Emotionaler Abschied: Deutsche Elf krönt ihre Fans zu Weltmeistern
zuletzt aktualisiert: 09.07.2006 - 12:53Berlin (rpo). Krönender WM-Abschluss für die Klinsmann-Elf: Rund eine halbe Millionen Fans haben am Sonntagmittag auf der Berliner Fanmeile die deutsche Nationalmannschaft empfangen. Der Platz war ein schwarz-rot-goldenes Fahnenmeer.
"54, 74, 90, 2010" - immer wieder stimmten Klinsmann und seine Spieler in die neue "Nationalhymne" ein und sangen mit den Fans bei der offiziellen Präsentation der deutschen Nationalmannschaft in Berlin um die Wette. Die Anhänger bereiteten Jürgen Klinsmann und den deutschen Fußballern in der Hauptstadt einen rauschenden Abschied mit Gänsehaut-Feeling, feierten den WM-Dritten als "Weltmeister der Herzen". Mit dem Fest, das von ARD, ZDF und RTL live übertragen wurde, wollte sich die deutsche Mannschaft bei ihren Fans für die wochenlange Unterstützung bedanken.
"Wir haben vier Wochen eine Party erlebt, wie wir sie noch nie in Deutschland hatten. Wir sind mächtig stolz. Tausend, tausend Dank, Ihr seid fantastisch. Es war einfach geil", rief Bundestrainer Jürgen Klinsmann den Anhängern zu. Zu seiner Zukunft wollte sich der 41-Jährige allerdings nicht äußern: "Gebt mir bitte noch ein paar Tage. Ich kann das alles noch nicht begreifen."
Um 12.34 Uhr hatten die Torhüter Jens Lehmann, Oliver Kahn und Timo Hildebrand als erste Spieler die Bühne betreten und sofort einen ohrenbetäubenden Lärm ausgelöst. Die Straße des 17. Juni versank in einem schwarz-rot-goldenen Fahnenmeer. Es folgten die weiteren Spieler aufgeteilt nach den einzelnen Mannschaftsteilen.
Alle Spieler trugen T-Shirts mit den Aufschriften "Danke Deutschland" und "Teamgeist - 82 Millionen"; damit wurde auf die uneingeschränkte Unterstützung der gesamten deutschen Bevölkerung angespielt. Zum Abschluss entrollten Ballack und Co. ein Riesenplakat mit der Aufschrift: "Fans, wir danken Euch - Ihr seid Fan-Weltmeister."
"Es wurde kräftig gefeiert"
Kapitän Michael Ballack hatte die ersten Sätze seiner Ansprache auf einem Zettel notiert, den Torwart Jens Lehmann in Anspielung auf den Elfmeter-Krimi gegen Argentinien aus dem Stutzen zog. Sichtlich übernächtigt sagte der Kapitän: "Wir haben ein paar Minuten geschlafen. Es wurde kräftig, kräftig gefeiert. Das ein oder andere Bier haben wir getrunken. Es ist eine große Last abgefallen."
"Das ist ein grandioser Empfang. Das sind Momente, die man nie vergessen wird", sagte Abwehrspieler Christoph Metzelder. "Wenn man das heute sieht, das ist sensationell. Das Gute ist, dass wir uns in vier Wochen wieder treffen und ein Länderspiel austragen", sagte Philipp Lahm. Torjäger Miroslav Klose kündigte an: "Man kann das noch nicht fassen. Jetzt werde ich mit meiner Familie in den Urlaub fahren und die WM Revue passieren lassen."
Dem Schalker Gerald Asamoah war es vorbehalten, Pop-Sänger Xaver Naidoo anzukündigen. Naidoos Lied "Dieser Weg" wurde im deutschen Lager zum internen Hit. Arm ind Arm formierten sich die Spieler und dienten dem Soul-Barden als Chor.
Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff gab erneut seiner Hoffnung Ausdruck, Klinsmann würde seine Arbeit als Bundestrainer fortsetzen: "Er weiß, dass er die Unterstützung der Mannschaft hat. Alle glauben an ihn." Auch Co-Trainer Joachim Löw hofft auf eine weitere Zusammenarbeit: "Wir brauchen ihn."
Fans hoffen auf das "Wunder von Johannesburg"
Die Fans bedankten sich auf großen Plakaten bei der deutschen Mannschaft, feierte ihre Helden mit minutenlangen Sprechchören und wiesen auf Transparenten schon mal den Weg für die WM 2010: "Das Wunder von Johannesburg!"
Schon eine Stunde vor dem Start des Fan-Festes hatte es einen Riesen-Andrang in Berlin gegeben. Die Polizei musste die Eingangstore am Brandenburger Tor frühzeitig schließen. Rund 5000 Beamte waren im Einsatz und sorgten wie schon bei den Fan-Festen zuvor für einen weitgehend reibungslosen Ablauf im Tiergarten. Es gab laut Polizei keinerlei Zwischenfälle.
Bereits am Samstag nach dem 3:1-Erfolg im kleinen Finale um Platz drei hatte Trainer Klinsmann das Zeichen für Party gegeben. "Wir werden die Nacht durchfeiern, die Spieler können machen, was sie wollen. Sie können auch auf den Schlossplatz, wenn sie sich trauen", sagte der Coach, der kaum noch die richtigen Worte für die Euphorie fand: "Es ist Wahnsinn, was in den letzten Wochen passiert ist. Wir dachten immer, das wäre nicht zu toppen, aber es wurde noch einmal getoppt. Es ist fantastisch und nicht in Worte zu fassen."
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