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WM-Workshop: Beckenbauer kritisiert Fehlen Klinsmanns

zuletzt aktualisiert: 06.03.2006 - 13:00

Düsseldorf (rpo). Die Welt zu Gast bei Freunden, und der Gastgeber fehlt. Ohne Bundestrainer Jürgen Klinsmann hat in Düsseldorf der Workshop der 32 Teilnehmer der WM 2006 begonnen. Heftige Kritik erntete der Wahl-Kalifornier für sein Fernbleiben von WM-OK-Chef Franz Beckenbauer: "Er hätte hier erscheinen müssen. Das ist gar keine Frage, darüber müssen wir nicht diskutieren", sagte Beckenbauer auf einer Pressekonferenz in Düsseldorf.

"Kaiser" kontra "Klinsi": In bislang noch nie da gewesener Form hat Beckenbauer seinen früheren Schützling kritisiert, dem Bundestrainer 95 Tage vor dem WM-Eröffnungsspiel Beratungsresistenz und eine schlechte Kinderstube unterstellt. "Jeder geht mit seinem Bereich so um, wie er erzogen wurde. Er hätte hier erscheinen müssen. Das ist ein Pflichttermin, und so viele Pflichttermine hat er ja nicht", sagte Beckenbauer.

Der 60-Jährige verurteilte das Verhalten Klinsmanns, der am Donnerstag nach der 1:4-Pleite der deutschen Nationalmannschaft in Italien gleich wieder den Flieger in Richtung seiner Wahlheimat USA bestiegen hatte. Damit fehlte der Bundestrainer unter anderem auch beim Workshop, obwohl dort unter anderem der von ihm vorangetriebene Vorschlag einer späteren Nominierungsfrist (bisher 15. Mai) diskutiert wird.

Die Delegation des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) wurde beim Workshop von Klinsmanns Assistenten Joachim Löw sowie Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff angeführt. "Das ist ein Unding. Als Gastgebertrainer muss man da sein. Fast alle Cheftrainer sind da, aus Brasilien kommt Carlos Alberto Parreira, Sven-Göran Eriksson kommt aus England, aber unser Chef ist nicht da. Mehr will ich dazu gar nicht mehr sagen. Denn wenn ich weiter darüber nachdenke, wird meine Wortwahl noch drastischer", meinte ein zorniger Beckenbauer, der seinen Wortschwall für alle sichtbar zügeln musste.

Auf Distanz zu Klinsmann

Überhaupt ging der OK-Boss deutlich auf Distanz zu Klinsmann, der als Stürmer 1990 unter dem damaligen Teamchef Beckenbauer in Italien Weltmeister geworden war. "Es hat keinen Sinn mehr, mit ihm zu sprechen. Ich weiß nicht, wie oft ich mit ihm gesprochen und ihm gesagt habe, dass er in der Hauptzeit vor der WM in Deutschland sein muss. Wenn das die Auffassung von seinem Beruf ist, dann muss er auch mit der Kritik leben."

Der geschäftsführende DFB-Präsident Theo Zwanziger stellte sich hinter seinen leitenden Angestellten Klinsmann: "Franz sagt emotional, was viele denken, und ich nehme mich selbst da nicht ganz aus. Im Interesse der WM und der weiteren Vorbereitung spreche ich natürlich mit Jürgen Klinsmann über alles; es macht indes keinen Sinn, seine Arbeits- und Verhaltensweisen ständig neu öffentlich zu thematisieren. Wir müssen alle an der Seite dieses Bundestrainers stehen, der in seiner bisherigen Amtszeit auch viel Positives bewegt hat. Nur mit Vertrauen zu ihm und seinen überwiegend jungen Spielern haben wir eine Chance, unsere Ziele zu erreichen. Ich rate dringend, sie nicht schon im Vorfeld zu verspielen."

Bierhoff zeigte Verständnis für das "Kaiser"-Grollen: "Die WM ist sein Kind, deshalb hätte er den Bundestrainer gerne hier gehabt. Aber angesichts der Themen, die hier besprochen werden, ist die Präsenz von Klinsmann nicht notwendig. Aus repräsentativen Gründen kann man über die Nicht-Teilnahme natürlich streiten. Aber Jürgen ist kein Freund von repräsentativen Terminen, er bereitet die WM lieber sachlich und fachlich vor."

Der DFB-Teammanager geht von einer Aussprache zwischen Beckenbauer und Klinsmann aus. "Fußballer streiten sich auch schon mal. Ich gehe davon aus, dass sich die beiden aussprechen werden und wir vor der WM alle wieder in einem Boot sitzen. Es ist sehr wichtig, dass wir als Nationalmannschaft die Arbeit von Beckenbauer unterstützen und genauso wichtig, dass wir die Unterstützung von einer so großen Persönlichkeit wie Franz Beckenbauer haben", äußerte Bierhoff.

Ein Unding, sich nach Kalifornien abzusetzen

Nach Meinung von Beckenbauer ist es ein Unding, dass sich Klinsmann nach dem Debakel von Florenz wieder zu seiner Familie nach Kalifornien abgesetzt hat: "Man hätte ihn hier benötigt, um die Scherben zusammenzukehren." Bevor sich der Fußball-"Kaiser" weiter in Rage redete, wurde die Pressekonferenz schnell beendet, so dass weitere Spitzen gegen den Bundestrainer ausblieben.

Zuvor versicherte Beckenbauer aber noch, dass er trotz des Debakels von Florenz an ein positives Abschneiden des Gastgebers bei der WM-Endrunde (9. Juni bis 9. Juli) in Deutschland glaube. "Ich habe die Hoffnung nicht aufgegeben. Ich vertraue der Mannschaft und auch der sportlichen Leitung", sagte der Weltmeister von 1974 und begründete seine Zuversicht: "Es stimmt mich optimistisch, dass wir nur noch Heimspiele haben. Denn unsere Heimspiele waren fast alle in Ordnung, beim Konföderationen-Pokal teilweise sogar sehr gut. Auswärts ist unsere Mannschaft zu unerfahren und nicht in der Lage zu bestehen. Dies hat man in Italien gesehen. Aber mit dem eigenen Publikum im Rücken kann diese Mannschaft viel erreichen."

Quelle: sid

 
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