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Schweinsteiger-Nachfolge als DFB-Kapitän
Boateng: "Ich wäre bereit"

Fotos: Jerome Boateng – Berliner, Abwehrchef, Weltmeister
Fotos: Jerome Boateng – Berliner, Abwehrchef, Weltmeister FOTO: dpa, hak nic
New York. Möglicherweise beflügelt durch den Rückenwind der Fans hat Jerome Boateng eine öffentliche Bewerbung als Spielführer der Fußball-Nationalmannschaft abgegeben. "Es ist eine große Ehre, Kapitän der Nationalelf zu sein. Ich wäre jedenfalls bereit", sagte der Innenverteidiger von Bayern München der "Bild". Der 27 Jahre alte Weltmeister hatte sich zuvor in zahlreichen Online-Umfragen als Favorit der Anhänger um die Nachfolge des zurückgetretenen Bastian Schweinsteiger herauskristallisiert.

Dabei ist die Entscheidung wohl längst gefallen. Denn sämtliche ernsthafte Kandidaten - Torhüter Manuel Neuer, Boateng, Mats Hummels, Sami Khedira und Thomas Müller - standen bereits im EM-Kader. Und dennoch hatte sich Bundestrainer Joachim Löw in allen fünf Spielen, in denen Schweinsteiger nicht von Beginn an spielen konnte, für Neuer entschieden. Eigentlich ein klares Statement. "Jogi Löw hat bei der EM Manuel Neuer als Schweinis Stellvertreter ernannt, von daher wäre es folgerichtig, wenn er auf ihn als DFB-Kapitän folgt", sagte auch Weltmeister Lukas Podolski der Sport Bild.

Dennoch diskutiert Fußball-Deutschland darüber, ob ein Torhüter Kapitän sein kann oder es nicht doch ein Feldspieler sein muss. "Manuel Neuer wäre ein idealer Kapitän. Aber: Ein Torwart ist oft weit vom Geschehen entfernt, kann schwerer eingreifen. Ich kann mir vorstellen, dass Jogi Löw einen Feldspieler bevorzugt", sagte Franz Beckenbauer, Fußball-Kaiser und selbst von 1984 bis 1990 DFB-Teamchef.

Eine Berufung Boatengs wäre, keine Frage, auch ein politisches Statement. Und das weiß der vielleicht beste Innenverteidiger der Welt auch. Sollte er Kapitän werden, sei das "auch ein Zeichen", erklärte er während der EM. Und betonte mehrfach: "Es wäre für mich eine Riesenehre, als erster farbiger Spieler die Kapitänsbinde für Deutschland zu tragen."

Getragen hat er sie schon zweimal: Sowohl im Test 2012 gegen Argentinien, als auch im EM-Vorbereitungsspiel Ende Mai gegen die Slowakei (beide 1:3) hatte er sie während des Spiels übernommen. Doch während der EURO stieg sein Ansehen weiter: Trotz ständiger Muskelbeschwerden spielte er bravourös, seine Leader-Qualitäten brachten ihm in den Medien den Namen "Boss Boateng" ein, seine spektakuläre Rettungsaktion gegen die Ukraine (2:0) machte ihn zur Kultfigur in den sozialen Netzwerken.

In den meisten Umfragen war er nun der Favorit, meist knapp vor Neuer. Hummels, Müller und Toni Kroos landeten regelmäßig dahinter. Keine gute Lobby bei den Fans hat offenbar Khedira, der kaum Stimmen bekam. Dabei war der Mittelfeldspieler von Juventus Turin der einzige Kandidat neben Neuer, den Löw während der EM ausdrücklich genannt hatte. "Ich hätte auch Sami Khedira nehmen können, weil er die Kriterien genauso erfüllt", hatte Löw nach seiner Entscheidung pro Neuer gesagt. Aber: "Manuel Neuer ist Welttorhüter."

Im Endeffekt hat aber auch Boateng die flachen Hierarchien in der Nationalmannschaft verinnerlicht. "Das ist ein wichtiges Amt. Du repräsentierst dein Land, du hast Verantwortung", sagte er zwar: "Aber die Nationalmannschaft hat einige starke Führungsspieler. Den einen Boss gibt es nicht. Jogi Löw wird sicher die richtige Entscheidung treffen, wer Bastis Nachfolger wird."

(dpa)
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