U21-Fußballer starten in EM-Qualifiaktion: Adrion will Hrubesch toppen
VON ROLAND LEROI - zuletzt aktualisiert: 04.09.2009 - 07:55Aachen (RPO.) Rainer Adrion hat kein Problem, mit der hohen Erwartungshaltung zurecht zu kommen. „Es wird schwierig, die Erfolge, die Horst Hrubesch mit seinen Spielern geschafft hat, zu toppen. Aber wir versuchen das trotzdem“, sagt der neue Trainer der deutschen U21-Fußballer.
Gut zwei Monate nachdem sein Vorgänger Hrubesch den Nachwuchs erstmalig zum EM-Titel führen konnte und eine Welle der Begeisterung ausgelöst hatte, startet Adrion mit den Folgejahrgängen am Freitag (18.00 Uhr) in die Qualifikation zur U21-Europameisterschaft 2011 in Dänemark.
Gegen San Marino sollte das zum Auftakt in Aachen nicht schwer fallen, doch schon am nächsten Dienstag (20.15 Uhr) kommt es in Wiesbaden gegen den Gruppen-Mitfavoriten Tschechien zum ersten Härtetest.
„Wir brauchen kurzfristige Erfolge, um unsere langfristigen Ziele zu erreichen“, sagt Adrion. Am Ende des Weges soll nicht nur die EM stehen, sondern zudem die Teilnahme an den Olympischen Spielen 2012. Es gibt schlechtere Momente, um eine solche Herausforderung zu beginnen.
Die Euphorie um den deutschen Nachwuchs ist nach den drei aufeinanderfolgenden EM-Titeln von U17, U19 und U21 auf dem Siedepunkt, und die entsprechenden Talente sind ebenfalls vorhanden. Knapp 10.000 Fans werden gegen San Marino erwartet. Noch vor zwei Jahren hätte sich der Deutsche Fußball-Bund (DFB) gegen so einen Fußballzwerg mit einem Drittel der Zuschauerzahl zufrieden geben müssen.
Dennoch ist es ein schmaler Grat, den Adrion betritt und meistern muss. Nur sechs Spieler aus dem Kader, der in Schweden Europameister wurde, stehen ihm jetzt noch zur Verfügung. Alle anderen müssen sich in der U21 erst zurechtfinden. „Wir verfügen zwar über viel Potenzial, stehen aber vor einem Neuaufbau und haben noch keine stabile Mannschaft“, meint Adrion. Anreize, möglichst schnell das geforderte Level zu erreichen, gibt es genug.
Die nächsten Talente für Löw
In Manuel Neuer, Andreas Beck, Sami Khedira, Marko Marin und Mesut Özil nominierte Bundestrainer Joachim Löw gleich fünf noch in Schweden erfolgreiche Youngster für die anstehenden A-Länderspiele gegen Südafrika und Aserbaidschan. Marin und Özil könnten dem Alter nach weiter für die U21 spielen, wurden aber vorab befördert. Adrions Job ist es nun, die nächsten Talente für Löw auszubilden. Kandidaten gibt es eine Menge.
Der Hamburger Jerome Boateng darf sich ebenso wie Benedikt Höwedes (Schalke) und Mats Hummels (BVB) Hoffnungen machen, von Löw für die EM 2012 nominiert zu werden. „Ihre Erfahrung ist für die U21 sehr wichtig. Sie können sich aber nur für höhere Aufgaben empfehlen, wenn sie ihre Erfolge auf der nächsten Ebene bestätigen“, glaubt Adrion, dass „kein Talent durch einen Titel alleine weiterkommt.“
Dass Adrions aussichtsreichste Spieler allesamt aus der Defensivabteilung kommen, ist ein Problem, dass sich durch viele Junioren-Teams zieht. Die Offensive ist schmal besetzt, schon Vorgänger Hrubesch musste zumeist Mittelfeldspieler in den Sturm beordern. Adrion setzt daher auf Julian Schieber.
Der Stuttgarter wird bereits als „neuer Mario Gomez“ gehandelt, wurde zuvor aber noch nie in eine Junioren-Nationalmannschaft berufen. „Er ist ein Spätstarter, der ein enormes Entwicklungspotenzial hat, das wir weiter begleiten und fördern müssen“, sagt der 55 Jahre alte Trainer. Adrion weiß woran er spricht.
Bis zum vergangenen Juni war er Nachwuchscoach beim VfB Stuttgart und bildete heutige Stars wie Gomez, Timo Hildebrand, Diego Benaglio, Alexander Hleb oder Serdar Tasci aus. Auch durch diese Vita empfahl er sich für den Trainerposten beim DFB. Die Erwartungshaltung wird deshalb nicht geringer.
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