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Für Assauer ist Zeit der Ausreden vorbei: Nach enttäuschender Hinrunde

zuletzt aktualisiert: 20.01.2000

Belek (sid). Die Zeit der Freundlichkeiten und Ausreden ist vorbei. Nach der enttäuschenden Hinrunde verschärft Manager Rudi Assauer beim Bundesligisten Schalke 04 den Umgangston und nimmt seine Profis in die Pflicht. "Ich erwarte, dass sie endlich ihr Potenzial abrufen und nicht immer nach Entschuldigungen suchen. Damit ist jetzt Schluss. Jetzt heißt es: 17-mal Gas geben", erklärte der Ex-Profi im Trainingslager der Königsblauen im türkischen Belek. Schluss mit lustig.

Rang zehn, sechs Punkte Rückstand auf den angepeilten Europacup-Platz, nur ein Heimsieg in acht Spielen - trotz der größten Investitionen in der Vereinsgeschichte hinkt der Uefa-Cup-Sieger von 1997 den eigenen Ansprüchen meilenweit hinterher. Und die Vision des Managers von der "dritten Kraft im deutschen Fußball" erscheint unrealistischer denn je.

Mit der Verpflichtung des 17-Millionen-Manns Emile Lokonda Mpenza, dem zweitteuersten Bundesliga-Transfer, hat Assauer in der Winterpause noch einmal nachgelegt, nun mehr als 40 Millionen Mark in "neue Beine" investiert. Und den Druck weiter erhöht - auch auf Trainer Huub Stevens. Der Niederländer ist in seinem vierten Jahr auf Schalke zum Erfolg verdammt. Der Bonus des überraschenden Europacup-Triumphs von 1997 schwindet, der Unmut der frustrierten Fans richtet sich nun auch gegen den Coach - wie die "Tschüs Stevens"-Gesänge bei einem verkorksten Testspiel bewiesen.

Assauer versucht derweil weiter, seinen sportlichen Leiter aus der Schusslinie zu nehmen. "Der Trainer ist nicht dafür verantwortlich, wenn da draußen einer Mist baut, das hat nichts mit der Klasse eines Trainers zu tun. Es gibt auch keine Abnutzungserscheinungen", beteuert der starke Mann auf Schalke.

&quto;Fehler gleich Tor"Auf der Suche nach den Gründen für den Rückfall ins graue Mittelmaß nach dem Uefa-Cup-Triumph flüchtet sich Assauer ohnehin ins Metaphysische. "Es liegt ein Fluch über Schalke. Ich denke immer darüber nach, was haben wir verbrochen, dass wir so bestraft werden. Es ist sensationell bei uns: Fehler gleich Tor, immer wieder." Dabei liegen die Fakten auf der Hand: Seit 1997 hat Schalke über 60 Millionen Mark in den Neuaufbau der Mannschaft investiert und dabei ein ums andere Mal kräftig daneben gegriffen. Der vermeintliche Türkenstar Hami und der im Mpenza-Transfer wieder abgegebene Michael Goossens lassen grüßen.

"Das Gerüst steht noch nicht", gibt Assauer zu. Und nennt auch die größten Defizite. "Wir brauchen einen Strategen im Mittelfeld." Der Tscheche Jiri Nemec, der 1993 für 900.000 Mark kam, kehrt im Sommer wohl in seine Heimat zurück. Und Kapitän Olaf Thon (33), der in der Vergangenheit oft allein für die spielerische Klasse sorgte, "ist nicht mehr der Jüngste".

Probleme im TorProblem Nummer zwei: die Torhüter. Weder Routinier Oliver Reck noch Talent Mathias Schober überzeugten bisher, beständig ist seit dem Weggang von Jens Lehmann nur die Unbeständigkeit zwischen den Pfosten. Im Moment sieht Assauer "keinen Handlungsbedarf. Aber wenn sie sich weiter die Kirschen hinten rein schmeißen, müssen wir sie wegtun - ganz einfach."

Nach dem Mpenza-Transfer, "ein Vorgriff auf die nächste Saison", sind die finanziellen Möglichkeiten im Sommer allerdings eingeschränkt. Außerdem wird es immer schwieriger, die Wunschspieler nach Schalke zu holen. "Da ist schon einiges geplatzt, die Spieler haben sich anders entschieden. Wir sind international nicht dabei und krebsen im Mittelfeld rum", gibt Assauer zu. Unter den Kandidaten war offenbar auch Leverkusens Stefan Beinlich, der aber den Champions-League-Teilnehmer Hertha BSC Berlin vorzog. Schalke 2000: Der Erfolgsdruck wird immer größer.

Quelle: RPO Archiv

 
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