| 14.57 Uhr

Bei Löw ein Stein im Brett
Kapitän Schweinsteiger: Ein zweiter Fall Ballack?

Fotos: Schweinsteiger trainiert mit der Mannschaft
Fotos: Schweinsteiger trainiert mit der Mannschaft FOTO: dpa, woi lof
Bastian Schweinsteiger war in der EM-Qualifikation keine prägende Figur. Der Kapitän könnte für Bundestrainer Joachim Löw zum Problemfall werden.

Bastian Schweinsteiger macht sich rar, der Kapitän ist bei der deutschen Nationalmannschaft zuletzt nur noch selten an Bord. Von den neun EM-Qualifikationsspielen vor dem Gruppen-Finale gegen Georgien in Leipzig konnte der neue Kapitän nur vier bestreiten. Die wurden alle gewonnen, sodass der Ex-Bayer als Gewinner aus der 0:1-Pleite des Weltranglisten-Zweiten vergangenen Donnerstag in Irland hervorging.

Wegen einer Oberschenkelverletzung verfolgte der 31-Jährige die Blamage in Dublin von der Bank aus - und wird sich seinen Teil gedacht haben. Weder der Dortmunder Ilkay Gündogan noch Toni Kroos konnten im defensiven Mittelfeld überzeugen. "Natürlich hätte Bastian gespielt, wenn er fit gewesen wäre", sagte Joachim Löw. Damit machte der Bundestrainer deutlich, dass Schweinsteiger bei ihm nach wie vor einen Stein im Brett hat.

"Bei ihm schaue ich nicht mehr auf eine fußballerische Entwicklung, ich weiß, welchen Wert er für unser Spiel und die Mannschaft hat. Er hat zuletzt auch mal pausiert, aber das ist bei so einem erfahrenen Spieler nicht entscheidend", sagte Löw dem SID und wies damit alle Skeptiker in die Schranken. Tatsache ist aber, dass Löws "emotionaler Leader", der wie kaum ein anderer Spieler für den Triumph von Rio steht, dieses Niveau seit der WM nicht mehr erreichte.

Einzelkritik: Özil taucht ab FOTO: afp, bf

Nicht zuletzt deshalb hat ihn Pep Guardiola von Bayern München zu Manchester United ziehen lassen. Sicherlich die beste Lösung für Schweinsteiger, der im aktuellen Ensemble des Rekordmeisters kaum noch eine Chance gehabt hätte. "Es war für ihn die richtige Entscheidung, er braucht diese neue Herausforderung", sagte Löw. Schweinsteiger werde sich "für Manchester im Laufe der Saison als ganz wichtig erweisen", ist sich der Bundestrainer sicher.

Aber auch auf der Insel muss Schweinsteiger um einen Stammplatz zittern. Nach dem 0:3 zuletzt gegen den FC Arsenal bekam der Nachfolger von Philipp Lahm als DFB-Spielführer von der englischen Presse einmal mehr sein Fett weg. Zu langsam und behäbig sei er, befanden die Blätter. Teammanager Louis van Gaal, der Schweinsteiger unbedingt wollte, hatte ihn ebenfalls angezählt. "Heute hat er nicht gut gespielt", sagte er nach dem 2:1 in der Champions League gegen den VfL Wolfsburg zur Begründung für Schweinsteigers Auswechslung.

Schweinsteiger konnte diese nicht nachvollziehen und schmollte, wofür sein Ex-Trainer Ottmar Hitzfeld Verständnis zeigte: "Wenn man teilzeitbeschäftigt ist, das regt einen auf mit der Zeit. Man muss auch mal zeigen, dass man unzufrieden ist."

Pressestimmen: "Shane Long macht Jogis Weltmeister lang" FOTO: qvist /Shutterstock.com/Retusche RPO

Bei der Nationalelf ist dies noch nicht der Fall, wenngleich Schweinsteiger im September bei seinen Einsätzen gegen Polen (3:1) und Schottland (3:2) ebenfalls ein gutes Stück von seiner Bestform entfernt war. Dass Schweinsteiger ein zweiter Michael Ballack wird, der nach und nach als Kapitän demontiert wurde, ist zumindest nicht auszuschließen.

So weit muss es aber nicht kommen, schließlich ist Schweinsteiger ein anderer Typ als Ballack. Prominente Fürsprecher hat er auch im Überfluss. "Bastian hat das gewisse Etwas, er bringt die Siegermentalität mit, er weiß, wie es geht", sagt United-Teammanager-Ikone Sir Alex Ferguson.

Das könnte der deutschen Mannschaft bei der Mission EM-Titelgewinn zugute kommen, sofern Schweinsteiger seine alte Form wiederfindet. Auf der Insel nennen sie den einstigen Powerfußballer mittlerweile "Mr. Calm" - den Herrn der Ruhe. Diese Ruhe soll auch dem Weltmeister helfen, sofern der "Trecker auf der Schnellstraße", wie er schon wenig schmeichelhaft bezeichnet wurde, noch einmal restlos fit wird.

(sid)
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Bastian Schweinsteiger: Ein zweiter Fall Michael Ballack?


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.