2:2 gegen die Elfenbeinküste: Das kuriose Gegentor des Manuel Neuer
zuletzt aktualisiert: 19.11.2009 - 09:59Gelsenkirchen (RPO). Manuel Neuer wollte es gar nicht glauben. Für einige Sekunden stand der Nationaltorwart still in seinem Revier, starrte vor sich hin. Im Grunde hatte er sich den Ball ja selbst reingehauen. Es war der Ausgleichstreffer der Elfenbeinküste zum zwischenzeitlichen 1:1.
Am Ende stand ein 2:2 (1:0) im ersten Länderspiel nach dem Tod von Robert Enke. Die ersten 45 Minuten hatte Bremens Tim Wiese zwischen den deutschen Pfosten gestanden, unaufgeregt und fehlerlos. Nach dem Wechsel wurde er durch den Schalker Neuer ersetzt, der vor eigenem Publikum einen unglücklichen Abend erwischte.
Der U21-Europameister schoss in seinem "Wohnzimmer" in der 57. Minute nach einem Rückpass seines Klubkollegen Heiko Westermann Gästestürmer Emmanuel Eboue den Ball in den Unterleib, der Abpraller trudelte mit lockerer Geschwindigkeit ins Tor. Eine Schalker Co-Produktion, wie sie nicht schlimmer hätte passieren können.
In der 85. Minute war Neuer beim 1:2 des zwei Minuten zuvor eingewechselten Seydou Doumbia allerdings machtlos. Und als Podolski in der Nachspielzeit der verdiente Ausgleich gelang, durfte sich Neuer zumindest sicher sein, keine Niederlage verschuldet zu haben.
Der deutschen Nationalmannschaft gelang derweil dank des Doppelpacks von Lukas Podolski der Spagat zwischen Trauer und Fußball-Alltag, auch wenn es im letzten Spiel des Jahres nicht zum Sieg reichte. Nach einer erschütternden Woche gelang der deutschen Elf ein sportlich durchaus gelungener Abschluss.
Vor dem Anpfiff war die Trauer um Robert Enke noch einmal allgegenwärtig gewesen. Auf dem Videowürfel der Schalker WM-Arena wurden zu den Klängen von "You'll never walk alone" Bilder aus dem Leben des achtmaligen Nationaltorwarts gezeigt, der sich am Dienstag vergangener Woche das Leben genommen hatte.
Enkes Trikot lag als symbolisches Zeichen auf der deutschen Ersatzbank. Der verletzte Kapitän Michael Ballack hatte das rote Shirt zwischen die Auswechselspieler gelegt. Sowohl die Gäste von der Elfenbeinküste, die vor dem Spiel ein T-Shirt mit dem Konterfei Enkes und der Aufschrift "in memoriam Robert Enke" trugen, als auch die deutsche Mannschaft spielten mit Trauerflor.
"Nach dem Video war uns allen schon noch mulmig zu Mute. Danach hat man gesehen, dass sein Tod noch in uns steckt, aber ich glaube, wir haben es ganz gut gemeistert. Wir sollten das Positive herausziehen."
"Nur" 33.000 Zuschauer
Die Rückkehr in den Fußball-Alltag gelang der deutschen Elf von Beginn an vor nur 33.015 Zuschauern gut. Löws Auswahl, die in den neuen WM-Trikots auflief und sich aktiver präsentierte als zuletzt beim viel kritisierten 1:1 in Hamburg gegen Finnland, wurde für ihr forsches Spiel schon in der elften Minute belohnt. Nachdem Guy Demel vom Hamburger SV den Debütanten Stefan Kießling zu Fall gebracht hatte, entschied Schiedsrichter Bjorn Kuipers aus den Niederlanden auf Elfmeter, den Podolski sicher verwandelt.
Danach drehten die technisch starken Gäste auf. Nur zwei Minuten nach dem 1:0 misslang Philipp Lahm eine Kopfballrückgabe, der folgende Lupfer von Eboue landete auf der Latte. In der 17. Minute war Torwart Tim Wiese bei einem Schuss von Sekou Cisse zur Stelle.
Der Bremer Schlussmann und der Leverkusener Kießling standen erstmals in der Startformation. Als zweiter Stürmer neben Kießling lief Podolski auf. Für den am Knie angeschlagenen Ballack führte Lahm die DFB-Elf als Kapitän aufs Feld.
Nach der kurzen Drangperiode der Ivorer, die ohne ihren verletzten Superstar Didier Drogba vom FC Chelsea auskommen mussten, bekamen die Gastgeber das Spiel wieder in den Griff. Zunächst verpasste Podolski (22.) mit seinem Schuss von der Strafraumgrenze das 2:0 nur knapp, drei Minuten später musste Arthur Boka vom VfB Stuttgart nach einem Kopfball von Westermann für seinen geschlagenen Torwart Aristide Zogbo auf der Linie klären.
Danach ließ das DFB-Team etwas nach, eine konzentrierte Leistung in der Defensive verhinderte aber auch gefährliche Aktionen der Ivorer. Kurz vor der Pause hatte Piotr Trochowski die große Chance zum 2:0, doch der Hamburger traf nur den Pfosten.
Zur zweiten Halbzeit ersetzte Neuer wie abgesprochen Wiese im Tor. Der Schalker bekam zunächst wenig zu tun, weil seine Teamkollegen weiter nach vorne spielten. Podolski verpasste das 2:0 nur um Zentimeter (51.), in der 56. Minute sorgte Piotr Trochowski mit einem Schuss für Gefahr. Doch nur eine Minute später kamen die Ivorer mit Neuers Hilfe zum 1:1.
Die deutsche Elf brauchte eine Weile, um sich vom Ausgleich zu erholen und brauchte für die nächste gelungene Aktion eine Standardsituation. Nach einem Freistoß von Mesut Özil (74.) köpfte der agile Podolski über das Tor. Auf der Gegenseite prallte ein Schuss von Salomon Kalou (76.) von Per Mertesackers Bein nur knapp neben das Tor.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum







