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Nationalmannschaft
Captain Sami schreibt Schweinsteiger nicht ab

Porträt: Sami Khedira: Weltmeister und Weltenbummler
Porträt: Sami Khedira: Weltmeister und Weltenbummler FOTO: dpa, gh
München. Auch gegen Italien wird Sami Khedira die deutsche Elf wohl als Kapitän anführen. Der 28-Jährige mag die Chefrolle, warn aber davor, Bastian Schweinsteiger schon abzuschreiben. Von Robert Peters

Am 29. Juni 2009 wird die deutsche U-21-Nationalmannschaft Europameister. Im Finale bezwingt sie England mit 4:0. Sechs Spieler, Manuel Neuer, Jerome Boateng, Benedikt Höwedes, Mats Hummels, Mesut Özil und ihr Kapitän Sami Khedira, werden fünf Jahre später Weltmeister. Khedira ist immer noch ein Anführer. Und nun ist er auch wieder Kapitän. Gegen England trug er die Binde, gegen Italien (20.45 Uhr/Live-Ticker) wird er das wohl wieder tun. Er sagt: "Es ist definitiv eine Ehre für mich, die Mannschaft aufs Feld zu führen." Aber er sagt auch: "Für mich persönlich ist das nicht so wichtig."

Das soll heißen: Ich habe schon vorher gesagt, wo es langgeht, und ich werde das auch tun, wenn ich keine Binde mehr trage. So schaut er auf seine Zuhörer, selbstbewusst, klar, auch ein bisschen herausfordernd. Gegen England hat er fast genauso gespielt, sehr selbstbewusst, ziemlich aufrecht und in den Zweikämpfen manchmal schon eine Ecke zu herausfordernd. Er lud die Gegner gern zum direkten Duell um den Ball, und die Engländer nahmen diese Einladungen ebenso gern an. Mit dem Ergebnis, dass Khedira einige dieser Machospielchen verlor.

Dergleichen schüttelt Captain Sami allerdings locker ab. Denn er mag die Chefrolle. Sie wird ihm im zentralen Mittelfeld zurzeit auch nicht bestritten. Der Chef aus dem WM-Finale, Bastian Schweinsteiger, ist erneut von einer Verletzung aufs Krankenlager geworfen. Der geplagte, inzwischen 31 Jahre alte Körper hat sich nach der WM noch mehr Pausen genommen als vor dem großen Turnier. Deshalb zweifeln viele daran, dass Schweinsteiger rechtzeitig zur EM wieder den Belastungen des Hochleistungssports gewachsen sein könnte. Khedira nicht. "Es wird schon so getan, als sei Basti nicht mehr da", sagt er, "aber jeder, der ihn abschreibt, macht einen Fehler." Dazu guckt er sehr ernst, und er spart sich sogar den Standardzusatz "definitiv".

Sollte Schweinsteiger fit werden, ist er der Kapitän, Bundestrainer Joachim Löw hat ihn nach der WM zum Nachfolger von Philipp Lahm bestimmt. Im DFB-Aufgebot tun deshalb alle so, als sei die Spielführerbinde nur kurz mal ausgeliehen. Spieler und Offizielle spielen die Bedeutung des Amts für die Testspiele gegen England und Italien derart herunter, dass schon spöttisch gefragt wird, ob die Rolle des Kapitäns ausgelost werde. Da muss sogar Khedira lächeln.

Bei anderen Themen wird er zuverlässig, "definitiv", ganz ernst. Zum Beispiel bei der Frage, ob es nicht ein wenig leichtfertig sei, in Freundschaftsspielen nicht bis an die Grenze zu gehen und im Blick auf die EM alles auf eine funktionierende Vorbereitung zu setzen. "Diese Diskussion", sagt Khedira, "haben wir doch alle zwei Jahre. Seien Sie sicher, wir kommen nicht hierher und sagen, uns ist alles egal. Man will immer gewinnen und eine Topleistung bringen. Aber vielleicht ist es gut, dass uns gegen einen Topgegner wie England die Augen geöffnet wurden."

Es war möglicherweise die Warnung zur rechten Zeit. Khedira hat aus der letzten halben Stunde des Spiels gegen die Briten, als die DFB-Auswahl drei Gegentore schluckte und große Chancen zuließ, zumindest eine Forderung abgeleitet: "Das darf uns nicht passieren, dass wir den Betrieb eingestellt haben." Definitiv.

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