültig. Die anhaltende Erfolglosigkeit - den letzte Sieg schaffte der FC am 24. November in St. Pauli - und die Torflaute von über acht Stunden ohne Treffer haben das Fass zum Überlaufen gebracht. Vorgehalten wurde Lienen vor allem sein undurchsichtiger Aufstellungspoker, der viele Kölner Profis völlig verunsicherte. "Erst üben wir im Trainingslager ein 3-5-2-System und dann wird am Ende wieder alles über den Haufen geworfen", hieß es aus Spielerkreisen.
Kein glückliches Händchen bei Verpflichtungen
Auch bei den Neuverpflichtungen hatte der frühere Bundesliga-Profi Lienen zuletzt kein glückliches Händchen mehr. Der für 3,07 Millionen Euro (6 Millionen Mark) zu Saisonbeginn verpflichtete Stürmer Marco Reich konnte die Erwartungen bislang überhaupt nicht erfüllen, stattdessen wurde im Laufe der Spielzeit die Defensive mit Rigobert Song und Marc Zellweger verstärkt. Zwar stand in der Folgezeit die Abwehr besser, der Erfolg blieb dennoch aus. Auch der kurzfristig verpflichtete Franzose Lilian Laslandes enttäuschte bei seinem Debüt am Samstag in München. Den Unmut der Anhänger zog Lienen endgültig auf sich, als er zum wiederholten Mal auf den torgefährlichen Kölner Kapitän und Publikumsliebling Dirk Lottner verzichtete.
Präsident Caspers hat Lienen bis zuletzt den Rücken gestärkt und den Trainer immer wieder in Schutz genommen. Wohlwissend um die Verdienste seines Trainers, der seit dem 1. Juli 1999 bei dem damaligen Zweitligisten in der Verantwortung stand und den Club in die Bundesliga zurückführte, betonte der Vorsitzende sogar, notfalls mit Lienen wieder in die 2. Liga abzusteigen.
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