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Länderspiel: DFB-Elf startet mit desolater Leistung ins WM-Jahr

zuletzt aktualisiert: 01.03.2006 - 23:10

Florenz (rpo). 100 Tage vor dem WM-Auftakt ist die deutsche Fußball-Nationalmannschaft nach einer desolaten Leistung beim dreimaligen Weltmeister Italien am Tiefpunkt angekommen. Die "Squadra azzurra" war beim 4:1 (3:0) in Florenz das blaue Wunder für das Team von Bundestrainer Jürgen Klinsmann. Zu keiner Zeit konnte die Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) an die phasenweise gute Leistung vom 0:0 in Frankreich im November anknüpfen und erlebte einen bösen Rückschlag zum Beginn des WM-Jahres.

Alberto Gilardino (4.), Luca Toni (7.), Daniele De Rossi (39.) und Alessandro del Piero (57.) schossen vor 28.317 Zuschauern beim Ehrentreffer durch Robert Huth (82.) den hoch verdienten Sieg der Italiener heraus und bescherten Klinsmann die höchste Pleite seiner Amtszeit. Für den DFB war es die höchste Niederlage seit dem 1:5 in Rumänien am 28. April 2004 und die deftigste Pleite überhaupt gegen den alten Rivalen Italien. Zugleich war es das 16. Spiel gegen einen der Großen im Weltfußball ohne Sieg seit dem 7. Oktober 2000 (1:0 in England).

Vor allem in der Anfangsphase präsentierte sich die junge deutsche Abwehr aus Arne Friedrich, Per Mertesacker, Huth und Philipp Lahm wie ein Hühnerhaufen. Nach dieser desaströsen Vorstellung dürfte der Rauswurf von Routinier Christian Wörns durch den Bundestrainer wieder ein Thema werden.

Ballack tauchte völlig ab

Auch im Spiel nach vorne zeigte die DFB-Auswahl gar nichts. Kapitän Michael Ballack, um den vor dem Spiel wieder Wechselgerüchte zum FC Chelsea kursierten, tauchte völlig ab. Auch Sebastian Deisler und Bernd Schneider vermochten keinerlei Impulse zu setzen, die Stürmer Miroslav Klose und Lukas Podolski hingen völlig in der Luft.

"Wir hatten uns das natürlich ganz anders vorgenommen", sagte Nationalmannschaft-Manager Oliver Bierhoff bereits in der Halbzeitpause: "Wir waren sicher auch ein bisschen verunsichert nach dem dummen ersten Gegentor. Wir hatten einen fünfminütigen Blackout. Aber es fehlte auch die letzte Überzeugung und das letzte Selbstvertrauen." Auch Ballack gestand die Fehler ehrlich ein: "Es ist eigentlich unerklärlich, wie man so schnell in Rückstand gerät. Vier Stück, das ist natürlich bitter, und da hat man keine Argumente."

Das DFB-Team wurde gleich in der Anfangsphase kalt erwischt. Bereits nach sieben Minuten stand es 2:0 für die Gastgeber, die von Beginn an wie entfesselt aufspielten und die Gäste mit ihrem Pressing und technischer Rafinesse vom Start weg vor große Probleme stellten. Bereits in der vierten Minute musste Jens Lehmann zum ersten Mal hinter sich greifen, nachdem er zuvor gegen Italiens Kapitän Fabio Cannavaro zunächst glänzend gerettet hatte. Den Abpraller verwertete Gilardino vom AC Mailand problemlos zum 1:0.

Abwehr im Tiefschlaf

Nur drei Minuten später befand sich die junge deutsche Abwehr erneut im Tiefschlaf, den Lokalmatador Toni vom AC Florenz gnadenlos zum zweiten italienischen Treffer ausnutzte. Auslöser des Gegentreffers war allerdings ein katastrophaler Fehlpass im Mittelfeld von Deisler, der überhaupt nicht ins Spiel fand.

Damit befand sich der Münchner allerdings in bester Gesellschaft, denn auch seine Klubkollegen Torsten Frings und Ballack sowie Friedrich spielten weit unter ihren Möglichkeiten. Die "Azzurri" führten die deutsche Mannschaft über weite Strecken regelrecht vor. Die nächste große Torchance des Teams von Trainer Marcello Lippi vergab Gilardino in der 31. Minute, als er aus aussichtsreicher Position nur knapp das Ziel verfehlte. Besser machte es De Rossi. Der Mittelfeldspieler vom AS Rom traf per Kopf in der 39. Minute nach einer Kopfballvorlage von Mauro Camoranesi, der auch beim vierten Treffer von Juventus Turins Superstar del Piero per Kopf die Vorarbeit leistete.

