Entscheidung erst Dienstag - Leben kartet nach - Magath überrascht: Nach Rückzug von Leben geht es ums Überleben
zuletzt aktualisiert: 07.05.2000 - 16:07Frankfurt/Main (dpa). Der Machtkampf in der Führungsetage von Eintracht Frankfurt hat den vom Lizenzentzug und Abstieg bedrohten hessischen Bundesligisten unter höchsten Zeitdruck gesetzt. Knapp 24 Stunden nach dem Rücktritt von Schatzmeister Rainer Leben präsentierte der Verwaltungsratsvorsitzende Bernd Ehinger am Sonntag noch kein allerseits erwartetes schlüssiges Konzept, um spätestens am 31. Mai dem Deutschen Fußball-Bund einen strategischen Partner zur Rettung der Lizenz für die kommende Saison und zur Sanierung des maroden Traditionsvereins nennen zu können.
"Wir stehen unter wahnsinnigem Zeitdruck. Die Modernisierung des Vereins kann nur über die in Gründung befindliche Holding AG abgeschlossen werden", sagte Ehinger, der zusammen mit dem handlungsunfähigem Rumpfpräsidium um Vizepräsident Peter Lämmerhirdt "als Ansprechparter" die Zügel der Macht in die Hand genommen hat. "Bis zum 1. Juli muss die Modernisierung abgeschlossen sein. Es gibt keine Alternative für diesen Weg", betonte Ehinger, "wir haben schon viel zu lang über den Partner diskutiert."
"Alle in Frage kommenden Unternehmen stehen trotz des Rücktritts von Leben weiter zur Verfügung", sagte Ehinger. Der Elektro- Zunftmeister hatte während der von Leben immer wieder verzögerten Verhandlungen selbst Kontakte zu einem Vermarkter aufgenommen. Das soll die International Management Group (IMG) sein, mit der die Eintracht schon vor Wochen kurz vor dem Abschluss stand, bevor Leben im März wenige Minuten vor der Unterschrift den Kontrakt platzen ließ. Leben hatte sich vor der entscheidenden Rücktritts- Sitzung am vergangenen Samstag deutlich für den Schweizer Finanzinvestor Swiss Invest und gegen die Angebote der Vermarktungsunternehmen Sportwelt AG und Octagon ausgesprochen.
Bis zuletzt hatte die Sportwelt AG, Tochterunternehmen der Kinowelt AG des umstrittenen Michael Kölmel, als Lebens Favorit gegolten. "Es bestanden unterschiedliche Auffassungen, wie die Zukunft des Vereins gestaltet werden soll. Die von mir eingeleiteten Maßnahmen, aber vor allem das angeschlagene Tempo bei der Umgestaltung des Vereins konnten nicht mitgetragen werden", rechtfertigte sich Leben, der seiner vorzeitig vom Verwaltungsrat beschlossenen Verabschiedung mit seinem Rücktritt zuvorgekommen war.
"Ich habe keinen Hehl daraus gemacht, dass ich die Rolle des Schatzmeisters im Sinne der Professionalisierung der Eintracht wahrgenommen habe. Aber eine Zusammenarbeit ist schwierig, wenn man statt Miteinander nur Gegeneinander vorfindet", kartet Leben nach. "Präsidium und Verwaltungsrat haben den Verein in den letzten Jahren in die Lage manövriert, nur mit frischem Geld von außen überleben zu können", kritisierte Leben.
Ihm sei klar geworden, dass die Räte bei seiner Modernisierung die Identität des Vereins in Gefahr sahen. "Deshalb ist der Rücktritt die richtige Entscheidung, obwohl ich den Verein gerne weiter in eine erfolgreiche Zukunft begleitet hätte", erklärte Leben, "denn solange die die Eintracht im Wirtschaftsbereich keine erfahrenen Kräfte einstellt, wird die Professionalisierung des Vereins nicht geben. Es gab keine Basis mehr, die Arbeit fortzusetzen." Ehinger sagte am Sonntag: "Das mit der Kompetenz wird sich zeigen. Ich bin kein Amateur." Er führe selber ein Unternehmen mit über 200 Angestellten.
Am Dienstag sollen alle Entscheidungs-Gremien des Traditionsvereins - Rumpfpräsidium, Verwaltungsrat, Beirat, Wahlausschuss und Ältestenrat - über den strategischen Partner befinden, der für 25,1 Prozent Anteile an der Holding AG rund 30 Millionen Mark zahlen soll. Dazu soll eine "Lizenzsport KG" gegründet werden, in der die Spieler nach der Ausklammerung aus dem eingetragenen Verein angestellt sind. Sämtliche bisher laufenden Angestellten-Verträge müssten dort neu gefasst und dem DFB zur Genehmigung vorgelegt werden.
Trainer Felix Magath, der auf die Zusammenarbeit mit Leben gesetzt hatte, zeigte sich überrascht über die neue Entwicklung. "Mit den Vorstellungen von Leben habe ich immer übereingestimmt", erklärte der Coach, der die Frankfurter sportlich aus der Talsohle führte, am Sonntag im DSF. "Ich hatte den Eindruck, dass mit ihm Professionalisierung in den Verein kommt."
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