Braun plant Abschied von der Uefa: Nachfolger Mayer-Vorfelder?
zuletzt aktualisiert: 30.01.2000Leipzig (sid). Abschied auf Raten: DFB-Präsident Egidius Braun will auf dem Kongress der Europäischen Fußball-Union (UEFA) am 30. Juni in Luxemburg nicht mehr für eine weitere Amtszeit als Vizepräsident und Schatzmeister kandidieren. Dies teilte Braun am Rande der 100-Jahr-Feier des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) dem Uefa-Präsidenten Lennart Johansson (Schweden), Uefa-Generalsekretär Gerhard Aigner (Regensburg) sowie weiteren Spitzenfunktionären mit.
Bereits im Oktober 1998 hatte Braun auf dem DFB-Bundestag in Wiesbaden bekannt gegeben, 2001 nicht mehr als DFB-Präsident zu kandidieren. Der Bundestag 2001 in Magdeburg wurde von Oktober auf April vorgezogen, damit wichtige Beschlüsse noch zur folgenden Saison 2001/2002 in Kraft treten können. Damit endet die Funktionärskarriere von Braun, der am 27. Februar beim 100-jährigen Jubiläum des deutschen Rekordmeisters Bayern München 75 Jahre alt wird, definitiv in 14 Monaten.
Sowohl auf nationaler Ebene als auch auf internationalem Gebiet hat Braun sich für Gerhard Mayer-Vorfelder als Nachfolger ausgesprochen. Der langjährige Präsident des Bundesligisten VfB Stuttgart gibt sich allerdings noch zurückhaltend: "Entscheidend ist, dass die internationale Position des DFB nicht gemindert wird. Wenn die Gefahr besteht, dass Deutschland seine Position verliert, wäre es doch besser, Braun macht es nochmal."
Der will sich aber vier weitere Jahre für den europäischen Fußball nicht mehr zumuten. DFB-Direktor Wolfgang Niersbach: "Es stimmt, dass unser Präsident die Uefa-Führung informiert hat, für eine weitere Amtsperiode nicht mehr zur Verfügung zu stehen. Es ist aber gleichzeitig das erklärte Ziel von Egidius Braun, den deutschen Einfluss in internationalen Gremien nicht zu schmälern."
Das kann für den Aachener allerdings noch zu einer Zwickmühle werden. Wunsch-Nachfolger Mayer-Vorfelder jedenfalls hält sich alle Optionen offen und will nicht erneut eine Pleite erleben wie vor drei Jahren in Dublin, als an seiner Stelle der Malteser Joseph Mifsud als Repräsentant der Europäer in die Exekutive des Weltverbandes (Fifa) gewählt wurde: "Es gibt innerhalb der Uefa keine Erbdynastie. Die Uefa hat 51 Mitgliedsverbände, von denen man die Mehrheit bekommen muss."
Insgesamt stehen am 30. Juni in Luxemburg sieben Mitglieder der 14-köpfigen Uefa-Exekutive zur Wahl. Sechs Tage später entscheiden auch acht Europäer, von denen vier eventuell wegen "MV" ihr Amt verlieren könnten, in Zürich bei der Sitzung der insgesamt 24-köpfigen Fifa-Exekutive über die DFB-Bewerbung um die Ausrichtung der WM-Endrunde 2006.
Bedenkt man zudem, dass Mayer-Vorfelder an seinem Amt als Präsident des VfB Stuttgart hängt und noch nicht weiß, ob er sich in Deutschland als Kandidat für das (bezahlte) Amt des Liga-Bosses oder des (ehrenamtlichen) DFB-Präsidenten bewerben soll, wird nachvollziehbar, dass er sich in Sachen Europa noch nicht festlegen will: "Ich bin für drei Jahre als Liga-Präsident gewählt. Da haben wir die Strukturreform auf den Weg gebracht, und ich möchte mir hinsichtlich dieser Reform jedenfalls meine Unbefangenheit erhalten." Die Frage der Profis 'Gehörst du auch wirklich noch zu uns?' will "MV" sich nicht stellen lassen müssen. Andererseits ist gerade diese Rolle als Vereinspräsident eines Profiklubs wieder ein entscheidender Trumpf für Mayer-Vorfelder.
Egal, was passiert: Dramatisch für den deutschen Fußball wäre es, würde er nach dem Verlust von Sitz, Stimme und Einfluss in der "Regierung" des Weltfußballs auch in Europa nicht mehr vertreten sein. Dann müsste Egidius Braun nicht zum Wohle seines SV Breinig, sondern zum Wohle Deutschlands seinen Rücktritt noch einmal überdenken.
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