| 17.13 Uhr

Lob vom Bundestrainer
DFB-Neuling Halstenberg ist ein Wembley-Gewinner

Das ist Marcel Halstenberg
Das ist Marcel Halstenberg FOTO: dpa, chc pat
London. Auch bei einem 0:0 kann es Gewinner geben. Marcel Halstenberg feiert in Wembley ein gutes Debüt für Deutschland. Ob der Leipziger im WM-Fokus von Bundestrainer Löw bleibt, wird sich aber noch zeigen müssen. Das beweist die lange Liste von Halstenbergs Vorgängern.

Diese Nullnummer fühlte sich für Marcel Halstenberg wie ein Sieg an. Nach seinem Nationalmannschaftsdebüt im legendären Wembleystadion konnte sich der Linksverteidiger von RB Leipzig auch über ein Lob vom Bundestrainer freuen. "Er hat seine Sache gut gemacht", sagte Joachim Löw. "Er hat das ohne Nervosität gemacht, hat sauber hinten rausgespielt. Deswegen war ich absolut zufrieden."

Unaufgeregt und gerade in der Anfangsphase mit viel Engagement in der Vorwärtsbewegung deutete der 26-Jährige gegen England an, dass er zu einer Alternative auf der Dauer-Problemposition auf der linken Außenbahn für die Fußball-WM werden könnte, auch wenn Englands Kieran Trippier dort ordentlich Dampf machte.

Gerade die internationalen Auftritte für RB Leipzig hatten Löw zuvor schon gefallen und ihn zu der unerwarteten Nominierung Halstenbergs veranlasst. "Für den Einstand war es gar nicht schlecht. Die erste Halbzeit war ganz gut. Die zweite war ich dann ein bisschen weniger im Spiel, hatte weniger Ballkontakte. Aber es hat auf jeden Fall viel Spaß gemacht", befand Halstenberg selbst.

95. Debütant unter Löw

Der ehemalige Profi des FC St. Pauli ist der 95. Länderspiel-Debütant unter Löw und der neunte gelernte linke Verteidiger, den der DFB-Chefcoach seit 2006 für diese Position in die Nationalmannschaft holt.

Nach der langwierigen Muskelverletzung von Stammkraft Jonas Hector hatte Löw zuletzt auch Confed-Cup-Sieger Marvin Plattenhardt weiter getestet. Der Berliner wird am Dienstag gegen Frankreich wohl wieder vorspielen dürfen. Halstenberg muss dann auf der Bank Platz nehmen.

Die Fragen nach Halstenbergs WM-Chancen kamen dennoch zwangsläufig, doch davon wollte er vorerst nichts wissen. Über die WM mache er sich (noch) keine Gedanken. Er sei erst einmal "stolz darauf, den Adler auf der Brust getragen" zu haben. Alles andere müsse man abwarten, sagte Halstenberg.

Für zu viel Euphorie besteht auch kein Anlass. Das zeigt die lange Liste der Linksverteidiger im Nationaltrikot. Der Wolfsburger Yannick Gerhardt bekam vor genau einem Jahr beim 0:0 in Italien ordentliche Kritiken und spielte seither nie wieder im A-Team. Christian Pander, der erste Linksverteidiger den Löw zum Nationalspieler machte, brachte es auch nur auf zwei Länderspieleinsätze. Sein grandioses Debüt hatte er 2007 gefeiert - mit dem Siegtor zum 2:1 in Wembley.

Halstenberg startet erst spät durch

Bundestrainer Löw ist jedoch von Halstenbergs Qualitäten überzeugt. "Er ist physisch sehr stark, kopfballstark, hat eine sehr gute Offensivkraft", sagte Löw schon vor dessen erstem Auftritt in der DFB-Auswahl. Dabei ist der Leipziger ein Spätstarter: Er hat zwar 39 Bundesliga- und 78 Zweitligaspiele absolviert, sich im engmaschigen Netz der Scouts für die U-Nationalmannschaften aber nie verfangen.

In der Jugend agierte Halstenberg noch als Stürmer. Danach wurde seine Position immer weiter nach hinten verlegt. Als er für die zweite Mannschaft von Borussia Dortmund spielte, kam David Wagner (heute Teammanager von Huddersfield Town) auf die Idee, Halstenberg links hinten aufzustellen - eine gute Entscheidung.

Sie brachte Halstenberg so weit, dass vor dem Abendessen mit seiner Frau noch ein etwas unangenehmerer Pflichttermin anstand: eine Einstandsrede vor der Mannschaft.

(ems/dpa/sid)
 
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