Die DFB-Auswahl konnte sich so gut wie gar nicht vom Druck der Gastgeber befreien und hatte in den ersten 45 Minuten lediglich eine gute Möglichkeit durch Deisler, der nach Vorlage von Ballack allerdings am ansonsten beschäftigungslosen Torwart Gianluigi Buffon scheiterte. Huth traf in der Schlussphase aus kurzer Distanz nach einem Eckball von Deisler.

Vor dem Anpfiff war es einmal mehr zu unerfreulichen Ausschreitungen zwischen deutschen Hooligans und italienischen Ultras gekommen. Nach Informationen des deutschen Fußball-Bundes (DFB) hatten sich entgegen der Absprache mit dem italienischen Verband und einheimischen Sicherheitskräften am Spieltag noch rund 600 deutsche Chaoten Tickets erhalten und am Abend sowohl vor als auch im Stadion für Randale gesorgt.

Beste Spieler bei den Italienern waren del Piero, Camoranesi und Gilardino. Bei der deutschen Mannschaft erreichte keiner Normalform.


STATISTIK

Italien: Buffon/Juventus Turin (28 Jahre/59 Länderspiele) - Zaccardo/US Palermo (24/11), Nesta/AC Mailand (29/73) ab 81. Materazzi/Inter Mailand (32/26), Cannavaro/Juventus Turin (32/91), Grosso/US Palermo (29/15) - Camoranesi/Juventus Turin (29/19) ab 89. Pasqual/AC Florenz (23/1), Pirlo/AC Mailand (26/22) ab 74. Barone/US Palermo (27/12), De Rossi/AS Rom (22/15) - Del Piero/Juventus Turin (31/72) ab 81. Iaquinta/Udinese Calcio (26/11) - Toni/AC Florenz (28/16), Gilardino/AC Mailand (23/13) ab 64. Perrotta/AS Rom (28/22). - Trainer: Lippi

Deutschland: Lehmann/Arsenal London (36 Jahre/29 Länderspiele) - Friedrich/Hertha BSC Berlin (26/33), Mertesacker/Hannover 96 (21/19) ab 46. Metzelder/Borussia Dortmund (25/19), Huth/Chelsea London (21/15), Lahm/Bayern München (22/17) - Deisler/Bayern München (26/36), Frings/Werder Bremen (29/49) ab 68. Borowski/Werder Bremen (25/16), Ballack/Bayern München (29/62), Schneider/Bayer Leverkusen (32/60) ab 68. Schweinsteiger/Bayern München (21/24) - Klose/Werder Bremen (27/51), Podolski/1. FC Köln (20/21) ab 46. Asamoah/Schalke 04 (27/37). - Trainer: Klinsmann

Schiedsrichter: Eduardo Iturralde Gonzalez (Spanien)

Tore: 1:0 Gilardino (4.), 2:0 Toni (7.), 3:0 De Rossi (39.), 4: 0 Del Piero (57.), 4:1 Huth (82.)

Zuschauer: 28.317

Beste Spieler: Gilardino, Camoranesi, Del Piero

Gelbe Karten: Nesta - Frings, Ballack


STIMMEN

Bundestrainer Jürgen Klinsmann: "Wir alle sind sehr enttäuscht. Vor allem in der ersten Halbzeit war es eine Lektion für uns. Das ist natürlich frustrierend. Aber jetzt ist es passiert, das kann man nicht mehr ausrangiert. Wir müssen uns der Kritik stellen. Wir schauen nach vorne und greifen wieder an. Wir stecken alle miteinander in einem Entwicklungsprozess. Das Team ist stark genug, um bei der WM etwas zu bewegen."

Marcello Lippi (Trainer Italien): "Ich bin sehr zufrieden. Es war ein schöner Abend für uns. Wir hatten uns viel vorgenommen, und es hat auch alles gut geklappt. Ich denke, die Deutschen haben eigentlich schon eine gute Mannschaft. Aber manchmal gibt es gewisse Umstände, dass es nicht so klappt."

Michael Ballack: "Es ist eigentlich unerklärlich, wie man so schnell in Rückstand gerät. Vier Stück, das ist natürlich bitter, da hat man keine Argumente. Die Fehler, die wir gemacht haben, sind hart bestraft worden, vor allem im taktischen Bereich. Da haben uns die Italiener heute einiges vorgemacht. Das nächste Spiel ist Gott sei Dank schon in drei Wochen. Da wird man eine andere deutsche Mannschaft sehen."

Philipp Lahm: "Das erste Problem war, dass wir nach sechs Minuten schon 0:2 hinten lagen. Wenn wir so spielen, dass alle nach vorne gehen, wird das gegen so eine Mannschaft bestraft."

Christoph Metzelder: "Natürlich war der frühe Rückstand Gift für uns. Danach waren wir übermotiviert, haben uns entblößt und sind in Konter gelaufen. Wir waren immer zu spät dran."

Quelle: sid

 
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