| 15.22 Uhr

Länderspiel in Dänemark
Stets bemüht, aber ohne große Durchschlagskraft

Pressestimmen: "Kimmich, Dänen hast Du es gezeigt!"
Pressestimmen: "Kimmich, Dänen hast Du es gezeigt!" FOTO: dpa, COPMBJ fgj
Mit sechs Neulingen holt die deutsche Nationalmannschaft beim Länderspiel in Dänemark ein 1:1. Dabei lief wie erwartet noch längst nicht alles nach Plan. Von Patrick Scherer, Kopenhagen

Einer nach dem anderen durfte seinen Spruch aufsagen. Sie unterschieden sich nur marginal voneinander. Tenor: Wir sind froh, dabei zu sein und für den Anfang war das gar nicht so schlecht. Gleich sechs Debütanten schickte Bundestrainer Joachim Löw beim 1:1 im Testspiel in Dänemark auf den Platz. Kein Wunder also, dass im Bröndby-Stadion aus deutscher Sicht noch nicht alles nach Plan verlief. "Das war eine gute Standortbestimmung gegen eine Mannschaft aus Dänemark mit vielen erfahrenen Spielern, die sehr eingespielt war. Ich bin sehr zufrieden mit dem, was ich gesehen habe nach nur einer Trainingseinheit", betonte Löw.

Neben Kevin Trapp, Sandro Wagner, Kerem Demirbay, Amin Younes und Marvin Plattenhardt durfte auch Lars Stindl erstmals das Trikot der A-Nationalmannschaft tragen. "Ich war überrascht, dass ich gleich von Beginn an ran durfte und dann auch noch über die gesamte Spielzeit. Das hat mich gefreut", sagte der Kapitän von Borussia Mönchengladbach.

Stindls Spiel war sinnbildlich für den Auftritt der deutschen Mannschaft. Prädikat: Stets bemüht, aber ohne große Durchschlagskraft. "Ich habe versucht, das einzubringen, was mich auszeichnet. In der ersten Halbzeit war das ein ordentliches Spiel von uns mit einer guten Spielanlage", sagte der 28-Jährige. "Ich wollte Sandro vorne unterstützen, aber die Dänen standen sehr tief, haben es uns nicht einfach gemacht." Deshalb bewegte sich Stindl um den deutschen Stoßstürmer herum, versuchte so wenig ausrechenbar wie möglich zu sein. Das brachte ihm dann auch ein Lob vom Bundestrainer ein: "Lars Stindl hat es ganz geschickt gemacht, zwischen den Linien zu spielen. Technisch sehr sauber. Er hatte viele Ballkontakte und war schwer zu greifen für die Dänen, weil er immer die Positionen ein bisschen verändert hat", sagte Löw.

Einzelkritik: Stindl taucht ab FOTO: dpa, vge gfh

Und doch zeigte sich wieder, dass die deutsche Elf große Probleme damit haben kann, Lücken aufzutun, wenn sich ein Team um den eigenen Strafraum einigelt. "Es ist nicht so einfach mit dem neu zusammengewürfelten Haufen", sagte Sandro Wagner, brachte damit eine nachvollziehbare Entschuldigung vor und gelobte alsbald Besserung: "Wir müssen uns im Training finden, um dann auch den letzten Pass an den Mann zu bringen." Der Hoffenheimer Stürmer war nicht nur mit seinem ersten Einsatz zufrieden, sondern auch mit dem Sturmpartner: "Es ist einfach mit Lars Stindl zu spielen. Er ist ein super Spieler, ein sehr intelligenter Spieler."

Der späte Ausgleich durch Joshua Kimmich (88.) nach eher zufälliger Vorarbeit von Stindl brachte Löw dann auch zur Schlussfolgerung, dass es nach Christian Eriksens Führungstor (18.) "mehr Plus als Minus" gab. Zu den positiven Erscheinungen gehörte sicher auch der neue Interimskapitän Julian Draxler, der mit einer regenbogenfarbenen Binde am Arm als Zeichen gegen Homophobie im Fußball auflief. Der 23-Jährige nahm die Rolle als Führungsspieler an, forderte immer wieder den Ball. Einzig: Auch er vermochte es nicht, den entscheidenden Pass zu spielen. Löw will dennoch beobachtet haben, dass man sich "gute Möglichkeiten herausgespielt" habe. In Wahrheit waren die größten Torchancen aber ein Fernschuss von Leon Goretzka und ein Kopfball von Matthias Ginter nach einer Ecke.

Am Samstag wartet im WM-Qualifikationsspiel mit San Marino (20.45 Uhr/Live-Ticker) ein Gegner, der sich einzig und allein auf die Defensive konzentrieren wird. Allerdings dürfte der Qualitätsunterschied so eklatant groß sein, dass alles andere als ein deutlicher Sieg eine große Überraschung wäre. Oliver Bierhoff fordert denn auch Spielfreude von den Akteuren. Der Teammanager weiß, dass das zahlende Publikum beim Heimspiel in Nürnberg unterhalten werden will.

Für gute Stimmung im Team werden derweil die Debütanten sorgen. Sie müssen sich den Einstandsritualen – wie Gesangseinlagen – stellen. Stindl: "Was ich so gehört habe, wird das jetzt die Tage noch auf mich zukommen. Damit muss ich fertig werden."

 
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