Deutschland - Australien 4:3 (2:2): DFB-Elf mit Zittersieg über Australien
zuletzt aktualisiert: 15.06.2005 - 23:23Frankfurt/Main (rpo). Lukas Podolski hat die deutsche Nationalelf im bislang wichtigsten Spiel unter Bundestrainer Jürgen Klinsmann zum Auftakt des Confed-Cups mit seinem Tor vor einer Enttäuschung bewahrt. Der Angreifer des 1. FC Köln erzielte 359 Tage vor dem WM-Eröffnungsspiel gegen Außenseiter Australien in Frankfurt den entscheidenden Treffer zum 4:3 (2:2).
Der Sieg konnte allerdings nicht über die großen Probleme hinwegtäuschen, die das Klinsmann-Team gegen den Weltranglisten-57. einmal mehr vor allem in der ersten Halbzeit in der Defensive und im Spielaufbau offenbarte. Dennoch legte der Gastgeber vor den weiteren Vorrundenspielen am Samstag in Köln gegen Tunesien und vier Tage später in Nürnberg gegen Argentinien durch die Übernahme der Tabellenführung in der Gruppe A den Grundstein zum Halbfinaleinzug bei der so genannten "Mini-WM". Der zweimalige Weltmeister Argentinien hatte zuvor im Eröffnungsspiel in Köln den Afrika-Champion mit 2:1 (1:0) bezwungen.
Vor 46.466 Zuschauern in der ausverkauften WM-Arena in Frankfurt hatten die "Socceroos" die zweimalige Führung der Gastgeber durch Kevin Kuranyi (17.) und Per Mertesacker (23.) jeweils schnell durch Josip Skoko (21.) und John Aloisi (31.) ausgeglichen. Nach der Pause bewahrte zunächst Ballack bei seinem Foulelfmeter (60.) die Nerven, ehe Podolski (88.) auf Ballacks Vorlage zum 4:2 erhöhte und damit trotz Aloisis zweitem Treffer (90. +1) den Sieg sicherstellte.
Kuranyi erzielt die Führung
Von dem Tempofußball, den Klinsmann zuvor gefordert hatte, war von Beginn an nicht viel zu sehen. Der Druck im ersten Pflichtspiel unter dem Welt- und Europameister schien die junge DFB-Elf (Durchschnittsalter 22,9 Jahre) gegen die Australier zu lähmen. So fiel die Führung der Gastgeber fast aus heiterem Himmel. Einen Schuss von Arne Friedrich lenkte Kuranyi aus kurzer Distanz ins Tor.
Doch die Freude über die Führung währte nur kurz. Nach einem überflüssigen Foul von Robert Huth an der Strafraumgrenze verwandelte Skoko den fälligen Freistoß hart und flach unhaltbar für Schlussmann Oliver Kahn, der damit auch an seinem 36. Geburtstag das deutsche Tor nicht sauber halten konnte.
Die DFB-Auswahl schlug jedoch wieder nur zwei weitere Minuten später zurück und bewies damit wie schon bei den Rückständen in den Partien in Nordirland (4:1) und gegen Russland (2:2) ihre intakte Moral. Abwehrchef Mertesacker verwertete ein Zuspiel von Bernd Schneider mit einem strammen Schuss aus kurzer Distanz und erzielte damit im achten Länderspiel sein erstes Tor.
Huth unglücklich
Doch danach zeigte sich bei den WM-Gastgebern erneut die Abwehrschwäche, die nicht nur Klinsmann seit Wochen Sorgen bereitet. In der 31. Minute fiel erneut Huth mit einem Stellungsfehler negativ auf. Aloisi markierte den erneuten Ausgleich der Australier, die in der Folgezeit sogar spielerisch überzeugender auftraten als die DFB-Elf. Kapitän Ballack trat zunächst kaum in Erscheinung.
Klinsmann hatte in seiner Aufstellung nur mit einer kleinen Überraschung aufgewartet. Der Bundestrainer vertraute auf der Position des rechten Außenverteidigers nicht auf die zuletzt unsicheren Kandidaten Patrick Owomoyela oder Andreas Hinkel, sondern auf den gelernten Innenverteidiger Arne Friedrich. Sebastian Deisler musste auch zu Beginn der zweiten Halbzeit zunächst auf der Bank Platz nehmen und kam erst 15 Minuten vor Schluss ins Spiel.
