Trotz Protest aus China: Länderspiel Grönland gegen Tibet
zuletzt aktualisiert: 29.06.2001 - 19:46Kopenhagen (rpo). Der Deutsche Trainer Sepp Piontek der die Nationalmannschaft von Grönland betreut zeigte sich über die mangelde Unterstützung seitens der Offiziellen enttäuscht. Das Spiel das nicht wegen seiner sportlichen Brisanz Schlagzeilen machte hat beachtliche internationle Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Im "Vanlöse Idrätspark", einem kleinen Vorstadtstadion, werden immerhin einige tausend Zuschauer, vor allem aber auch TV-Teams aus aller Herren Länder erwartet.
Die Regierung Chinas hatte zeitweilig gegen die Austragung des Spiels Sturm gelaufen, weil sie es für unvereinbar mit den Statuten des Weltfußballverbandes FIFA hielt.
Aber die Verantwortlichen in Peking überlegten es sich vor allem mit Blick auf negative Schlagzeilen für die Olympia-Bewerbung der chinesischen Hauptstadt anders und stoppten die Proteste, bei denen sie von den dänischen Ausrichtern auch die Absetzung des Spiels verlangt hatten. So kann die vom dänischen Trainer Michael Nybrandt in Indien zusammengestellte Elf aus Exil-Tibetanern nun gegen die Grönlander auflaufen, die ebenfalls keinen der FIFA angehörenden Verband haben und vom Deutschen Sepp Piontek betreut werden. Die Sache könne "durchaus 10:0 für Grönland ausgehen", meint Nybrandt und wird von den Resultaten einer "Vorbereitungstour" durch Italien bestätigt. Dort wurde die Elf von diversen Provinzclubs einer dänischen Zeitung zufolge ausnahmslos "schlimm in die Mangel genommen" und konnte lediglich einmal gegen eine Rockband als Sieger vom Platz gehen.
Pionteks Hobby-Einsatz für Grönland wird nicht mit Geld, sondern unter anderem durch große Menge Gratis-Krabben sowie eine Jagderlaubnis auf Robben abgegolten. Aber die Polarfußballer, die auf der größten Insel der Welt nicht über einen einzigen Rasenplatz verfügen und der Kälte wegen höchstens vier Monate auf Sand kicken können, nehmen ihre fußballerische Mission durchaus ernst. Der Verband beantragte vergeblich die Aufnahme in die FIFA, um genau wie die ebenfalls halbautonom zu Dänemark gehörenden Färöer Inseln an Qualifikationsrunden für Europa- und Weltmeisterschaften teilnehmen zu können.
Weil das bisher nicht geklappt hat, bestreitet der Verband nun eben Spiele mit anderen Partnern wie Tibet. Gar nicht begeistert war Piontek über die ablehnende Haltung des dänischen Fußballverbandes DBU, dem er in den achtziger Jahren als erfolgreicher Nationaltrainer gedient hatte. Die Kopenhagener Funktionäre fürchteten Ärger mit der FIFA und China, was aber nichts an Pionteks Entschlossenheit zur Durchführung des umstrittenen Spiels änderte.
Nybrandt erklärt ohne Umschweife: "Diese Fußballspiele sollen vor allem dem tibetanischen Streben nach Unabhängigkeit helfen." Aber ganz ohne sportlichen Ehrgeiz ist der Coach für seine Elf dann doch nicht. "Wenigstens ein Tor" wünscht er sich und hofft auf Ansporn durch das neue rot-blaue Nationaltrikot der Tibetaner: "Es ist vom CF Barcelona inspiriert."
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