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Grindel soll DFB-Präsident werden
Aufstand der Amateure

Porträt: Reinhard Grindel: Der neue DFB-Präsident
Porträt: Reinhard Grindel: Der neue DFB-Präsident FOTO: dpa, fis jhe
Hannover. Die mächtigen Landesfürsten sprechen sich für Reinhard Grindel als neuen DFB-Präsidenten aus - und damit gegen die DFL. Von Michael Bröcker und Gianni Costa

Beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) liegt noch immer einiges im Argen. Es wird wohl noch Monate dauern, bis die Ungereimtheiten rund um die Weltmeisterschaft 2006 aufgeklärt sind. Es gibt großen Knatsch beim Kampf um die Macht. Die Vertreter der Amateure gegen die Fraktion der Profis von der Deutschen Fußball Liga (DFL). Ausgerechnet in dieser schwierigen Phase steht auch noch die Wahl eines neuen Präsidenten nach dem Rücktritt von Wolfgang Niersbach an. Gestern haben sich die mächtigen Landesfürsten auf einen Kandidaten festgelegt: Reinhard Grindel, bisher Schatzmeister des DFB, soll der neue starke Mann an der Spitze des größten Sportfachverbands der Welt werden. Am Freitag soll Grindel dem Präsidium vorgeschlagen werden, seine als sicher geltende Wahl würde dann auf einem außerordentlich DFB-Bundestag Anfang kommenden Jahres erfolgen.

Die Personalie Grindel sorgt seit einigen Tagen für Verstimmung beim DFB. Die DFL, vertreten durch deren Präsidenten Reinhard Rauball, füllt sich übergangen. Die bevorzugte Lösung der "Profis" wäre gewesen, die Interims-Doppelspitze Rainer Koch und Rauball noch bis zum regulären Bundestag in einem Jahr wirken zu lassen. Die Amateure dagegen haben erstaunlich aufs Tempo gedrückt und sich für eine schnelle Lösung ausgesprochen. "Wir stehen vor großen Aufgaben", ließ zum Beispiel DFB-Vize Peter Frymuth wissen. "Um handlungsfähig zu sein, brauchen wir Klarheit bei Personalfragen."

Aber taugt tatsächlich Grindel dazu, dem tief zerstrittenen und verunsicherten Verband wieder Stabilität zu verleihen? Als Integrationsfigur und Vorkämpfer eines modernen und transparenten DFB kann man ihn sich nur schwer vorstellen. Er gilt selbst in der CDU als Rechtsaußen. Er war gegen die doppelte Staatsbürgerschaft, eine seiner ersten Gesetzesinitiativen war eine zur schnelleren Abschiebung von Asylbewerbern. Er wollte die Öffentlichkeit aus den Sportausschusssitzungen heraushalten als die DFB-Affäre hochkochte und, so heißt es, er versorgt wichtige Parteifreunde mit Länderspiel-Tickets.

Das sind die perfekten DFB-Chefs FOTO: dpa, ade hak nic

Beim ZDF sollen einige ziemlich froh gewesen sein, als Grindel 2002 in die Politik ging. "Er war leicht aufbrausend", sagt ein früherer Kollege aus dem Mainzer Sender. Vielleicht ist das auch ein Grund, warum Grindel als Sprecher der Bundesregierung nicht zum Zuge kam. Grindel hatte Interesse signalisiert, wurde aber nicht berücksichtigt.

Nach seiner Nominierung zum DFB-Präsident gab Grindel seinen Sitz im Sportausschuss auf. Im Falle seiner Wahl will er sein Bundestagsmandat niederlegen. Finanziell würde ihn das nicht hart treffen. Die Statuten des DFB, erklärte Koch und bestätigte damit einen Bericht dieser Redaktion, würden es hergeben, dass Grindel als Ehrenamtler durch entsprechende Aufwandsentschädigungen versorgt wird.

Quelle: RP
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