Nach der Pause spielten die Gastgeber druckvoller, nur Australiens deutschstämmiger Torwart Mark Schwarzer verhinderte mit Klasseparaden bei Schüssen von Bastian Schweinsteiger (49.), Ballack (50.) und Torsten Frings (54.) einen Rückstand. Bei der dritten Führung der DFB-Auswahl war der Schlussmann des FC Middlesbrough indes machtlos: Nach einem Foul von Ljubo Milicevic an Friedrich verwandelte Ballack mit seinem 25. Tor im 54. Länderspiel den fälligen Strafstoß sicher.
Mertesacker und Friedrich überzeugen
Beste Spieler beim Gastgeber waren Mertesacker als Torschütze und sicherster Abwehrspieler sowie Friedrich und Schweinsteiger. Bei den Australiern überzeugte neben Schwarzer vor allem Torschütze Skoko.
Fifa-Präsident Sepp Blatter hatte vor dem Spiel um 20.09 Uhr den Konföderationen-Cup offiziell eröffnet. "Ich wünsche uns allen ein großartiges Turnier mit wunderschönen Spielen", sagte der Schweizer.
STATISTIK:
Deutschland: Kahn - Mertesacker, Huth, Friedrich, Hitzlsperger - Schneider (76. Deisler), Frings, Ballack, Schweinsteiger (83. Ernst) - Kuranyi (68. Asamoah), Podolski
Australien: Schwarzer - Muscat, Moore, Popovic (57. McCain), Neill - Milicevic, Emerton, Skoko, Chipperfield (83. Thompson), Cahill (74. Colina) - Aloisi
Tore: Kuranyi (17.), Skoko (21.), Mertesacker (23.), Aloisi (31.), Ballack (60./Foulelfmeter), Podolski (88.), Aloisi (90.+1)
Schiedsrichter: Amarilla (Paraguay)
Assistenten: Andino, Bernal (Paraguay)
Zuschauer: 48.000
Gelbe Karten: Huth, Milicevic, Schweinsteiger, Friedrich, Ballack
STIMMEN:
Bundestrainer Jürgen Klinsmann: "Das war das Eröffnungsspiel eines offiziellen Turniers. Man hat die Anspannung gemerkt und auch einen Schuss Nervosität. Es war auch Unsicherheit dabei - wo stehen wir und wo sind unsere Stärken und Schwächen. Die Mannschaft hat sich unheimlich reingekniet. Man muss sehen, wo wir vor zehn Monaten gestanden haben und heute stehen. In der Abwehr müssen wir viel kompakter stehen und näher an den Leuten dran sein. Außerdem brauchen wir eine bessere Aufteilung im Mittelfeld. Die Mannschaft ist in einem spannenden Entwicklungsprozess, da muss man Fehler in Kauf nehmen. Unser Ziel muss es sein, die Fehlerquote zu minimieren. "
Trainer Frank Farina (Australien): "Wenn man drei Tore schießt, sollte man eigentlich gewinnen. Wenn man dann mit leeren Händen dasteht, ist das sehr enttäuschend. Der Schiedsrichter hat einige zweifelhafte Entscheidungen getroffen. Jetzt wird es schwierig für uns weiterzukommen. Wir müssen nun beide Spiele gewinnen, das wird eine Riesenherausforderung."
Kapitän Michael Ballack: "Es war ein schnelles Spiel mit vielen Fehlern, super für die Zuschauer. Gott sei Dank ging es gut aus. Wir können zufrieden sein. Die Australier sind hohes Tempo gegangen. Aber wir schießen nicht immer vier Tore, hinten muss sich noch Einiges ändern."
Per Mertesacker: "Wir haben alles gegeben für den Sieg. Dass mir auch noch das erste Tor in der Nationalmannschaft gelungen ist, war umso schöner. In der ersten Halbzeit haben wir kaum in die Zweikämpfe gefunden, im zweiten Durchgang lief es besser. Wir können zufrieden sein, das erste Spiel gewonnen zu haben, darauf können wir aufbauen. Wir können uns noch verbessern, aber auch in diesem Spiel haben wir wieder ein Stück dazugelernt."
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum







