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MSV Duisburg
Rüttgers rechnet mit Kentsch ab
MSV Duisburg: Rüttgers rechnet mit Kentsch ab
Andreas Rüttgers, der im November zurückgetretene Vorsitzende des MSV Duisburg, hat zur Abrechnung ausgeholt. FOTO: reichwein
Duisburg. Andreas Rüttgers, der im November zurückgetretene Vorsitzende des MSV Duisburg, hat zur Abrechnung ausgeholt. Der Leitende Mitarbeiter des Unternehmens Schauinsland-Reisen, einem der wichtigsten Sponsoren des MSV, zielte in einem Pressegespräch auf Roland Kentsch, den Geschäftsführer des Profispielbetriebs der Zebras. Von Hermann Kewitz

„Kentsch und Duisburg, das passt vorne und hinten nicht“, sagte Rüttgers gestern. Eine Rückkehr ins Amt des Vorsitzenden schloss er unter den derzeitigen Strukturen aus. Roland Kentsch widersprach auf Nachfrage den Darstellungen von Andreas Rüttgers. Der Geschäftsführer sagte über Rüttgers: „Indem er wider besseren Wissens Unwahrheiten behauptet, dient er nicht der Sache des MSV.“ Es geht dabei unter anderem um die Ereignisse des vergangenen Wochenendes, als die finanzielle Rettung des MSV bekannt gegeben wurde.

Am Freitag vor einer Woche habe man die von Roland Kentsch als finanzielle Lücke benannten 4,9 Millionen Euro zusammen gehabt, berichtet Rüttgers, und zwar ohne Geld von Hellmich, der noch wenige Tage zuvor jede Unterstützung abgelehnt habe. Die Wirtschaftsprüfer hätten aber deutlich gemacht, dass weitere 400.000 bis 500.000 Euro fehlen. Diese habe der Kreis um Rüttgers dann innerhalb von 24 Stunden durch neue Sponsoren und Investoren besorgt, so Rüttgers weiter.

Als er aber die gute Nachricht zunächst Dr. Gerd Görtz, dem Vorsitzenden des Aufsichtsrats der KGaA, also des Profibetriebs übermittelt habe, sei der eher zurückhaltend gewesen. Im Gespräch mit Kentsch habe sich dann herausgestellt, dass die Summe nicht mehr benötigt würde. Walter Hellmich sei mit einem Darlehen eingesprungen. So stellte Rüttgers die Ereignisse dar. Kentsch wies diese Schilderung energisch zurück: „Was Herr Rüttgers behauptet ist falsch. Weder die Summen sind richtig noch die Sachverhaltsbeschreibung.“ Unter anderem habe es ein solches Gespräch am Freitag nicht gegeben, so Kentsch, der seinerseits keine Details darstellen wollte.

Kentsch habe ungünstigeres Modell ausgewählt

Gekoppelt sei das Hellmich-Darlehen daran, dass die Transferrechte für alle Spieler als Sicherheit dienen, berichtete Rüttgers am Freitag. Die vereinigten Retter aus dem Bereich des Hauptvereins hätten ein ähnliches Modell im Blick gehabt. Allerdings sei es da nur um die Rechte an einem Spieler gegangen. Aus Sicht von Rüttgers habe Kentsch damit das ungünstigere Modell gewählt. Zudem hatte sich Walter Hellmich als Retter des MSV feiern lassen, obwohl der „Lückenschluss“ auch ohne seinen Kredit gelungen wäre. Als „Schlag in die Magengrube“ bezeichnete Rüttgers die Ereignisse vom Sonntag, als Walter Hellmich vor dem Spiel gegen Regensburg in die Kabine gegangen sei, um den Spielern von der gelungenen Rettung zu berichten.

Im Pressegespräch nach der Partie hatte Hellmich zurückgerudert. Über Kentsch ließ er ausrichten, dass er keineswegs allein den Verein aus der Finanzkrise geholt habe. Gerald Kassner, Chef des Hauptsponsors Schauinsland-Reisen, habe sich in dieser Woche eines Anrufs von Walter Hellmich verweigert, so Rüttgers. Kassners Unternehmen habe sich mit einem siebenstelligen Betrag an der Abwendung der finanziellen Schwierigkeiten beteiligt und sei wenig amüsiert über den Auftritt des Ex-Bosses.

Darüber hinaus berichtete der ehemalige Vorsitzende Rüttgers von weiteren Details: Roland Kentsch habe sich bei der Bezifferung der Deckungslücke vor einigen Monaten um eine Millionen Euro verrechnet und ihm das mit einem Übertragsfehler begründet. Kentsch hält dagegen: „Ich kann mir nur vorstellen, dass er das Verfahren nicht richtig verstanden hat. Die Liga hat das, war wir geplant hatten, nach unten korrigiert.“ Es habe aufgrund des sportlichen Misserfolgs eine Verschlechterung gegenüber den Planzahlen im Medienbereich, im Ticketingbereich und im Sponsoring angenommen werden müssen. Kentsch: „Von einer Fehlplanung zu reden halte ich für sachlich falsch. Das Verfahren hat sich Herrn Rüttgers offenbar sachlich nicht erschlossen.“

Es galt, wichtige Zusagen abzuwarten

Das Rettungsteam, zu dem er auch Gebag-Sanierer Utz Brömmekamp, Sinalco-Chef Hermann Hövelmann, den Aufsichtsratsvorsitzenden des Vereins, Udo Kirmse, und das Vorstandsmitglied Ingo Wald zählte, habe lange geschwiegen, weil es wichtige Zusagen abzuwarten galt. Unter anderem musste die Stadionprojektgesellschaft einer dauerhaften Mietreduzierung zustimmen. Hauptanteilseigner sei aber in dieser Gesellschaft Walter Hellmich.

Der Ex-Boss habe den Gremien bei seinem ersten Rettungsplan, von dem er später zurücktrat, eine Ehrenerklärung in die Vereinbarung diktiert. Und weil in den Medien bislang die Namen der Gönner nicht zu lesen waren, nannte Rüttgers auch, wer sich mit Sponsoringbeträgen im sechsstelligen Bereich für den Zweitligisten starkgemacht habe: Rheinpower, Hövelmann, die Sparkasse Duisburg, Scania, Grunau & Pape Security, das Meidericher Malerunternehmen Grope, duisport, das Möbelhaus Ostermann, Rhenus, das Unternehmen Hargreaves und Krohne. Die Volksbank Rhein-Ruhr habe sich ebenfalls hilfreich gezeigt. Zum Abschluss seiner Abrechnung wünschte sich Rüttgers noch, dass nun keine Schlammschlacht losbreche. Das darf man wünschen!

Quelle: spol
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