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Sturmproblem im DFB-Team
Abschlussschwäche macht Löw große Sorgen

Das sind Joachim Löws Debütanten
Das sind Joachim Löws Debütanten FOTO: afp, pst/dg
München. Die deutschen Weltmeister müssen in den Topspielen der WM-Qualifikation gegen Tschechien und Nordirland auf Mario Gomez verzichten. Damit vergrößern sich die Offensiv-Sorgen.

Wenn die deutschen Weltmeister am Mittwoch in Hamburg zusammenkommen, wird einer wieder mal schmerzlich vermisst werden: Mario Gomez. Der Stürmer musste seine Teilnahme an den WM-Qualifikationsspielen gegen Tschechien am Samstag und Nordirland am Dienstag wegen einer "neurogenen Verhärtung in der Gesäßmuskulatur" absagen. Für Bundestrainer Joachim Löw ist der Ausfall des Wolfsburgers ein schwerer Schlag - seine vor wenigen Tagen abgeschlossene EM-Analyse hatte gezeigt, dass vor allem vorne der Schuh drückt.

"Wir benötigen zu viele Schüsse für ein Tor", sagte Löw der Tageszeitung "Die Welt" nach einem dreitägigen Workshop mit seinen Mitarbeitern in Düsseldorf vergangene Woche. Von Gomez, der erstmals nach seiner im EM-Viertelfinale gegen Italien erlittenen Verletzung wieder dabei sein sollte, hatte er sich Abhilfe erhofft. Doch der 31-Jährige kann einige Tage nicht trainieren, wie der Deutsche Fußball-Bund (DFB) am Dienstagnachmittag mitteilte, und fällt aus.

Zwei nominelle Stürmer im Kader

Auf eine Nachnominierung verzichtete Löw, obwohl in seinem Kader nur zwei nominelle Stürmer verbleiben: Mario Götze von Borussia Dortmund und Kevin Volland (Bayer Leverkusen). Dazu kommt Bayern-Profi Thomas Müller, der beim DFB jedoch im Mittelfeld geführt wird. Dieses Trio soll gegen die vermeintlich stärksten Gegner in der Gruppe C besser machen, was nicht erst seit der EURO das "Manko" (Löw) der Nationalmannschaft ist. Zwölf, 13 Versuche, so hat das Trainerteam festgestellt, benötigt die DFB-Elf durchschnittlich für einen Treffer. "Zu viel", wie Löw beklagte.

Umso wichtiger ist ihm, dass seine Stars ausgeruht und hoch konzentriert in die "wichtigen Spiele" auf dem Weg zur WM in Russland 2018 gehen. Dafür gewährte er einen zusätzlichen freien Tag. Mats Hummels begab sich auf Pokémon-Jagd, Mesut Özil war bei seiner neugeborenen Nichte Lina zu Besuch - am Mittwoch kommt der nur noch 21-köpfige Kader dann im Hotel Le Méridien an der Hamburger Außenalster zusammen.

Die Belastung für die Nationalspieler ist aus Löws Sicht zuletzt sehr hoch gewesen. Hinter Kapitän Manuel Neuer und Co. liegen strapaziöse englische Wochen. Der Torhüter etwa kommt im Jahr 2016 auf schon 45 Spiele mit Bayern München (36) und im DFB-Dress (neun), bis Jahresende könnten weitere 19 (15/vier) dazukommen.

"Die Grenze für die Belastbarkeit der Spieler ist erreicht - sportlich und mental", klagte Löw in der Welt am Sonntag, zum wiederholten Mal: "Wir müssen uns darüber klar sein, dass auf Dauer die Qualität darunter leidet. Wir dürfen das Rad nicht überdrehen." Weil Löw aber weiß, dass die Klubs angesichts neuer Märkte in Asien oder Nordamerika eher noch mehr als weniger von ihren Stars verlangen, reduziert er sein Programm.

"Wir brauchen jede Minute"

Und das, obwohl er mitunter moniert, dass ihm zu wenig Zeit bleibt, um mit seiner Mannschaft Neues auszuprobieren. "Wir brauchen da jede Minute", hatte Teammanager Oliver Bierhoff zuletzt betont. Vor dem Duell mit Tschechien am Samstag in Hamburg hat Löw jetzt nur drei Trainings; eine weitere Einheit kommt vor dem Spiel gegen Nordirland am kommenden Dienstag (beide 20.45 Uhr/Live-Ticker) in Hannover hinzu.

"Die Spieler wissen, was wir von ihnen erwarten", sagte Löw. Nämlich sechs Punkte. Nach dem starken 3:0 in Oslo gegen Norwegen soll der gute Start veredelt werden. Auch deshalb hat er personelle Experimente hintangestellt; Kandidaten wie Gonzalo Castro oder Lars Stindl müssen sich bis November gedulden, wenn es in der Quali gegen den Fußball-Zwerg San Marino und in Freundschaft gegen Italien geht.

Vorerst soll es Löws "Stamm" richten, wie er den Kern der Nationalmannschaft um die Rückkehrer Jerome Boateng und Ilkay Gündogan nannte. Verzichten muss er neben Gomez auf André Schürrle, Karim Bellarabi, Marco Reus und Antonio Rüdiger.

"Wir müssen von Beginn an hochkonzentriert sein", forderte Löw vor den wegweisenden Spielen im Hinblick auf die direkte Qualifikation, die nur der Gruppensieger bucht. Und doch: Tschechien und Nordirland sind, obwohl EM-Teilnehmer, Pflichtübungen.

(sid)
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