| 22.57 Uhr

Länderspiel in Paris
Deutschland verliert – 0:2 wird zur Nebensache

Frankreich - Deutschland
Frankreich - Deutschland FOTO: afp, le
Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft hat das Testspiel in Frankreich mit 0:2 verloren. Das Spiel stand im Schatten der Explosionen und Schießereien im Umfeld des Stadions und in der Stadt Paris. Von Gianni Costa

Es gab an diesem Tag in Paris gleich mehrer Dinge, die den Sport in den Hintergrund gerückt haben. Gegen Mittag war das Teamhotel Molitor nach einer Bombendrohung evakuiert worden. Die Mannschaft wartete im nahe gelegenen Tennisstadion Roland Garros, die Polizei suchte die Fünfsterne-Herberge mit Spürhunden ergebnislos ab. Nach zwei Stunden kam die Entwarnung, der Rummel war dennoch gewaltig. Am Abend kam es dann zu einer konkreten Bedrohungslage. Mehrere lautstarke Explosionen wurden zunächst als Böller gedeutet. Schnell war leider klar, dass es nicht so harmlos war und es zu einer Schießerei mit mehreren Toten außerhalb des Stade de France gekommen war. Frankreich ereilte eine nationale Katastrophe. Das Ergebnis des Länderspiels zwischen Frankreich und Deutschland rückte so selbstredend in den Hintergrund: Die Hausherren setzten sich 2:0 durch. Die Zuschauer wurden nach dem Schlusspfiff vom Stadionsprecher über die schrecklichen Ereignisse in Kenntnis gesetzt.

Joachim Löw wartete mit einer nicht oft vorgetragenen taktischen Ausrichtung auf. Gegen die Franzosen setzte der Bundestrainer auf ein 3-4-2-1-System. Sehr defensiv vorgetragen und mit einigen Unsicherheiten in der praktischen Umsetzung. Antonio Rüdiger, Mats Hummels und Jerome Boateng bildeten den Defensivverbund. Der Dortmunder Matthias Ginter und der Kölner Jonas Hector, zuletzt noch auf den Außenpositionen in der Viererkette, agierten etwas vorgezogen, waren aber ebenfalls zumeist mit defensiven Aufgaben beschäftigt - herauskam so in großen Teilen der Partie eine Fünferkette. Als Ginter sich anschickte, etwas offensiver zu spielen, wurde er von Thomas Müller gleich wieder nach hinten beordert.

Viel entscheidender war allerdings, dass es der Weltmeister nicht vermochte, sich Zugriff auf das Mittelfeld zu verschaffen. Bastian Schweinsteiger und Sami Khedira trabten recht orientierungslos auf dem nach Regenfällen tiefen Platz herum. Die beiden Auslandsprofis von Manchester United und Juventus Turin erreichten bei weitem nicht das Niveau, dass sie noch im vergangenen Jahr bei der Weltmeisterschaft ausgezeichnet hatte.

Die Franzosen haben nachhaltig in Erinnerung gerufen, warum sie zum engeren Kreis der Titelanwärter bei der Europameisterschaft im kommenden Jahr im eigenen Land gelten. Da ist eine sehr reife Mannschaft herangewachsen, die wenig gemein hat mit den Chaos-Truppen bei den vergangenen Großereignissen. Als Deutschland zumindest etwas mehr Drang in der Offensive entwickelte, machten die Franzosen den Führungstreffer durch Olivier Giroud.

Die deutsche Abwehr guckte recht bereitwillig zu, wie die Equipe Tricolore ihr Spiel durchzogen - ohne sich allzu sehr dagegen aufzubäumen. Löw hatte im Vorfeld die Partie gegen Frankreich zu einem richtungsweißenden Test heraufgeredet. Demnach dürfte er noch viel Arbeit vor sich haben.

In der Offensive vertraute er nach 14 Monaten wieder einmal auf Mario Gomez. Der Angreifer konnte einem Leid tun - denn das Spiel war absolut nicht auf ihr ausgerichtet. Immerhin konnte er sich eine Chance erarbeiten, die er recht zielsicher aber vergab.

Die Entscheidung fiel, als der eingewechselte Gignac in der Schlussphase mit einem Kopfballtreffer zum 2:0 erfolgreich war. Am Dienstag gibt es eine neue Chance, die taktischen Ideen auszuprobieren. Dann trifft Deutschland auf die Niederlande. Die haben sich erst gar nicht für die Europameisterschaft qualifiziert.

Die Franzosen unterstrich in ihrem Nationalstadion, dass sie im kommenden Jahr zu den Anwärtern auf den Titel gehören. Auch 1984, als das Kontinentalturnier zuletzt in Paris entschieden wurde, hatten sich die Gastgeber durchsetzen können. Damals war Michel Platini die prägende Figur auf dem Platz. Ob der derzeit suspendierte Uefa-Präsident auch im kommenden Jahr eine wichtige Rolle spielen kann, erscheint fraglicher denn je.

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