1. Bundesliga 17/18
| 15.42 Uhr

Katerstimmung beim "Karnevalsverein"
Mainz 05 steckt tief in der Krise

Frankfurt - Mainz: Bilder des Spiels
Frankfurt - Mainz: Bilder des Spiels FOTO: dpa, ade scg
Mainz/Frankfurt. Nach dem peinlichen Aus im DFB-Pokal waren die Gesichter beim FSV Mainz 05 länger als die berühmten Rosenmontags-"Schwellköpp". Trainer Sandro Schwarz knöpft sich öffentlich die Mannschaft vor und muss nun auch Fragen nach seiner Zukunft beantworten.

Das närrische Geschunkel und Gejohle endete diesmal vor dem Gelände des "Karnevalsvereins". Beim tief in der Krise steckenden Fußball-Bundesligisten FSV Mainz 05 wurde es an Altweiber-Fastnacht zwar auch laut - aber ganz anders als gedacht. Das peinliche 0:3 (0:1) im Viertelfinale des DFB-Pokals beim Lokalrivalen Eintracht Frankfurt hatte für Katerstimmung schon zu Beginn der tollen Tage gesorgt - und die bekämpfte Sandro Schwarz am Donnerstag mit deutlichen Worten.

"Das Spiel war ein Tiefschlag. Die Spieler in den Arm zu nehmen und zu sagen, dass das schon wieder wird, ist diesmal der falsche Ansatz", kündigte der Trainer nach der unterirdischen Leistung des Liga-Drittletzten eine harte Linie in den Tagen vor dem Punktspiel am Samstag bei 1899 Hoffenheim (15.30 Uhr/Live-Ticker) an: "Ich stelle mich immer vor die Mannschaft. Aber damit ist Schluss. Ich werde sie nicht in Watte packen. Und das geht bis Samstag weiter."

Schwarz rechnet schonunglos mit seiner Mannschaft ab

Schon am Mittwochabend hatte Schwarz damit begonnen. Erst schrie sich der Coach in der Kabine den Frust aus dem Leib, dann versammelte er seine Profis um sich und wusch ihnen rund 15 Minuten den Kopf. Als der Trainerneuling anschließend vor die Medien trat, rechnete er schonungslos mit seinem Team ab.

"Wir waren als Mannschaft nicht auf dem Platz. Es ist grob fahrlässig, wie wir agieren. Das müssen wir schleunigst abstellen. Das Bild, das wir abgeben, ist nicht Mainz 05", wütete der aufgewühlte Schwarz und wippte dabei kopfschüttelnd auf seinem Stuhl: "So haben wir keine Chance in der Bundesliga, das ist ein Fakt. So kannst du in keiner Liga der Welt ein Spiel gewinnen."

Damit traf der 39-Jährige den Nagel auf den Kopf. Ante Rebic (17.) nach einem kapitalen Fehler des früheren Nationaltorhüters Rene Adler, FSV-Innenverteidiger Alexander Hack per Eigentor (53.) und Omar Mascarell (62.) als Nutznießer eines weiteren Hack-Fehlers trafen vor 48.200 Zuschauern für den Vorjahresfinalisten, der nach dem lockeren Sieg nur noch einen Schritt vom erneuten Endspiel entfernt ist.

"Wir haben die drei Tore ja quasi selbst geschossen - das ist Wahnsinn", sagte FSV-Sportvorstand Rouven Schröder: "Wir alle im Verein reißen uns Tag für Tag den Arsch auf. Da ist es klar, dass wir maximal frustriert und enttäuscht sind. Wir werden deutliche Worte finden müssen"

Fans beschimpfen die Spieler

Diese Worte fanden die mitgereisten Fans direkt nach dem Abpfiff, als sie die Spieler lauthals beschimpften. "Es ist doch klar, dass die Stimmung kippt bei solch einer Leistung", äußerte Schwarz: "Das muss jetzt etwas auslösen. Es muss der Eigenantrieb von jedem Spieler sein, dass er sowas nicht nochmal erleben möchte. Wenn dieser Antrieb nicht da ist, haben wir keine Chance. Wir haben nicht die Qualität, anders die Spiele zu gewinnen."

Was Schwarz von der derzeitigen Qualität seiner Schützlinge hält, machte er gleich nach dem Spiel klar. "Ist jemand von uns Man of the Match?", fragte er voller Ironie vor der Verkündung der Auszeichnung, die an Rebic ging.

Was seine eigene Eignung als Trainer angeht, hatte der längst nicht mehr unumstrittene Schwarz ebenfalls eine klare Meinung. "Dass die Fragen kommen, war klar. Ich habe keine Eitelkeiten in mir. Es geht mir nicht um mich oder meinen Job", sagte der Coach: "Ich bin frustriert wegen der Lage des Vereins. Deshalb fühle ich mich beschissen."

(sid)
 
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