Nachschub für die Nationalmannschaft ist Chefsache: Michael Skibbe zum DFB-Chefstrategen befördert
zuletzt aktualisiert: 02.02.2001 - 14:02Berlin (dpa). Zwölf Wochen vor seinem selbst von Gegnern nicht mehr angezweifelten Antritt als DFB-Präsident hat Gerhard Mayer- Vorfelder die ersten wichtigen Pflöcke fest einzementiert. Im «Wahlkampf» um die Nachfolge von «Pater» Egidius Braun, im dem es keinen Gegenkandidaten gibt, erklärte «MV» den Nachschub für die Nationalmannschaft zur Chefsache Nummer eins und beförderte zugleich Michael Skibbe zum sportlichen Chefstrategen des größten Sportfachverbandes der Welt.
«Ich sehe mich nicht als Präsident, der nichts mehr zu sagen hat», entgegnete Mayer-Vorfelder jenen Kritikern, die ihn durch die Selbstständigkeit des Profi-Fußballs nur als «halben Chef» des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) sehen.
«Wenn ein Talente-Programm greift, wirkt es sich auch auf die Nationalmannschaften aus. Und die bleibt allen Unkenrufen zum Trotz der Deutschen liebstes Kind», verwies «MV» auf seiner Wahlkampf- Station in Berlin darauf, dass er als Präsident das wichtigste Team im Land zumindest politisch bestimmt. Und um dessen Zukunft zu sichern, will er als DFB-Boss tief in die Schatzkiste greifen: Zwölf Millionen Mark jährlich wird es für «U 11» und «U 12»-Junioren geben, 800 000 Mark fließen in die sportbetonten Schulen. «Mit seiner Kompetenz im Leistungsbereich wird er den DFB nach vorn bringen», urteilte Theo Zwanziger, der im neuen «Kabinett» von Mayer-Vorfelder den Posten des Schatzmeisters erhalten will.
Auch für den Bereich der DFB-Trainer kündigte der designierte DFB- Präsident Veränderungen an. «Wenn der nationale Fußball die Gesamt- Reputation halten oder verstärken will, braucht er renommierte Trainer aus der Bundesliga», unterstrich Mayer-Vorfelder. Schon das Beispiel Rudi Völler zeigt, dass der DFB dabei auch von der jahrelangen Braun'schen Politik der schmalen Kosten abrückt. «Natürlich kosten die mehr als der Trainerstab, der vorher war», sagte «MV». Mit Sicherheit müsse die Abteilung Jugend bis hin zur Olympia-Auswahl aufgestockt werden, auch personell, ergänzte der 67- Jährige. «Programme durchführen und kontrollieren kannst du mit dem Personalstand von heute nicht.»
Eine Schlüsselrolle kommt dabei dem Ex-Dortmunder Skibbe zu. Schon der scheidende DFB-Präsident Braun hatte die Idee eines «sportlichen Direktors» neben dem Teamchef für die A-Nationalelf in Planung. «Für mich ist es jetzt die Besetzung», sagte Mayer-Vorfelder, der die Idee umsetzte und Skibbe beförderte. «Ich halte es für psychologisch ungeheuer wichtig, dass er von den anderen anerkannt wird, weil er die A-Nationalmannschaft betreut.» Skibbe, der einen Vertrag bis 2004 bekam, werde auch bei der Neubesetzung von DFB-Trainerstellen oder Vertragsverlängerungen (Uli Stielike, Horst Hrubesch, Hannes Löhr und andere) «entscheidendes Mitspracherecht» haben, erklärte Mayer- Vorfelder.
Dass der eingeschlagene Kurs durch einen Gegenkandidaten für die Wahl am 28. April beim DFB-Bundestag in Magdeburg noch überraschend durchkreuzt wird, glaubt Ex-Politiker Mayer-Vorfelder nicht: «Ich beschäftige mich mit dieser Frage nicht. Wenn er kommt, dann kommt er.» Bis zum 3. März hätten Gegner satzungsgemäß noch Zeit, einen Anwärter anzumelden. «Ich habe schon viele demokratische Wahlen durchzustehen gehabt, in denen weitere Kandidaten da waren», so «MV» in Berlin. Gerade jetzt, wo eine Neustrukturierung im deutschen Fußball da sei, wo die Brücke zwischen Amateuren und Profis immer wieder geschlagen werden müsse, «glaube ich schon, dass ich das nötige Rüstzeug mitbringe, um dort auch vermitteln zu können, wenn es Spannungen gibt», erklärte Mayer-Vorfelder.
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