EM-Teilnehmer im Porträt: Lettland: Außenseiter in der "Hammer-Gruppe" D
zuletzt aktualisiert: 07.04.2004 - 16:10Riga (rpo). Mit dem Sieg in den EM-Playoffs gegen die favorisierten Türken hat sich Lettland mit einem Schlag auf der Fußball-Landkarte Europas verewigt. In der "Hammer-Gruppe" D mit Deutschland, Niederlande und Tschechien gilt das Team als krasser Außenseiter.
Die Balten schalteten in den EM-Playoffs die favorisierten Türken mit 1:0 und 2:2 aus. Erstmals überhaupt löste die ehemalige Sowjetrepublik damit das Ticket zu einem Fußball-Großereignis. "Das ist der größte Erfolg in unserer Fußball-Geschichte", kommentierte der lettische Verbandspräsident Guntis Indriksons. Niemand hatte die Amateure und Halbprofis, zu diesem Zeitpunkt Nummer 69 der Weltrangliste des Weltverbandes Fifa, auf der Rechnung.
Bei der EM-Endrunde (12. Juni bis 4. Juli) wollen die Letten nun die Favoriten wie den dreimaligen Welt- und Europameister Deutschland, den EM-Champion von 1988, Niederlande, und den EM-Titelträger von 1976, Tschechien, ärgern. In der "Hammer-Gruppe" D sind die lettischen Kicker krasser Außenseiter.
Am 19. November 2003, als die EM-Teilnahme durch das Remis in Istanbul gesichert wurde, kannte die Euphorie im Land der Ostsee keine Grenzen mehr. Mit spontanen Partys auf den Straßen, Hupkonzerten und Feuerwerk machten die 2,3 Millionen Einwohner die Nacht zum Tag. In den Straßen der Hauptstadt Riga wurde vor allem Torjäger Maris Verpakovskis mit Sprechchören gefeiert. Der Stürmer von Dynamo Kiew erzielte das 2:2 in Istanbul und war mit seinem Treffer schon für den 1:0-Erfolg im Hinspiel verantwortlich.
Die Teilname an der Europameisterschaft könnte nicht nur dem Fußball, der bisher nach Eishockey und Basketball nur die Sportart Nummer drei in Lettland war, einen großen Schub verleihen. Beobachter in dem baltischen Staat rechneten damit, dass der Erfolg einen Tag nach dem Nationalfeiertag und zwölf Jahre nach der Unabhängigkeit dem ganzen Land ein ähnliches Selbstvertrauen geben könnte, wie der WM-Gewinn des deutschen Teams 1954.
Zwischen 1922 und 1940 bestritt Lettland als unabhängiges Land eine Reihe von Länderspiele, darunter auch zwei gegen die Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Am 13. Oktober 1935 gab es in Königsberg ein 0:3. Am 25. Juni 1937 folgte in Riga ein 1:3. Hauptsächlich duellierten sich die Letten allerdings damals mit den baltischen Nachbarn Estland und Litauen sowie Finnland und Schweden. Die Autonomie endete jedoch 1940, als Lettland eine der Republiken der UdSSR wurde. Erst seit 1991 und dem Zusammenbruch der Sowjetunion ist Lettland wieder selbstständig.
Starkovs gilt als Vater des Erfolgs
Verantwortlich für das Team ist Nationalcoach Aleksandrs Starkovs. Er gilt als "Vater" des Erfolgs. Bezahlt hat sich gemacht, dass er zusätzlich den Abonnementmeister Skonto Riga betreut. Insgesamt neun Spieler aus seinem Verein sind auch im Nationalteam vertreten. "Wir müssen die Euphorie, die es nach dem Erfolg gegen Türkei gegeben hat, hinter uns lassen", sagte der Coach.
Zu seinen Leistungsträgern zählt Stürmer Andrejs Stolcers vom FC Fulham und der von großem Verletzungspech gebeutelte Marian Pahars, der ebenfalls in der englischen Premier League beim FC Southampton spielt. Er fehlte wegen diverser Blessuren fast ein Jahr. Zu den Eckpfeilern der Mannschaft zählen außerdem Torwart Aleksandrs Kolinko (FK Rostow), Igors Stepanovs (SK Beveren), Kapitän Vitalijs Astafjevs (Admira Wacker Mödling) und Andrejs Rubins (Schinnik Jaroslawl).
Lettlands EM Aufgebot:
Tor: 1 Aleksandrs Kolinko (Rostselmasch Rostow, 18.06.1975) 12 Andrejs Piedels (Skonto Riga, 17.09.1970) 20 Andrejs Pavlovs (Skonto Riga, 22.02.1979)
Abwehr: 7 Aleksandrs Isakovs (Skonto Riga, 16.09.1973) 4 Mihails Zemlinskis (Skonto Riga, 21.12.1969) 2 Igors Stepanovs (SK Beveren, 21.01.1976) 6 Olegs Blagonadezdins (Skonto Riga, 16.05.1973) 16 Dzintars Zirnis (Metalurgs Liepaja, 25.04.1977) 22 Arturs (Zakresevskis Skonto Riga, 07.08.1971) 15 Maris Smirnovs (FK Ventspils, 02.06.1976) 18 Igors Korablovs (FK Ventspils, 23.11.1974
Mittelfeld: 8 Imants Bleidelis (Viborg FF, 16.08.1975) 5 Juris Laizans (ZSKA Moskau, 06.01.1979) 3 Vitalijs Astafjevs Admira (Wacker Mödling, 03.04.1971) 10 Andrejs Rubins (Schinnik Jaroslawl, 26.11.1978) 13 Jurgis Pucinsks (Luch-Energia Wladiwostok, 01.03.1973) 14 Valentins Lobanovs (Metalurg Saporoschje, 23.10.1971)
Angriff: 19 Andrejs Stolcers (FC Fulham, 07.07.1974) 9 Maris Verpakovskis (Dynamo Kiew, 15.10.1979) 17 Marians Pahars (FC Southampton, 05.08.1976) 11 Andrejs Prohorenkovs (Maccabi Tel Aviv, 05.02.1977) 23 Vits Rimkus (FK Ventspils, 21.06.1973) 21 Mihails Miholaps (Skonto Riga, 24.08.1974)
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