| 12.17 Uhr

DFB-Team
Außen fehlt die Zweitbesetzung

Außen fehlt im Team von Joachim Löw die Zweitbesetzung
Jonas Hector im Spiel gegen Dänemark. FOTO: rtr, LS STF/mel
Nürnberg. Hinter den Außenverteidigern Joshua Kimmich und Jonas Hector klafft im DFB-Team die größte Lücke. Ein typisch deutsches Dilemma. Von Robert Peters

Mesut Özil macht Urlaub, Toni Kroos, Mats Hummels, Sami Khedira ebenfalls; Manuel Neuer und Jerome Boateng sind verletzt, aber die hätten auch Urlaub. Beinahe jeder, der zur Stammbesetzung der Fußball-Nationalmannschaft gehört, ist in die Ferien geschickt worden und darf das WM-Qualifikationsspiel gegen San Marino (20.45 Uhr/Live-Ticker) und den Confed-Cup (17. Juni bis 2. Juli) in bequemer Rückenlage am Fernseher verfolgen. Nur Joshua Kimmich und Jonas Hector müssen Dienst schieben. Das zeigt ein typisch deutsches Dilemma. Für die defensiven Außen, die früher mal Außenverteidiger hießen, hat Bundestrainer Joachim Löw immer noch keine brauchbare Zweitbesetzung, die es ihm erlauben würde, auch Kimmich und Hector ein paar zusätzliche Tage im Liegestuhl zu gönnen.

Auf ihren Positionen ist die Konkurrenz dünn. Allein die Tatsache, dass Kimmich ein gelernter Mittelfeldspieler ist, unterstreicht das. Er hat allerdings beim EM-Turnier im vergangenen Jahr seine Eignung als rechter Flügelmann nachgewiesen. Sogar bei den Bayern soll er der Nachfolger des großen Philipp Lahm sein. Ob er je dessen Klasse erreichen wird, ist eine ganz andere Frage. Hinter Kimmich klafft die größte Lücke. Sebastian Rudy, ebenfalls ein Mittelfeldmann, hat sich mal versuchen dürfen, der Leverkusener Benjamin Henrichs ist allenfalls ein Spieler für die Zukunft.

Richtige Konkurrenz hat auch der Kölner Jonas Hector nicht. Sein ehemaliger Teamkollege Yannick Gerhardt (heute Wolfsburg) kam im Testspiel in Italien Ende 2016 zu seinem Länderspiel-Debüt, Sportgeschichte hat er dabei nicht geschrieben. Und vom Berliner Marvin Plattenhardt ist bislang nur bekannt, dass er sehr feine Freistöße schießen kann. Löw muss seine Spezialisten für die Außenbahnen selbst entwickeln. Denn die Leistungszentren der Bundesligisten reagieren auf die Nachfrage mit einigen Jahren Verspätung. Gerade hat sich herumgesprochen, dass die vorübergehend ausgestorbene Gattung der "Stoßstürmer" unbedingt wiederbelebt werden muss. Das Problem mit den Außenverteidigern kommt hinzu. Die Ära Lahm hatte den Mangel an geeignetem Nachwuchs lange kaschiert. Auch drei Jahre nach dessen Abschied aus der Nationalmannschaft ist Löw nicht entscheidend weitergekommen. Durch die Umstellung auf eine Dreierkette, die im Abwehrspiel eine Fünferkette wird, macht er es den Flügelspielern zumindest ein bisschen einfacher. Sie müssen nicht ständig im Dauersprint von Grundlinie zu Grundlinie stürmen, und die Defensivarbeit wird durch die Pärchenbildung auf den Außen erleichtert. Das ist gegen gleichwertige Gegner wichtig.

Heute Abend ist es ohne Belang. Gegen die Nummer 204 der Weltrangliste erwartet nicht nur das Nürnberger Publikum einen deutlichen deutschen Sieg. "Das werden wir gewinnen", sagt Löw, und da möchte ihm niemand widersprechen. Die Außen werden vor allem damit zu tun haben, den Riegel von San Marino aufzuhebeln, in der deutschen Hälfte wird viel Platz sein. Der Bundestrainer ließ in den Tagen zwischen dem Testspiel in Dänemark und dem Pflichtspiel in Nürnberg verstärkt das Spiel gegen eine Neun-Mann-Abwehr üben. Mehr als eine bessere Übung wird aber auch die Begegnung mit San Marino nicht sein. Teammanager Oliver Bierhoff erklärt deshalb vorsichtshalber: "Die Spieler müssen immer zeigen, dass es eine Freude ist, für die Nationalmannschaft zu spielen." Schau'n mer mal, hätte ein anderer Fußballweiser gesagt.

Quelle: RP
 
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