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Kolumne: Gegenpressing
B-Kulisse für B-Mannschaft

Abschied von Bastian Schweinsteger: B-Kulisse für die B-Mannschaft
RP-Sportchef Robert Peters. FOTO: RP
Die sportliche Bedeutung des Freundschaftskicks zwischen Deutschland und Finnland war gering. Das zeigten nicht zuletzt die Zuschauerzahlen. Doch hat der DFB bei der Ansetzung gleich mehrere Fehler begangen, die zur Minuskulisse führten. Eine Entscheidung muss her: Geld oder Basis? Von Robert Peters

Es war viel Platz auf den Rängen. Damit aber nicht jeder leere Stuhlreihen zählen konnte, hatten die cleveren Jungs vom DFB den gesamten Oberrang im Osten der Mönchengladbacher Arena mit einem großen Plakat abgedeckt. Auch der Gästeblock war zugepflastert. Trotzdem blieb es natürlich bei einer mageren Zahl. Rund 30.000 Zuschauer sollen nach Angaben des Verbands im Borussia-Park gewesen sein, als Jogi Löws Nationalmannschaft im Testspiel gegen das nicht zu den Weltmächten gehörende Finnland ihren Kapitän Bastian Schweinsteiger in den Ruhestand verabschiedete. So wenige Zuschauer gab es bei der Borussia nicht einmal in längst zurückliegenden Zweitliga-Zeiten.

Die Minuskulisse hat der DFB selbst zu verantworten. Denn er hat gleich mehrere Fehler auf einmal begangen. Er vergab das Länderspiel nach Mönchengladbach, obwohl der ortsansässige Klub dort innerhalb einer Woche Champions-League-Qualifikation gegen Bern und ein Bundesliga-Spitzenspiel gegen Leverkusen austrug. Das ist ein teurer Spaß vor allem für jene Anhänger, die mit ihrem Geld haushalten müssen.

Das Ergebnis: Beim Länderspiel wurden die Karten in den hohen Preiskategorien hervorragend abgesetzt, im unteren und mittleren Segment (ab 25 Euro) lief der Verkauf bestenfalls schleppend. Dass kein Gladbacher im Aufgebot war, trug sicher ebenfalls zum übersichtlichen Besuch bei.

Der Kunde hat mit seiner Abwessenheit auch sein Urteil über die sportliche Bedeutung gefällt. Zu häufig wurde dem Publikum in jüngerer Vergangenheit bei Testspielen eine B-Mannschaft präsentiert und ein öffentliches Experiment des Trainerteams. Dem ist das gar nicht vorzuwerfen, schließlich hat die Nationalmannschaft nicht gar so viele Gelegenheiten, sich einzuspielen.

Aber die Frage ist erlaubt, ob das absehbar schwächere Produkt so teuer angeboten werden muss wie das mit der Aussicht auf stärkere Leistungen und sportliche Spannung. Die Antwort hat die Kundschaft in Gladbach gegeben: Das muss nicht sein. Selbst wenn der DFB sich darauf beruft, dass die besseren Plätze immer noch besetzt sind, sollte ihn das Mönchengladbacher Erlebnis zum Nachdenken veranlassen. Es wird auf Dauer ein tristes Erlebnis, wenn bei Testspielen in den Logen mit Juwelen geklimpert wird, während auf den billigen Plätzen niemand mehr sitzt, der für Atmosphäre sorgt. Für Generalproben im Theater wird schließlich auch kein voller Preis erhoben.

Der DFB muss sich bald entscheiden, wie wichtig ihm die Basis ist. Noch hat dieser Prozess nicht so recht begonnen. Dass der Verband Kinder durch den Anstoßtermin um 20.45 Uhr geradezu ausschließt, ist nur ein Beleg dafür.

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