"Die denken eben anders": Beckenbauer stichelt gegen Klinsi
zuletzt aktualisiert: 19.04.2006 - 11:22Hamburg (rpo). Franz Beckenbauer hat sich mit der Degradierung von Oliver Kahn zur Nummer zwei im deutschen Tor offenbar doch noch nicht ganz abgefunden. Auf das Torwart-Dilemma angesprochen erwiderte die "Lichtgestalt": "Ich habe das nicht zu entscheiden. Das sind halt neue sportliche Verantwortliche jetzt. Die denken eben anders."
Beckenbauer sprach mit der "Sport-Bild". Ohnehin kann sich Beckenbauer offenbar nur schwer mit dem Gedanken anfreunden, dass Lehmann bei der Weltmeisterschaft (9. Juni bis 9. Juli) zwischen den Pfosten stehen soll. "Angenommen, es ist wirklich so, dass Lehmann im Tor steht, und er bleibt auf der Bank, dann fällt Oliver Kahn eine sehr wichtige Rolle zu", stellte der 60-Jährige Arsenal-Keeper Lehmann in Frage, um zugleich Kahns neue Reservistenrolle zu umschreiben. "Er ist der Feuerwehrmann, vorausgesetzt, dass er nicht spielt. Die Spieler hören auf ihn."
Im Laufe der zweimonatigen WM-Phase gebe es innerhalb eines Teams viele Brände zu löschen. "Deshalb braucht man einen erfahrenen Mann wie Kahn, der sofort löschen kann." Der Bayern-Routinier müsse daher bei den Reservisten eingreifen. "Dann kann Oliver Kahn zum wichtigsten Mann für Jürgen Klinsmann werden", betonte Beckenbauer. Er rechne fest damit, dass Kahn seine neue Rolle annehmen werde. "Er hat ja selbst betont, dass Einzelschicksale jetzt nicht zu berücksichtigen sind. Dass der Erfolg der Mannschaft das wichtigste ist. Die Absicht ist also auf jeden Fall da, dass er seine Rolle durchhält."
Beckenbauer lobte Kahns Entschluss, als Reservist zur WM fahren zu wollen. "Ich finde seine Geste, auch als Nummer zwei mitzufahren, unglaublich. Diese WM war sein Lebenswerk. Der Abschluss im eigenen Land, darauf hat er hingearbeitet", hob Beckenbauer hervor. Der 36-Jährige habe so viele Verdienste um den deutschen Fußball und die Nationalmannschaft. "Ihm allein ist es ja zu verdanken, dass Deutschland vor vier Jahren ins WM-Endspiel gekommen ist", erinnerte der "Kaiser".
Ungeachtet der T-Frage fordert der WM-Organisationschef von der deutschen Elf zumindest das Erreichen des Viertelfinales. "Das Überstehen der Vorrunde ist Pflicht", mahnte Beckenbauer mit Blick auf die Gruppengegner Costa Rica, Ecuador und Polen. Angesichts des Heimvorteils als Ausrichter könne man von Deutschland auch das Viertel- und Halbfinale erwarten. Die aktuelle DFB-Auswahl sei ungeachtet der Probleme in der Abwehr sicherlich nicht schlechter als 1998 und 1994. "Und da sind wir jeweils im Viertelfinale ausgeschieden. Schlechter darf es nicht sein."
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