Abschied von Nationaltorwart Robert Enke: Deisler ging an die Öffentlichkeit
VON MARTINA STÖCKER - zuletzt aktualisiert: 12.11.2009 - 10:10Düsseldorf (RPO). In einem Moment tiefster Verzweiflung hat Sebastian Deisler mit vier Worten um Hilfe gebeten. "Ich kann nicht mehr", sagte er im Herbst 2003 zu Uli Hoeneß. Der Manager des Fußball-Bundesligisten Bayern München reagierte und organisierte für seinen Spieler eine ärztliche Betreuung. Auf einer Pressekonferenz wurde mitgeteilt, dass der Spieler an einer Depression leide.
Sebastian Deisler begab sich in stationäre Behandlung. Gebeugt wie ein alter Mann schlurfte er nachts über die Gänge er meinte, er müsse sterben, wenn er einschliefe. Der Klinikaufenthalt half, den Fußballprofi zu stabilisieren.
Die Ärzte verkündeten vor den Fernsehkameras gar, Deisler sei geheilt. Er kehrte zurück auf den Fußballplatz. Die Depressionen allerdings blieben und warfen immer wieder Schatten auf sein Leben. Im Januar 2007 erklärte der Nationalspieler seinen Rücktritt vom Profifußball. Im Alter von 27 Jahren.
"Ich war leer, ich war müde, ich war nicht mehr da", so erinnert sich Sebastian Deisler zwei Jahre später an diese Phase seines Lebens. Gemeinsam mit einem Journalisten hat er seine Geschichte aufgeschrieben ("Zurück ins Leben", Edel-Verlag).
Die Andacht vor dem Trauermarsch im Wortlaut gibt es hier.
Als das Buch Anfang Oktober erschien, gab er ein Zeitungs-Interview und stellte sich ein Mal im Fernsehen den Fragen. Dann tauchte er ab. Er lebt wieder in seinem Heimatort Lörrach, fühlt sich seelisch stabil und sucht nach einer neuen Aufgabe im Leben.
Viele Dinge haben seine Krankheit befördert. Der Fußball-Profi, der als Jugendlicher ins Internat von Borussia Mönchengladbach kam, schätzt sich heute als zu sensibel für das große Fußballgeschäft ein. Trotz seines Riesentalents quälten ihn Selbstzweifel; er fürchtete, seine Familie und Mitspieler zu enttäuschen. Sein Körper ließ ihn im Stich, er war von Verletzungen geplagt und von Schmerzen gequält. Die in ihn gesetzten Hoffnungen konnte er nie erfüllen.
Und er litt an dem – so wie er es empfand – übertriebenen Interesse an seiner Person. Ständig private Fragen von Journalisten, Kameras, die auf ihn gerichtet waren, und Tausende Menschen, die ihn beurteilten aufgrund eines Freistoßes oder Fehlpasses Sebastian Deisler verlor sich in dieser Welt.
Seine Mannschaftskollegen bei Bayern wussten nicht mit ihm umzugehen. Statt mit ihm zu reden, nannten sie ihn hinter seinem Rücken "die Deislerin". Der so Geschmähte versuchte, "einen auf stark, einen auf cool" zu machen, aber dies habe seinem Wesen widersprochen. "Ich habe mich dadurch seelisch verletzt", sagte er .
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