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Ex-Bundestrainer
Vogts: Verteidiger besser ausbilden

Porträt: Das ist Berti Vogts
Porträt: Das ist Berti Vogts FOTO: AP
Mönchengladbach. Jürgen Klinsmann und Berti Vogts haben eine Mission: Der deutsche Trainer und sein Berater wollen die Nationalmannschaft der USA zum Sieg beim Gold Cup, der kontinentalen Meisterschaft für Nord-, Mittelamerika und der Karibik, führen. Ihr Team startete in der Nacht zu gestern mit einem mühevollen 2:1-Sieg gegen Honduras ins Turnier. Von Karsten Kellermann

Klinsmann hat ein Team beisammen, in dem einige Spieler dabei sind, die in Europa geboren wurden. Allein vier Spieler aus der Bundesliga hat Klinsmann berufen: John Brooks (Hertha BSC Berlin), Timmy Chandler (Eintracht Frankfurt), Fabian Johnson (Borussia Mönchengladbach) und Alfredo Morales (FC Ingolstadt). "Das Problem der Spieler aus Europa ist, dass sie keine Wettkampfpraxis haben, sondern aus der Sommerpause kommen", sagt Vogts. Dennoch sind diese Spieler wichtig für Klinsmann. "Die Spieler aus Europa haben eine tolle Grundausbildung."

Den "Verlust" der "Ger-mericans", wie "The Guardian" die in Deutschland geborenen Spieler nennt, wertet Vogts als durchaus nicht unproblematisch für den deutschen Fußball, insbesondere, wenn es um Defensivpersonal geht. Vor allem vom vielseitigen Gladbacher Johnson, der 35-mal in den Nachwuchsteams des DFB spielte, bevor er US-Nationalspieler wurde, hat Vogts eine hohe Meinung. "Bei der WM 2014 hat er sein großes Potenzial gezeigt, er war in Brasilien einer der besten Rechtsverteidiger. Hätte er sich nicht entschieden, für die USA zu spielen, würde er sicher zum deutschen A-Team gehören", sagt Vogts.

"In den vergangenen Jahren etwas verpasst"

Der ehemalige Weltklasse-Verteidiger Vogts hat "ein großes Problem" in der Ausbildung defensiver Nachwuchskräfte im Land des Weltmeisters ausgemacht. "Es wird viel Wert darauf gelegt, spielstarke Stürmer und Mittelfeldspieler auszubilden. In der Ausbildung von Defensivspielern wurde in den vergangenen Jahren etwas verpasst", moniert Vogts im Gespräch mit unserer Redaktion. Ausgerechnet dem Land, das einst herausragende Defensivkräfte wie Jürgen Kohler herausbrachte, droht ein Defensivspieler-Problem.

Die klassische Verteidigerarbeit stehe während der Ausbildung zu wenig auf dem Lehrplan, findet Vogts. So fehlt es an Abwehrqualität für die Viererkette, die defensiven Außen und für das defensive Mittelfeld. "In der Bundesliga sind in vielen Mannschaften die hinteren Positionen mit Spielern aus dem Ausland bestückt. Das ist das Problem", sagt Vogts. Die Folge: "Gegen Topteams, die viel kombinieren, steht die Nationalmannschaft ordentlich. Wenn aber die Gegner mit langen Bällen nach vorn operieren, wird es kritisch." Beleg: das 1:1 in der EM-Qualifikation gegen Irland.

"Natürlich hat sich das Spiel der Defensivakteure im Vergleich zu früher verändert. Sie müssen heute auch gut im Spielaufbau von hinten heraus sein und bei Ballgewinn schnell umschalten können. Doch es geht auch darum, den Ball sichern zu können und ihn zu erobern. Und auch darum, das eigene Tor zu verteidigen", sagt Vogts. Seine Forderung: "In Deutschland darf künftig nicht mehr nur auf tolle Offensivspieler geschaut werden, wir brauchen auch gute Defensivspieler. Das war schon immer Deutschlands Pfund."

Quelle: RP
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