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Joachim Löw Michael Ballack Panorama dapd 2011
  Foto: dapd, dapd
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Sportlicher Jahresrückblick - Teil 6: Der Capitano muss von Bord

VON FRIEDHELM KÖRNER - zuletzt aktualisiert: 24.12.2011 - 16:58

Düsseldorf (RPO). RP Online blickt auf das Sportjahr 2011 zurück. Im sechsten Teil geht es um den Abschied von Michael Ballack aus der deutschen Nationalmannschaft.

Bundestrainer Joachim Löw verzichtet künftig auf Michael Ballack. Die Meldung vom 16. Juni war ein Paukenschlag, ein Gewitter im deutschen Fußballl. Nach Vorstellung des DFB sollte der Leverkusener das Nationalteam am 10. August gegen Brasilien noch einmal als Spielführer auf den Platz führen. Der "Capitano" sagte den Klassiker ab, wollte sich nicht mit einem solchen Gutmenschen-Abschiedsspiel abspeisen lassen.

Ballacks langer Abschied aus der Nationalmannschaft begann im Mai 2010 mit einem Foul. Der brutale Tritt von Kevin-Prince Boateng im englischen Pokalfinale brachte den DFB-Kapitän um die Nominierung für die WM 2010 in Südafrika. Ballack spielte damals noch für Chelsea, Boateng für Portsmouth. Die schwere Sprunggelenkverletzung machte die dritte WM-Teilnahme des zu dieser Zeit einzigen deutschen Weltstars im Fußball unmöglich.

Während der Sachse nur Zuschauer war, als die Kollegen in Südafrika ohne ihn begeisterten, bildete sich eine neue Hierarchie. Philipp Lahm war WM-Kapitän, Bastian Schweinsteiger sein Vize. Und nachdem der Leverkusener im September 2010 eine schwere Außenbandverletzung erlitten hatte und erneut wochenlang fehlte, schien eine Rückkehr ins Nationalteam fast schon ausgeschlossen.

Doch erst im Juni 2010 war es endgültig: Der Capitano geht von Bord. Er muss von Bord. "Die vergangenen Monate haben gezeigt, dass viele junge Spieler in den Blickpunkt gerückt sind und gute Perspektiven besitzen. Mit ihnen ist die Entwicklung der Nationalmannschaft seit der WM 2010 in Südafrika absolut positiv verlaufen", begründete Bundestrainer Joachim Löw seine Entscheidung. "Nachdem ich diese Thematik mit Michael Ballack zuletzt bei unserem Treffen Ende März in aller Offenheit erörtert habe und wir danach mehrfach telefoniert haben, ist nun vor dem Start in die EM-Saison der Zeitpunkt gekommen, hier klar Position zu beziehen“, so Löw damals.

Löw adelt Ballack

"In unseren Gesprächen hatte ich den Eindruck, dass Michael durchaus Verständnis für unsere Sichtweise hat“, fügte Löw hinzu. "Im Interesse aller ist daher jetzt eine ehrliche und klare Entscheidung angebracht.“ Ballack sei ein Jahrzehnt lang "ein sehr wichtiger Führungsspieler der Nationalmannschaft“ gewesen und habe "enormen Anteil an den großen Erfolgen des Teams seit der WM 2002“ gehabt. Er habe eine Ära geprägt und sich als Kapitän stets in den Dienst der Mannschaft gestellt. "Seine spielerische und kämpferische Klasse sprechen ebenso für ihn wie seine Torgefährlichkeit und seine Nervenstärke gerade in wichtigen Spielen.“

Es sei eine Selbstverständlichkeit, dass Ballack als Nationalspieler in attraktivem Rahmen verabschiedet werden soll "und wir ihm ein ehrliches Dankeschön für seine großen Verdienste um den deutschen Fußball sagen wollen“, erklärte Löw. "Wir alle möchten, dass Michael Ballack in seinem 99. Länderspiel einen würdigen Abschied von der Nationalmannschaft am 10. August im Klassiker gegen Brasilien feiern und dort ein letztes Mal unser Team als Kapitän aufs Feld führen kann“, betonte Generalsekretär Wolfgang Niersbach. "Wir hoffen, dass er dieses Angebot annimmt.“ Der 34-Jährige verzichtete aber auf das Spiel.

"Wir bedauern diese Entscheidung, weil wir der Meinung sind, dass Michael Ballack nach wie vor ein wichtiger Bestandteil der Nationalmannschaft sein könnte“, sagte Bayer Leverkusens Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser zu Löws Verzicht auf den Routinier. "Aber es ist die Entscheidung des Bundestrainers. Auch wenn man über den späten Zeitpunkt diskutieren kann, respektieren wir sie.“

Ballack wurde 2002 Vizeweltmeister. Im Halbfinale gegen Südkorea erzielte er das Siegtor zum 1:0, doch nach der zweiten Gelben Karte war er für das Endspiel gegen Brasilien (0:2) gesperrt. 2006 folgte bei der WM im eigenen Land Platz drei, 2008 bei der EM Rang zwei, nachdem Ballack im entscheidenden Gruppenspiel gegen Gastgeber Österreich mit einem fulminanten 26-Meter-Freistoß das goldene Tor geschossen hatte.

Er blieb der Unvollendete, denn ein Titel mit der DFB-Auswahl blieb ihm verwehrt. Mit dem FC Bayern und dem FC Chelsea gewann er elf nationale Titel (Meisterschaft/Pokal). Den letzten Triumph feierte er 2010 bei Chelseas Sieg gegen Portsmouth. Als Kevin-Prince Boateng seinen WM-Traum zerstörte und der leise Abschied des "Capitanos" seinen Anfang nahm.

Quelle: seeg/chk

 
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