1. Bundesliga 16/17
| 08.44 Uhr

Manager Christian Heidel
Der "Macher" des FSV Mainz 05 vor dem Absprung

Porträt: Christian Heidel: Bürgermeister-Sohn, Mainz-Manager, zukünftiger Schalker
Porträt: Christian Heidel: Bürgermeister-Sohn, Mainz-Manager, zukünftiger Schalker FOTO: dpa, ve fdt
Mainz. Dem FSV Mainz 05 droht im Sommer der Verlust des langjährigen Managers Christian Heidel, der sich mit Schalke 04 über einen Wechsel einig sein soll. Der 52-Jährige hat nicht nur erstklassige Profis in Mainz hervorgebracht, sondern einst auch Jürgen Klopp den Einstieg in den Trainerjob ermöglicht.

Als Christian Heidel seinen Dienst beim FSV Mainz 05 antrat, wurden die Eintrittskarten am Bruchweg noch mit D-Mark bezahlt, der heutige Bundesligist spielte nahe am Absturz in die Bedeutungslosigkeit und ein gewisser Jürgen Klopp war gerade Stammspieler geworden. Knapp ein Vierteljahrhundert später hat sich beim "Karnevalsverein" fast alles verändert - wegen und dank des heute 52 Jahre alten Heidel.

"Der Star ist der Manager", titelte die Frankfurter Rundschau vor der laufenden Saison, der siebten seit dem Aufstieg aber aller Voraussicht nach letzten von Heidel in Mainz. Der Wechsel des dienstältesten Managers zum Ligarivalen Schalke 04 scheint beschlossene Sache, am Freitag nach Aschermittwoch kommt es zum direkten Aufeinandertreffen beider Klubs (12. Februar/20.30) - spätestens im Anschluss wird sich Heidel wohl erklären. Dem FSV droht ein herber Verlust.

"Der Verein hat in den vergangenen Jahren an Stabilität gewonnen. Es wäre fatal, den Eindruck entstehen zu lassen, wir wären ohne Christian Heidel führungslos", hatte FSV-Präsident Harald Strutz zwar unlängst bei "Sky Sport News HD" gesagt. Aber ob noch so ein Glücksgriff wie damals mit Heidel gelingt?

"Fuchs, Szalai, Holtby, Schürrle, Müller, Geis, Okazaki - das sind unsere Botschafter", hatte Heidel mal aufgezählt. Er meinte die Profis, die als blutjunge Jungspunde von ihm geholt wurden, sich in Mainz einen Namen machten und dann mit großem Gewinn verkauft wurden. "Spieler, die eigentlich zu Real Madrid wollten, können sich nach einem Gespräch mit Christian gar nicht gegen Mainz entscheiden", berichtete Klopp über das Verhandlungsgeschick seines Kumpels - der heutige Liverpool-Teammanager ist selbst das beste Beispiel dafür, dass das "Mainzer Modell" nicht nur für Spieler gilt.

Aus dem Bauch heraus entschied sich Heidel am Rosenmontag 2001 für den damals verletzten FSV-Profi Klopp, als in Mainz dringend ein neuer Trainer gesucht wurde. "Das war eine meiner besten Entscheidungen", sagte der einstige Autohaus-Besitzer Heidel. Der Publikumsliebling war ein absoluter Glücksgriff - ebenso wie Thomas Tuchel, den Heidel 2009 von den A-Junioren an die Seitenlinie des Profi-Teams geholt hatte. Dass Mainz inzwischen in der modernen Coface-Arena spielt, ist auch Heidels Verdienst.

Durch das Verhandlungsgeschick des Managers hat sich der FSV zu einem wirtschaftlich absolut soliden Bundesligisten entwickelt. Im Sommer wurde ein "Mega-Deal" (Twitter-Account des Vereins) mit der Schweizer Sportrechteagentur Infront eingefädelt. Für die kommenden zehn Jahre soll es eine (niedrige) dreistellige Millionensumme geben.

"Er ist ein Mann mit sehr gutem Gespür für den Markt und die Preise und einem überragenden Netzwerk", sagt FSV-Vertriebschef Dag Heydecker. Dietmar Beiersdorfer, Klub-Chef des Hamburger SV, beschreibt den gebürtigen Mainzer und dreifachen Familienvater als in Verhandlungssachen "harten Knochen".

(sid)
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