Nationalmannschaft: Ein Jahr Fernduell mit Spanien
VON FRIEDHELM KÖRNER - zuletzt aktualisiert: 10.08.2011 - 16:00Stuttgart (RP). Deutschland tritt im ersten Länderspiel der Saison heute in Stuttgart gegen Brasilien an. Am Ende der Serie soll die Europameisterschaft stehen. Bis dahin will die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw den Abstand zu Weltmeister Spanien aufgeholt haben.
Der erste Prüfstein der neuen Länderspielsaison hat es in sich: Brasilien, der fünfmalige Weltmeister, ist heute (20.45 Uhr/Live-Ticker) Gegner der Nationalelf beim Freundschaftsspiel in Stuttgart. Der Klassiker ist Auftakt eines Fußballjahres, das für die Mannschaft erst am 1. Juli 2012 enden soll. Denn ihr großes Ziel ist die ukrainische Hauptstadt Kiew, wo an diesem Tag das Endspiel der Europameisterschaft angepfiffen wird. Und das Team um Kapitän Philipp Lahm will Weltmeister Spanien als Nummer eins auf dem Kontinent ablösen.
Zweimal zog die Auswahl des DFB in den vergangenen drei Jahren gegen die Iberer den Kürzeren: 2008 im EM-Finale, 2010 im Halbfinale der WM, jeweils mit 0:1. "Wir sind immer knapp gescheitert", sagt Bundestrainer Joachim Löw. "Wir hätten in den letzten Jahren auf jeden Fall einen Titel gewonnen, wenn die Spanier nicht in der überragenden Verfassung gewesen wären."
Sein Vizekapitän Bastian Schweinsteiger unterstreicht: "Ich denke, dass Spanien und wir in der Konstanz die letzten Jahre vielleicht die stärksten Mannschaften waren."
Die Ausnahmestellung des Ensembles von Trainer Vicente del Bosque ist aber deshalb schwer zu erschüttern, weil Stars des FC Barcelona den Stil des Teams bestimmen. Und "Barca" ist nun einmal das Nonplusultra unter den Klubs. Schweinsteiger sagt: "Spanien ist unser großer Gegner. Aber auch Spanien ist schlagbar."
Der Fußball in Deutschland und Spanien hat außergewöhnliche Gemeinsamkeiten:
Blockbildung Im 22-köpfigen Kader für das Treffen mit Brasilien stehen acht Spieler des FC Bayern und vier junge Akteure von Meister Borussia Dortmund. Im WM-Finale 2010 gegen die Niederlande standen in der spanischen Startelf zehn Stars, die heute beim FC Barcelona und bei Real Madrid unter Vertrag sind. Der DFB machte insbesondere bei der WM 1974 mit einer starken Blockbildung die besten Erfahrungen, als im Finale acht Spieler aus München und Mönchengladbach das Gerüst des siegreichen Teams bildeten. Blockbildung könne für das Team wichtig sein, betont denn auch Löw, wenngleich sie für ihn "kein unbedingtes Muss" sei.
Talentförderung Nahezu in jedem Jahr bringt der deutsche Fußball vielversprechende Talente heraus wie Mario Götze, von dessen Klasse Franz Beckenbauer schwärmt: "Er hat die Anlagen wie Lionel Messi." In Anlehnung an "Künstlernamen" brasilianischer Fußballer hat der 19-Jährige bereits seinen Spitznamen weg: "Götzinho". Der Dortmunder gehört heute wohl zur Anfangsformation. Wie Deutschland ist auch Spanien in der Nachwuchsarbeit Vorbild. Die U19- und U21-Junioren wurden in diesem Jahr Europameister, bei der U20-WM in Kolumbien treffen die jungen Iberer heute nach drei Siegen in den Gruppenspielen im Achtelfinale auf Südkorea. In La Masia, der Talentschmiede des FC Barcelona, lernten die jungen Leute das Tiqui-taca, das unvergleichliche Spielsystem "Barcas" mit Hochgeschwindigkeits-Kurzpässen und permanentem Ballbesitz. Neben dem argentinischen Weltfußballer Lionel Messi entstammen auch Andres Iniesta, Siegtorschütze im WM-Finale 2010 gegen Holland, und Xavi aus dieser Schule. Dem setzt der DFB ein engmaschiges Netz aus zahlreichen Trainingsstützpunkten, Leistungszentren und Eliteschulen entgegen, in denen unter anderen Manuel Neuer, Per Mertesacker, Mesut Özil, Mario Gomez, Dennis Aogo, Jerome Boateng und Toni Kroos gefördert wurden.
Siegesserie Auch in der EM-Qualifikation gibt es eine frappierende Parallele. Spanien führt seine Gruppe nach fünf Siegen verlustpunktfrei vor Tschechien und Schottland an. Für Löws Männer scheint die Ausscheidung ebenfalls ein Spaziergang zu sein angesichts der makellosen Bilanz von sieben Siegen aus sieben Spielen. Der Terminkalender sieht in diesem Jahr neben den Qualifikationsspielen noch Testbegegnungen bei den EM-Gastgebern Polen und Ukraine vor, dazu kommt eine Härteprüfung gegen die Niederlande. Zu den beiden letzten Spielen kommt es, wenn die DFB-Auswahl im November tatsächlich keine Play-offs zur EM bestreiten muss. Aber wer hat da noch Zweifel?
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