Abschied von Nationaltorwart Robert Enke: Bonhof: "Robert war auch als Mensch klasse"
VON O. E. SCHÜTZ - zuletzt aktualisiert: 12.11.2009 - 12:35Mönchengladbach (RP). Thomas Kleine war geschockt, Oliver Neuville tief betroffen. "Ich war am Sonntag beim HSV-Spiel in Hannover, habe noch mit Robert gesprochen. Es ist für mich unfassbar", sagte Borussia Mönchengladbachs Verteidiger Kleine, der bei den 96ern mit Enke in einer Mannschaft gespielt hat.
"Letztes Jahr bei der Europameisterschaft waren wir vier Wochen zusammen. Es ist tragisch, was jetzt passiert ist, auch für seine Familie. Keiner hatte so etwas gedacht", erklärte Neuville, neben Kleine der Einzige aus Gladbachs aktueller Mannschaft, der Robert Enke über ein paar Treffen auf dem Spielfeld hinaus gekannt hat. Und so lief gestern Morgen das Training im Borussia-Park fast wie immer, am Nachmittag immerhin vor auf halbmast gesetzten Vereinsfahnen.
Es ist gut zehn Jahre her, dass der Torhüter Mönchengladbach verlassen hat. Doch da sind heute noch Max Eberl, Michael Frontzeck und Uwe Kamps, die damals mit ihm zusammen für Borussia gespielt haben und jetzt bei ihr Sportdirektor oder Trainer sind. Und da ist Rainer Bonhof, der im letzten halben Jahr Enkes am Bökelberg Trainer war.
"Robert war auch als Mensch klasse. Immer geradeaus. Wenn er ein Problem hatte, konnte man mit ihm über alles reden. Was muss in ihm jetzt vorgegangen sein, dass er diesen Schritt getan hat. Das ist, was mich fertig macht", sagte Bonhof, heute Vizepräsident, sichtlich betroffen.
Torwarttrainer Uwe Kamps kennt Robert Enke am besten, der 1998 mit 20 Jahren ins kalte Wasser geworfen wurde, als Kamps mit einem Achillessehnenriss vor dem ersten Spieltag ausfiel. "Und er hat eine tolle Saison gespielt, auch wenn wir abgestiegen sind. Wir haben uns super verstanden. Robert war aber nicht nur ein großer Sportler, sondern auch ein toller Mensch. Ich bin zutiefst traurig. Wir hatten immer noch gelegentlich Kontakt", sagte Kamps. "Ich habe ihn auch als Mensch immer sehr gemocht", betonte Michael Frontzeck.
Alle, die ihn näher gekannt haben, sagen dasselbe: Mit diesem Schritt Robert Enkes hatte niemand gerechnet. "Ich habe ihn nie als labilen Menschen erlebt. Er wusste immer genau, was er wollte", erklärte Wilfried Jacobs, damals Borussias Präsident. Darin, dass Enke, von den Fans als "Verräter" beschimpft, nachdem er bereits Anfang April seinen Wechsel zum Saisonende bekannt gegeben hatte, am viertletzten und am vorletzten Spieltag fehlte, sah Jacobs wie die meisten Borussen nichts Außergewöhnliches. Erst eine Verletzung, dann eine noch nicht abgeklungene Frühlingsgrippe: Das war die Begründung. Nur ganz wenige haben daran zweifeln wollen.
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