Brasilien gelandet: Die Zauberer vom Zuckerhut sind da
zuletzt aktualisiert: 05.06.2006 - 10:17Frankfurt/Main (rpo). Die WM-Fieberkurve steigt: In der Nacht zum Montag landete nun auch der Flieger der brasilianischen Auswahl in Deutschland. Die Stars um Ronaldinho und Kaka bezogen daraufhin ihr Quartier in einem Nobelhotel im Taunus-Ort Königstein. Einziger Wermutstropfen: Die Sambakicker wollen bis auf eine einzige Ausnahme unter Ausschluss der Öffentlichkeit trainieren.
Per Bus - in den Nationalfarben Grün und Gelb lackiert - ging es ins nahe gelegene Königstein, wo die "Selecao" im noblen Kempinski im Stadtteil Falkenstein die nächsten Tage weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit logieren und sich auf das Turnier vorbereiten wird. Doch in der Nacht ließen sich nach polizeilicher Schätzung rund 1500 Fans und Schaulustige die Gelegenheit nicht entgehen und bereiteten dem fünffachen Weltmeister, amtierenden Titelverteidiger und hohen Favoriten einen würdigen Empfang.
Eine der ersten, die die Sambakicker in Deutschland zu Gesicht bekommt, ist Fatima Bernades. Sie ist so etwas wie die Anne Will Brasiliens. Die Nachrichtenmoderatorin des großen Fernsehsenders TV Globo wartet gemeinsam mit etwa 150 Journalistenkollegen auf die Ankunft der brasilianischen Nationalmannschaft am Frankfurter Flughafen. Bernades friert, aber sie ist zuversichtlich, einen der Spieler vor ihr Mikrofon zu bekommen.
Diese Zuversicht hat sie exklusiv, denn die restlichen Kollegen wissen noch nicht so recht, was sie auf dem eigens vom Flughafen-Betreiber Fraport eingerichteten "Champions-Terminal" erwartet. Jubelnde Fans sind aus Sicherheitsgründen nicht zugelassen. Das Terminal liegt mitten innerhalb des Betriebsgeländes und ist für die breite Öffentlichkeit daher nicht zugänglich.
Ein Fraport-Sprecher verkündet, die Chartermaschine, ein vierstrahliger "Jumbolino", werde mit 20 Minuten Verspätung aus Genf erwartet. Die Fotografenschar drängelt sich schon einmal. Dann schwebt der fünfmalige Weltmeister ein. "Sie sind um 23.11 Uhr gelandet", verkündet ein Journalist seiner Redaktion via Handy, als gelte es, die exakte Uhrzeit für die Nachwelt festzuhalten.
Über eine kleine Gangway gelangen die mit blauen Trainingsanzügen bekleideten Fußballhelden in die kühle Nacht und zum Abfertigungsgebäude. Hinter der Absperrung zum Rollfeld schreien aufgeregte brasilianische Journalisten Namen von Spielern und Funktionären, um sie für ein Statement zu gewinnen. Fatima Bernades und TV Globo sind jetzt live auf Sendung. Das sonntagnachmittägliche Boulevardmagazin "Programa do Faustao" - eine Art Hitparade der Volksmusik mit hoher Einschaltquote - wurde eigens dafür unterbrochen.
Müdigkeit
Doch die Spieler sind müde. Ronaldo grinst im Vorbeigehen kurz. Beim 4:0 (1:0) im letzten Testspiel am Nachmittag gegen Neuseeland hatte er das erste Tor geschossen. Schließlich hat Fatima Bernades doch Erfolg. Ausgerechnet der als scheu geltende Ronaldinho hat vor ihrem Mikrofon halt gemacht. Er sei "emotional gerührt, endlich in Deutschland zu sein", sagt der Weltfußballer. Als sich Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) von hinten ins Kamerabild drängt, ist Frau Bernades in Erklärungsnot. "Er ist so eine Art Gouverneur", lässt sie das brasilianische Publikum wissen.
"Wir haben noch viel Arbeit vor uns, um unserer Favoritenrolle gerecht zu werden", sagt Ronaldinho. Diese Arbeit wollen die brasilianischen Kicker im noblen Kurort Königstein im Taunus angehen.
Dort werden sie nach Mitternacht von einer kleinen Delegation der Gastgeberstadt und 1500 Fußballbegeisterten empfangen. Der kleine Kurort ist in Aufruhr, allein am Pfingstmontag werden 10 000 Fans in dem Taunusstädtchen erwartet. Doch ob sie ihre Idole überhaupt zu Gesicht bekommen, war im Vorfeld fraglich. Denn, nachdem Vermarktung und Medienrummel beim vorherigen Trainingslager im schweizerischen Weggis etwas überhand genommen hatten, werden sich die Brasilianer in Königstein weitestgehend abschotten. Ein öffentliches Training auf dem kleinen Sportplatz "Altkönigblick" hatte das hessische Innenministerium zudem wegen Sicherheitsbedenken abgelehnt.
"Wir hätten unseren Besuchern natürlich gerne ein öffentliches Training geboten, zumal wir uns den Aufenthalt der Brasilianer etwa 500 000 Euro kosten lassen", zeigte sich Königsteins Bürgermeister Leonhard Helm etwas enttäuscht.
So werden die vielen Fußballfans sich bis zum Donnerstag (16.45 Uhr) gedulden müssen, wenn im Offenbacher Stadion am Bieberer Berg das einzige für die Öffentlichkeit zugängliche Training anberaumt ist. Fatima Bernades wird auch dort sein.
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