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Ter Stegen im DFB-Tor
"Ich bin auf das Hier und Jetzt konzentriert"

DFB-Team: Marc-André ter Stegen vertritt Manuel Neuer im Test gegen Spanien
Marc-André ter Stegen auf der DFB-Pressekonferenz vor dem Spiel gegen Spanien. FOTO: afp
Der ehemalige Mönchengladbacher Marc-André ter Stegen wird am Freitagabend gegen Spanien das Tor der DFB-Auswahl hüten. Für die WM im Sommer rechnet Bundestrainer Joachim Löw im Tor allerdings fest mit Manuel Neuer. Von Robert Peters

Vielleicht sollte sich Toni Kroos mal für eine medizinische Studie zur Verfügung stellen. Vermutlich käme dabei heraus, dass sich der Ruhepuls des deutschen Fußball-Nationalspielers irgendwo im Bereich von 40 Schlägen pro Minute bewegt. So richtig zu erschüttern ist er nicht einmal von vermeintlichen Stress-Situationen. Und auch große Spiele bringen ihn nicht aus der Fassung. Kein Wunder, dass er auf die Frage, ob denn die Begegnung mit Spanien in der ausverkauften Düsseldorfer Arena (heute 20.45 Uhr, ARD) für ihn, den Spieler von Real Madrid, etwas Besonderes sei, freundlich lächelnd antwortete: "Es ist ja kein weltbewegendes Ereignis."

Spanien für ter Stegen ein Gegner mit besonderer Note

Das sehen vermutlich nicht alle Beteiligten so. Immerhin, das räumte auch Kroos ein, ist es ein "Testspiel zweier Topmannschaften", die auch bei der Weltmeisterschaft im Sommer in Russland führende Rollen beanspruchen. Deshalb ist Marc-André ter Stegens Vorfreude auf die Partie schon ein bisschen ausgeprägter als die des Kollegen Kroos. "Länderspiele", sagte der frühere Mönchengladbacher, "sind immer etwas Wertvolles, aber gegen Spanien ist das eine besonders schöne Geschichte."

Ter Stegen spielt ebenfalls in der spanischen Liga, und er hat sich mit starken Leistungen beim FC Barcelona und im Nationalteam den Vorrang unter all jenen erkämpft, die in Manuel Neuers verletzungsbedingter Abwesenheit um die Nummer eins im deutschen Tor rangeln. Bundestrainer Joachim Löw legte sich bereits fest: "Der Marc wird gegen Spanien spielen."

Löw hat ter Stegens Weg vom großen Talent zu einem echten Eckpfeiler bei Barcelona ausgiebig studieren können. Und er findet: "Dieser Torwart ist sehr gelassen, sehr gut, er hat einen großen Reifeprozess hinter sich und ist eine echte Persönlichkeit geworden, die auch in der Mannschaft ein großes Standing hat." Der Schlussmann dankte artig für derlei Komplimente und verband damit die ebenso artige Hoffnung, dass ihm noch viele weitere Jahre im Spitzenfußball beschert sein mögen. Zu einer vollmundigen Kampfansage ließ er sich nicht hinreißen. "Ich genieße es jedes Mal, auf dem Platz zu stehen", sagte er. An die WM und die Möglichkeit, dann immer noch die Nummer eins zu sein, denke er noch nicht ernsthaft, versicherte er mit treuherzigem Blick: "Ich bin auf das Hier und Jetzt konzentriert." Brav.

Joachim Löw rechnet fest mit Manuel Neuer

Natürlich ließ er sich gern entlocken, dass er sich durch den regelmäßigen Spielrhythmus immer auch für größere Aufgaben bereit fühle. Doch am Thron des großen Neuer wackelte er nicht. "Ich weiß nicht, wie es um Manu steht, aber ich wünsche ihm alles Gute. Ich habe absoluten Respekt vor dem, was er für den deutschen Fußball geleistet hat. Das muss man anerkennen. Und jetzt muss man schauen, wie es weitergeht. Alles andere entscheidet er selbst." Was er nicht sagte, aber was doch jeder hörte: Wenn Neuer fit ist, dann ist er der Stammtorwart.

Löw hat die Hoffnung nicht aufgegeben, dass Neuer in dieser Bundesliga-Saison wieder auf dem Platz stehen wird. "Er liegt absolut im Plan", urteilte der Bundestrainer, "ich gehe davon aus, dass wir ihn mitnehmen können nach Russland. Er ist zurzeit bei 90 Prozent." Neuer müsse lediglich "aufpassen, dass er nicht überzieht". Das ist ein sinnvoller Ratschlag, denn Neuers ausgeprägter Ehrgeiz hat ihn gelegentlich nach Verletzungspausen zu schnell in die Hochbelastung geführt. Daraus wird er gelernt haben. Sollte Neuer jedoch bis zum Vorbereitungs-Trainingslager nach der Erstliga-Saison nicht so weit sein, "den unmenschlichen Anforderungen" (Löw) des Projekts Titelverteidigung gerecht zu werden, wird der Coach wohl auf den Weltmeister-Torwart verzichten. "Wenn ein Spieler in der Vorbereitung keine Rolle spielen kann", betonte Deutschlands oberster Fußball-Übungsleiter, "dann wird es schwierig." Auch für ein lebendes Denkmal wie Neuer. Löw kann so etwas sagen, weil er zwar weiß, dass Neuer immer noch eine herausragende Stellung unter den Torhütern in Deutschland (und der Welt) einnimmt, aber auch sicher sein kann, dass die zweite Reihe nicht gerade unterklassig besetzt ist. Das glaubt ter Stegen ebenfalls. "Wir sind da ganz gut aufgestellt", sagte er. Einer seiner Ahnherren im Tor findet das nicht. Oliver Kahn, der einstige Titan, hat einen Mangel an geeignetem Nachwuchs beklagt. Man sehe den Nachwuchs nur nicht so gut, weil die besten Planstellen durch erstklassige Leute blockiert seien, erklärte ter Stegen. Obwohl er weiß: "Einem Oliver Kahn widerspricht man eigentlich nicht." Eigentlich.

 
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