Nach harten Worten von Trainer Stevens: Möller reagiert mit Sarkasmus auf Kritik: "Immer drauf!"
zuletzt aktualisiert: 25.10.2001 - 12:05Athen (rpo). "Sündenbock" Andreas Möller hat sich gegen die Vorwürfe von Schalke-Trainer Huub Stevens gewehrt: "Das kann nicht der Weg sein."
Nach dem bitteren Aus in der Champions League hatte Stevens einzelne Spieler aus der Mannschaft unverblümt kritisiert. Andreas Möller nahm die Wote des Trainers zum Anlass für eine verbale Gegen-Offensive. "Okay, diesmal habe ich die Fehler gemacht. Das wollen ja alle hören und ich gebe es auch gerne zu. Aber es kann nicht sein, dass einzelne Spieler für die Niederlage verantwortlich gemacht werden. Ich hoffe nicht, dass das der Weg ist, den Schalke in Zukunft einschlagen will", schimpfte der Mittelfeldspieler des FC Schalke 04 nach dem katastrophalen 0:2 bei Panathinaikos Athen am Mittwochabend. Kurz nach Mitternacht redete sich Möller förmlich in Rage und fügte in einer Mischung aus Ironie und Sarkasmus hinzu: "Das ist genau der richtige Weg. Die Mannschaft braucht noch mehr Druck. Immer drauf."
Möller gab unumwunden zu, dass er mit einer indiskutablen Leistung und zwei kapitalen Schnitzern vor den Gegentoren von Emmanuel Olisadebe (31.) und Michales Konstantinou (60.) im Hexenkessel "Apostolos Nikolaidis" wesentlich zum Scheitern in Europas Fußball- Beletage beigetragen hat. Doch dass der niederländische Coach - ganz gegen seine sonstige Gewohnheit - bei der Fehler-Analyse ausdrücklich ihn sowie Sven Kmetsch, Anibal Matellan und Tomasz Hajto beim Namen nannte, wollte Möller nicht akzeptieren. "Dass mein Name gefallen ist, damit kann ich gut umgehen", betonte er, "ich habe ja schon einige Erfahrung damit. Aber das kann nicht der Weg sein."
Schuld-Zuweisungen statt Harmonie
Mit der oft beschworenen Harmonie in der "Schalke-Familie" ist es erst mal vorbei. Möglicherweise hat die wortgewaltige Abrechnung von Manager Rudi Assauer vor Wochenfrist auf Mallorca bei einigen Profis doch nicht nur Positives bewirkt, wie die "Strohfeuer" beim 4:0 auf der Insel und das 1:0 gegen 1860 München in der Liga glauben machten.
Angesichts der bislang äußerst mäßigen Saison (7 Siege, 2 Remis, 7 Niederlagen in 3 Wettbewerben) hat sich beim Vize-Meister aus der "Wir-tun-alles-zusammen"-Philosophie ein gefährlicher Selbstzerfleischungs-Prozess entwickelt, in dem gegenseitige Schuld-Zuweisungen an der Tagesordnung sind. "Ich habe immer gesagt, es ist leichter, nach oben zu kommen, als oben zu bleiben", betonte Stevens, der seinen Schützlingen zwar "Moral und Einstellung" nicht absprach, aber auch enttäuscht feststellte: "Wenn man solche Fehler macht und die Durchschlagskraft nicht aufbringt, hat man nichts zu suchen in der Champions League."
Die Gründe für die andauernde Krise sind vielschichtig: Zum Verletzungspech (Agali, Sand, Oude Kamphuis) gesellte sich die leidige Affäre um Emile Mpenza. Nahezu alle Akteure spielen weit unter Normalform. Die Neuzugänge schlugen nicht ein. Im Team herrschen Selbstzweifel statt Selbstvertrauen. Und die hohe Erwartungshaltung nach den Erfolgen des Vorjahres lähmt statt zu beflügeln. Wie Ebbe Sand gibt auch Möller zu, dass es vom Saisonstart an "nicht rund läuft" und die Leistung zumindest für internationale Aufgaben zurzeit nicht ausreicht. "Wir haben fünf Spiele in der Champions League gemacht und vier verloren. Das ist deutlich. Vielleicht haben wir alle erwartet, dass wir schon weiter sind."
Wie es besser werden kann, weiß augenblicklich wohl niemand. Klar ist, dass es in Assauer weiter brodelt. Der Manager, der sonst nie eine Pressekonferenz verpasst, schwänzte nach der Partie das übliche Frage-und-Antwort-Spiel und ließ Stevens allein die neuerliche Schmach erklären. Auch später war Assauer zu keiner Silbe zu bewegen, verließ grußlos und mit hängendem Kopf die Arena. Kein gutes Zeichen.
Selbst die vage Aussicht, sich per Sieg über Arsenal London bei einer gleichzeitigen Heimpleite Mallorcas gegen Athen am kommenden Dienstag als Trostpflaster wenigstens noch die UEFA-Cup-Teilnahme zu sichern, kann niemanden trösten. Stevens klammert sich dennoch an diesen Strohhalm und baut auf Panathinaikos´ Schützenhilfe: "Ich hoffe, unsere griechischen Freunde tun auf Mallorca ihre Pflicht."
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