Fenerbahce in der Krise: Lorants Tage am Bosporus gezählt
zuletzt aktualisiert: 15.09.2002 - 11:43Istanbul (rpo). Werner Lorants Zeit bei Fenerbahce Istanbul ist offenbar endgültig abgelaufen. Fans, Medien und Vorstand probten nach der blamablen 0:2-Pleite des 14-maligen Meisters beim Provinzklub Malatyaspor den Aufstand.
Der frühere Coach von 1860 München musste vernichtende Kritiken einstecken - und die Liste der potenziellen Nachfolger liest sich wie das "Who is who" der weltbesten Trainer, allen voran Fast-Bundestrainer Christoph Daum, Weltmeister Luiz Felipe Scolari, der argentinische Star-Coach Carlos Bianchi oder sogar Jürgen Röber.
Nach den wochenlangen Querelen schließt sogar Lorant selbst einen Rücktritt nicht mehr aus. "Ich muss erst einmal einige Nächte über die Niederlage schlafen. Dann ich kann ich wieder klar denken, wie es weitergeht", meinte der 53-Jährige, der spätestens nach der verpassten Champions-League-Qualifikation gegen Feyenoord Rotterdam auch den letzten Kredit bei den Fans verspielt hatte.
Und rund 100 treue Anhänger probten nach dem Rückflug auf dem Istanbuler Flughafen bereits den Aufstand und skandierten: "Lorant raus!" Ähnliche Schlagzeilen musste der Coach auch am Sonntagmorgen in den Gazzetten lesen. "Auf Wiedersehen, Herr Lorant! Die letzten Stunden sind angebrochen", titelte der Star und Milliyet schrieb: "Wir haben kein Verständnis mehr."
Nur acht Punkte aus fünf Spielen
Auf 200 Millionen Euro wird der Wert der Mannschaft geschätzt. Während Klubs wie Stadtrivale Besiktas sparen müssen, durfte Lorant auf dem Transfermarkt im Sommer kräftig zuschlagen. Der argentinische Stürmerstar Ariel Ortega wechselte genauso wie der Brasilianer Washington zu Fenerbahce, doch mehr als acht Punkte aus fünf Spielen sprangen nicht heraus.
Verständnis scheint auch das Präsidium nicht mehr zu haben. Klub-Boss Aziz Yildirim verließ mit versteinerter Miene die Katakomben in Malatya und war zu keinem Kommentar mehr bereit. Bereits seit Wochen wird aus großen Teilen des Präsidiums der Rauswurf Lorants gefordert - inzwischen scheint auch Yildirim trotz der Abfindung in Höhe von 1,5 Millionen Euro - der Coach besitzt noch einen Vertrag bis 2003 plus Option - zu dem Schritt bereit zu sein.
Zumal sich "Werner Beinhart" in den letzten Tagen selbst ins Abseit manövriert hat. Lorant soll mit Ilyas Tüfekci, seinem früheren Mitspieler bei Schalke 04, als neuen Co-Trainer in Eigenregie verhandelt haben. Für die Fans ein Affront, zumal Assistent Oguz Cetin im Klub eine Institution ist.
Spätestens nach dem Uefa-Pokalspiel bei AIK Stockholm am Donnerstag soll der Rauswurf nun über die Bühne gehen, sollte Lorant nicht selbst den Schlussstrich ziehen.
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