| 19.27 Uhr

Fußball-Nationalmannschaft
Viel Druck auf Löws Etablierte

DFB-Team bereitet sich auf Tschechien vor
DFB-Team bereitet sich auf Tschechien vor FOTO: dpa, ua fdt
Düsseldorf. Der Konkurrenzkampf im DFB-Team ist so intensiv wie lange nicht. Vor dem WM-Qualifikationsspiel am Freitag in Prag drängen vor allem die Confed-Cup-Gewinner nach vorn. Von Bernd Jolitz

Es gab einmal eine Zeit, da fühlte sich jeder berufen, sich über den Confed-Cup lustig zu machen. Kirmesturnier war noch eine der harmloseren Bezeichnungen, die Kritiker für das Turnier im vergangenen Sommer in Russland fanden. Das galt auch noch während der ersten Spiele - doch was die junge Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw dann in den künftigen WM-Stadien auf den Rasen brachte, ließ die Stimmung im Lande ordentlich kippen. Am Ende holte die Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes mit einem 1:0-Finalsieg gegen das hochgewettete Chile sogar den Pokal, und irgendwie wollte dann niemand mehr die Begriffe "C-Elf" oder gar "Wursttruppe" in den Mund nehmen, die vor Turnierbeginn so beliebt gewesen waren.

Das wissende Schmunzeln, das Löw so gern zeigt, ist nach den Tagen von Russland noch ein bisschen breiter geworden. Die Nachwuchs-Profis, die das Gerüst des Confed-Cup-Teams bildeten, haben sich unter Wettkampfbedingungen gegen in Bestbesetzung angetretene internationale Konkurrenz bewährt. Ebenso ältere Spieler, die das Fehlen etlicher Stars als Chance begriffen - allen voran Borussia Mönchengladbachs Kapitän Lars Stindl, nicht nur wegen seines Siegtreffers im Finale von Sankt Petersburg.

Der Fortsetzung der Qualifikationsspiele zur Weltmeisterschaft 2018 am Freitag (20.45 Uhr/live bei RTL) gegen Tschechien in Prag kann der Bundestrainer daher sehr gelassen entgegensehen. Der Druck liegt auf den Spielern, in erster Linie auf den vermeintlich Etablierten. "Ich erwarte, dass es den härtesten Konkurrenzkampf geben wird, den wir je erlebt haben", sagt Löw. Er sichte zurzeit "35 bis 40 Spieler" für nur 23 Kaderplätze, die bei der WM-Endrunde zur Verfügung stehen. "Daher wissen auch die etablierten Spieler: Sie müssen immer an ihrem Leistungslimit spielen, um in der Mannschaft zu bleiben."

Am Freitag in Prag gilt das zum Beispiel für die fünf Weltmeister Mats Hummels, Sami Khedira, Toni Kroos, Thomas Müller und Mesut Özil. Sie durften sich während des Confed-Cups eine Auszeit nehmen und sehen sich nun mit einem Kampf um ihre Stammplätze konfrontiert, der in dieser Form noch am Ende der vergangenen Bundesligasaison nicht zu erwarten war. Beispiel Khedira: Der Routinier von Juventus Turin darf zwar auf eine äußerst erfolgreiche bisherige Karriere zurückblicken, zudem die Tatsache ins Feld führen, an der Seite von Toni Kroos eine der besten "Doppel-Sechsen" des internationalen Fußballs zu bilden. Sicher kann sich der 30-Jährige dennoch nicht fühlen, da der Schalker Leon Goretzka beim WM-Vorbereitungsturnier mit läuferischem und kämpferischem Engagement glänzte und obendrein bewies, dass er auch in Sachen Spielaufbau und -organisation herausragende Qualitäten besitzt.

Ganz ähnlich verhält es sich mit Stindl, der mit 29 zwar sieben Jahre älter ist als Goretzka, sich aber ebenso in den Blickpunkt spielte. Zwar spricht vieles dafür, dass Löw gegen die Tschechen Thomas Müller auf der rechten Angriffsseite das Vertrauen schenkt, zumal da dieser beim FC Bayern München und Trainer Carlo Ancelotti kaum zum Zuge kommt und sogar mit seinem Abgang kokettiert. In solchen Situationen betätigt sich Löw gern als Aufbauhelfer, doch steht der Gladbacher Gewehr bei Fuß.

Noch einen Schritt weiter ist Timo Werner: Kein anderer deutscher Angreifer bringt so viel Tempo mit wie der Leipziger, so dass der 21-Jährige - ungeachtet seiner nach wie vor nicht gerade ausgeprägten Popularität bei vielen Fans - schon am Freitag den Vorzug vor dem Wolfsburger Mario Gomez erhalten könnte. "Zumindest seit ich dabei bin, war die Auswahl noch nie so groß", betont Löw, der dabei nicht zuletzt an die U21-Europameister wie Serge Gnabry denkt. Die Spieler seien auch mental gefordert, die WM müsse schon jetzt "in den Mittelpunkt ihrer Gedanken rücken".

Nur einer braucht die Konkurrenz trotz deren Erfolgen nicht zu fürchten: Bayerns Welttorhüter Manuel Neuer. Der freilich ist in Prag wegen der Nachwirkungen seines Fußbruchs noch gar nicht dabei.

Quelle: RP
 
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