Champions-League-Finale: Lira Bajramaj: Ein Leben wie im Film
zuletzt aktualisiert: 20.05.2010 - 12:36Madrid (RPO). Den Gebetsteppich Richtung Mekka rollt Fatmire Bajramaj nicht aus, ein Kopftuch würde sie "nie im Leben tragen". Weil es "nicht zu mir passt", weil sie ihre Religion nicht streng auslegt, und überhaupt: "Dann sieht man ja meine Haare nicht mehr."
Aber selbstverständlich hat die 22-Jährige in Madrid vor dem Frauenfinale der Champions League mit Turbine Potsdam gegen Olympique Lyon am Donnerstagabend die höchste Instanz angerufen: "Ich weiß, dass es nur einen Gott gibt. Meiner heißt Allah."
Keine vier Stunden nach diesen Aussagen wuselt die Fußball-Weltmeisterin (2007) und -Europameisterin (2009) in auffälligen Schuhen mit Bajramaj-Stick über den Platz. "40, 50 High-Heels-Paare habe ich zu Hause", in Potsdam, wo sie in einer 95-Quadratmeter-WG am Schloss Sanssouci lebt, erzählt sie. Mehr als 100 Paar Schuhe sind es "insgesamt auf jeden Fall".
Es sind die Widersprüche, die "Lira" Bajramaj interessant erscheinen lassen. Sie ist mehr als die schon 1000-mal erzählte Geschichte vom Flüchtlingskind, das in Deutschland erst beschimpft und dann zum Star wird. Sie ist auch der Fußball-Star, der während seiner Karriere auf jeden Fall noch Mutter werden möchte, und auch der Profi, der nach seiner Karriere "unbedingt einen Kosmetiksalon eröffnen" will.
"Visagistin, das ist ein Traum", sagt Lira Bajramaj, "die Leute verschönern und behandeln, dafür will ich mich ausbilden lassen." Momentan lassen Fußball, Medientermine und das soziale Engagement aber kaum Zeit. "Ich möchte den Menschen helfen, ihnen Mut machen, besonders den Frauen. Ich hatte es ja auch nicht immer leicht."
Manchmal wird sie noch heute ausländerfeindlich beschimpft, wie früher, als Passanten ihr "Zigeuner" hinterherriefen. Letzten Monat noch wurde sie im Straßenverkehr ("Ich hatte ein anderes Auto geschnitten") angeblafft. "Geh' zurück in dein Dorf", rief ein Mann ihr an der Ampel zu. "Ich habe nur gesagt: Was bist du denn für ein Analphabet? Dann hat er mich erkannt und sich entschuldigt."
Aber, und das wurmt sie, nur, weil sie populär ist. Viele Menschen erkennen die Weltmeisterin Bajramaj, die im Sportstudio mit Pumps auf die Torwand schoss. Aber in diesen Momenten ist sie immer noch Fatmire, das Flüchtlings-Mädchen aus dem kosovarischen Gjurakovc, das früher immer heimlich Fußball spielen musste, weil Papa sie lieber beim Ballett gesehen hätte.
Eigentlich hat Lira Bajramaj schon ein Leben wie im Film hinter sich, deshalb hat sie auch mit 21 schon eine Autobiographie veröffentlicht. "Mein Tor ins Leben. Vom Flüchtling zur Weltmeisterin" liefert Einblick in das Leben einer ungewöhnlichen, harten, kampfstarken Frau mit klaren Ansichten.
Und folgt bald der Film zum Buch? "Hollywood-Star Eva Mendes könnte mich spielen," sagt Bajramaj. Ohne Kopftuch, aber sicher mit perfekt gestylten Haaren.
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