Turbulenzen beim Zweitligisten: KSC-Chef Dietrich tritt zurück
zuletzt aktualisiert: 23.02.2002 - 12:23Karlsruhe (rpo). Erst wurde die prekäre wirtschaftliche Lage des Karlsruher SC öffentlich, sportlich blieb ohnehin einiges zu wünschen übrig. Am Freitag ist nun zu allem Überfluss KSC-Präsident Detlef Dietrich zurückgetreten.
Damit schlittert Fußball-Zweitligist Karlsruher SC immer tiefer in die Krise und muss um seine Existenz im Profifußball bangen. Nach dem überraschenden Rücktritt von Präsident Detlef Dietrich bei der Mitgliederversammlung am Freitagabend stehen die Badener ohne Führung da. Zuvor hatte Dietrich bestätigt, dass der Verein bis März zum Überleben 1,8 Millionen Euro liquide Mittel benötigt. Insgesamt drücken dem vom Lizenzentzug bedrohten KSC kurz- und mittelfristige Verbindlichkeiten in Höhe von 3,5 Millionen Euro.
Liquiditätslücke in Höhe von 2,5 Millionen Euro
Der Verwaltungsratsvorsitzende Peter Mayer sprach sogar von einer Liquiditätslücke in Höhe von 2,5 Millionen Euro bis zum Saisonende und erteilte als oberstes Kontrollorgan dem amtierenden Präsidium schlechte Zensuren. "Wir haben einen Haushalt vorgelegt bekommen, der offensichtlich falsch erstellt war", sagte der Bankdirektor.
Vertreter der Stadt Karlsruhe hatten in der Versammlung erklärt, dass es nicht möglich sei, eine Bürgschaft für den Verein zu übernehmen. Die Kreditzusage über vier Millionen Euro einer Versicherung scheiterte laut Dietrich lediglich an diesem Punkt. Ein weiterer Großsponsor, den der Steuerberater eigentlich am Freitagabend präsentieren wollte, ist laut Dietrich noch "kurzfristig auf Grund der schlechten Medienberichterstattung der letzten Tage abgesprungen".
Ausschlag zum Rücktritt
Dies habe für ihn den Ausschlag zum Rücktritt gegeben. "Meine Motivation ist danach auf Null gesunken. Ich habe es satt, mich ständig mit Dreck bewerfen zu lassen", erklärte der Vereinschef der völlig perplexen Versammlung. "Ich trete hiermit mit sofortiger Wirkung zurück. Gott segne Sie."
Nach dem Abgang Dietrichs verbleiben dem Verein die zwei Vizepräsidenten Michael Steidl und Rolf Hauer. Für die Wahl eines neuen Präsidenten benötigt der KSC vier bis sechs Wochen. Zeit, die der Club angesichts der Finanzkrise nicht hat. Daher brach der Versammlungsleiter Ingo Wellenreuther die Veranstaltung ab und berief für diesen Sonntag ein Krisengespräch ein. Überlegt wird, durch den gezielten Rücktritt eines Vizepräsidenten den Verein handlungsunfähig zu machen, um per Beschluss des Amtsgerichts einen Notvorstand einzuberufen.
Als Notvorstand brachte der Vorsitzende des Ehrenrates, Bundesrichter Heinrich Maul, den ehemaligen Oberbürgermeister und Präsidenten des baden-württembergischen Städtetages, Gerhard Seiler, ins Gespräch.
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