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Deutschland besiegt Finnland
Ein 2:0 ohne großen Wert

Einzelkritik: Gute Noten für Meyer, Volland und Özil
Einzelkritik: Gute Noten für Meyer, Volland und Özil FOTO: afp
Mönchengladbach. Beim Abschiedsspiel von Bastian Schweinsteiger gewinnt Deutschland mit 2:0 gegen Finnland. Der sportliche Wert der Partie ist allerdings fragwürdig. Von Bernd Jolitz

Es hat in der deutschen Fußballgeschichte schon glamourösere Abende gegeben. Was vom Testspiel der Nationalmannschaft gegen Finnland im Gedächtnis bleiben wird, ist das bewegende Ende der internationalen Karriere von Kapitän Bastian Schweinsteiger. Die Partie selbst, die die Truppe von Bundestrainer Joachim Löw 2:0 gewann, wird schon sehr zeitnah vergessen sein.

Sieben Weltmeister auf der Bank – was Löw da zu Spielbeginn inszenierte, war schon ausgesprochener Luxus. So betrachteten also Mats Hummels, Sami Khedira und Co. das Geschehen gemütlich von draußen, und Welttorhüter Manuel Neuer gesellte sich gar erst mit einiger Verspätung zum Aufwärmprogramm seiner Kollegen Marc-André ter Stegen und Bernd Leno hinzu. Für einen Einsatz war der Münchner ohnehin nicht vorgesehen. Es war eben nicht der Abend der Weltmeister – mit Ausnahme der Hauptperson natürlich, Bastian Schweinsteiger, der bei seinem letzten Länderspiel von jungen Hüpfern wie Debütant Niklas Süle, Max Meyer und Julian Brandt umgeben war.

Aber dann gab's ja auch noch Mario Götze, dem der Bundestrainer nach schweren Zeiten in München und einer bislang inaktiven Phase bei seinem alten und neuen Klub Borussia Dortmund offenbar signalisieren wollte, dass er weiter voll auf ihn zählt. Was für die vielen Jungen und die beiden "Alten" sicher ein schöner Effekt war, setzte hinter das gesamte Projekt Finnland-Spiel freilich ein dickes Fragezeichen.

Es ist ja ohnehin schon fragwürdig genug, dass das erste Länderspiel-Wochenende nach nur einem Spieltag schon wieder das Bundesliga-Programm unterbricht – doch wenn das der internationale Kalender wegen des am Sonntag folgenden WM-Qualifikationsspiel in Oslo schon so vorgibt, hätte der DFB vielleicht nicht vorab noch einen "Test" gegen die Fußball-Großmacht aus dem Land der tausend Seen ansetzen müssen. Selbst wenn die Finnen womöglich wirklich einen ähnlichen Ball spielen wie die Norweger, wie es Löw vorab der Welt erklärte, darf über Sinn und Zweck des Testlaufs trefflich diskutiert werden. Norwegen und Finnland gehören schließlich zu den nicht wirklich zahlreichen Nationen, die es tatsächlich geschafft haben, die Qualifikation für die 24-Teilnehmer-EM zu verpassen.

Die Quittung erhielt der DFB auf den Rängen. Nun hatte es sich ja eher zufällig ergeben, dass Schweinsteigers Abschied auf diesen Abend in Mönchengladbach fallen sollte. Hätte er in München stattgefunden, wäre die Arena sicher allein seinetwegen voll gewesen. So jedoch waren dank einiger in den vergangenen Tagen aufgelegten Ticket-Programme für Jugendmannschaften zwar noch wenigstens 30.121 Zuschauer in den Borussia-Park gekommen, ein würdiger Rahmen sieht aber dennoch anders aus.

Taktisch versuchte es der Bundestrainer mit einer Dreier-Abwehrkette mit dem Neu-Londoner Shkodran Mustafi, Joshua Kimmich und Süle, Götze spielte als "falsche Neun" ganz vorn. Gegen die Nummer 61 der Fifa-Weltrangliste, gleichauf mit Saudi-Arabien und nur knapp hinter Mali, führte die offensive Ausrichtung wenig überraschend schnell zu einem Übergewicht, nicht aber zu einer Fülle von Torchancen. Es bedurfte schon eines Fast-Eigentores von Paulus Arajuuri, der in der 28. Minute den Ball gegen den Pfosten nagelte, um in dieser Rubrik den ersten Strich zu machen, Götze ließ mit einer vergebenen hundertprozentigen Möglichkeit den zweiten folgen.

Neun Minuten nach Wiederanpfiff gab es dann aber endlich etwas zu feiern auf den Rängen. Mit seiner besten Szene setzte sich Götze auf dem Flügel durch und bediente den Schalker Max Meyer passgenau zu dessen erstem Tor im zweiten Länderspiel. Der eingewechselte Mesut Özil erhöhte mit einem Schuss, der vom Innenpfosten ins Netz prallte und machte damit den Sack zu. Der Abend gehörte jedoch ganz dem scheidenden Kapitän.

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