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Lage bei Eintracht Frankfurt undurchschaubar: Mitgliederversammlung am Montag

zuletzt aktualisiert: 30.01.2000

Frankfurt/Main (sid). Beim krisengeschüttelten Fußball-Bundesligisten Eintracht Frankfurt ist die Situation vor der hochbrisanten Mitgliederversammlung am Montag völlig undurchschaubar. Fakt ist, dass der Abstiegskandidat bei rund 13,6 Millionen Mark sportlich und finanziell vor dem Aus steht. Ob personelle Konsequenzen aus der prekären Lage gezogen werden, ist hingegen unklar. Vom Rücktritt aller Vereinsgremien um Präsident Rolf Heller bis zur Bestätigung der Verantwortlichen gehen die Mutmaßungen.

Die zentrale Frage ist, ob sich der Traditionsklub angesichts der drohenden Zahlungsunfähigkeit überhaupt eine kollektive Demission der Führungsriege erlauben kann. "Das wäre das Schlimmste, was passieren könnte", warnt Schatzmeister Rainer Leben. Denn der Verein müsse unbedingt handlungsfähig bleiben, um die Rettung bis zur Abgabe der Lizenzunterlagen beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) in sechs Wochen noch zu schaffen.

Dazu benötigt die Eintracht nach Lebens Angaben 18 bis 25 Millionen Mark, die durch eine Beteiligung eines Unternehmens am Verein eingenommen werden sollen. Glücklicherweise hat in der Agentur IMG bereits ein Geldgeber Interesse signalisiert, da die Hamburger das neu zu bauende Waldstadion vermarkten und betreiben wollen. "Das wäre ein idealer Partner für uns. Denn für IMG lässt sich das Stadion nur mit einer erstklassigen Mannschaft finanzieren", sagte Leben am Sonntag im DSF.

Es erscheint aber äußerst fraglich, ob die erzürnten Mitglieder Lebens Sanierungsplan sowie den plötzlichen "Schmusekurs" nach wochenlanger Schlammschlacht akzeptieren werden. Vielmehr hat die Oppositionsgruppe "Eintracht 2000" einen Abwahlantrag gegen den massiv in der Kritik stehenden Verwaltungsratsvorsitzenden Bernd Ehinger eingereicht, der angeblich bereits im Sommer Heller als Präsident ablösen wollte. Im Falle von Ehingers Abwahl will der gesamte Verwaltungsrat zurücktreten. Ob der Verein dann noch handlungsfähig wäre, ist zumindest umstritten.

Einen denkbaren Weg aus der verfahrenen Situation skizzierte Vize-Präsident Dr. Peter Lämmerhirdt mit dem Vorschlag kompletter Neuwahlen. "Nur so können die Personaldebatten aufhören. Das ist die einzige Lösung, denn eine Zusammenarbeit im Präsidium ist nicht mehr möglich", so Lämmerhirdt in einem Interview. Danach sollten die Kandidaten für den Verwaltungsrat bei ihrer Vorstellung den Mitgliedern mitteilen, welches Präsidium sie im Falle der Wahl bestimmen würden.

Denn eine neue Führung kann nur vom Verwaltungsrat, für den auch eine achtköpfige "Alternative pro Eintracht" um Ex-Schatzmeister Gaetano Patella kandidieren will, gewählt werden. Ob Präsident Rolf Heller allerdings seinen mehrfach angekündigten Rücktritt in die Tat umsetzen wird, scheint fraglich. Der bei den Anhängern trotz der wirtschaftlichen Bankrotterklärung nach wie vor sehr beliebte Heller könnte vielmehr auch zur großen Abrechnung ausholen.

Noch vor wenigen Wochen hatte der Eintracht-Boss in einem siebenseitigen Brief an alle Gremien jegliche weitere Zusammenarbeit mit Leben für unmöglich erklärt und sogar dessen Vereinsausschluss gefordert. Bei der Bekanntgabe der horrenden Verschuldung unter seiner Führung übte der 56-Jährige am Freitag aber den wenig glaubwürdigen Schulterschluss mit seinem Schatzmeister. Auf Nachfragen schweigt Heller seit Wochen beharrlich: "Bei der Versammlung werde ich mich zu Personalfragen äußern, vorher nicht."

Dubios ist auch Lebens Rolle. Einerseits tritt er als knallharter Sanierer auf, der mit schonungsloser Offenheit den Weg aus der Krise zeigt. Andererseits betrug das Minus beim Dienstantritt des 43-Jährigen im vergangenen Oktober angeblich nur rund acht Millionen Mark, ehe das Präsidium mit Zustimmung Lebens die Schuldenlast auf jetzt mehr als 13 Millionen Mark erhöhte. Zudem wurde Leben angeblich vom Verwaltungsrat gegen Hellers Willen in seine Position gehievt.

Nach Angaben der Bild-Zeitung soll der Unternehmensberater nur eine "Marionette" der Kinowelt AG sein, damit diese einen günstigen Partnerschaftsvetrag mit der maroden Eintracht abschließen kann. Kinowelt-Pressesprecher Jürgen C. Mahnke: "Das entbehrt absolut jeglicher Grundlage. Traditionsvereine sind für die Kinowelt immer als Partner interessant, aber dafür arbeiten wir nicht mit U-Booten, sondern sprechen direkt mit den Verantwortlichen. Wir waren vor ein paar Monaten in Gesprächen mit der Eintracht, aber die sind abgebrochen worden."

Quelle: RPO Archiv

 
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