Mannschaftsporträt: Elfenbeinküste - gesegnet sei Drogba
VON SEBASTIAN WOLKING - zuletzt aktualisiert: 14.11.2005 - 10:05Düsseldorf (rpo). Nennen Sie doch mal die Hauptstadt der schönen, aber chaotischen Elfenbeinküste im westlichen Afrika! Falsch, die Antwort müsste Yamoussoukro lauten. Nennen Sie den wohl berühmtesten Sohn des Landes! Richtig, Didier Drogba. Der Stürmer von Chelsea London dürfte mittlerweile nicht nur Fußball-Fanatikern ein Begriff sein und schickt sich an, seine Popularität bei der WM 2006 in Deutschland noch erheblich zu steigern.
Schnell ist er, trickreich, schussgewaltig und mit einer erstaunlichen Kopfballstärke gesegnet. Kein Wunder also, dass die Elfenbeinküste erstmals eine Weltmeisterschafts-Endrunde beehren wird. Oder doch? Favorit in der afrikanischen WM-Qualifikationsgruppe 3 waren nämlich keineswegs die ivorischen „Elefanten“, sondern die „Löwen“ aus Kamerun, die seit 1990 das WM-Ticket gebucht zu haben schienen und viermal in Folge den schwarzen Kontinent bei der Endrunde vertreten hatten.
Und tatsächlich sah die Elfenbeinküste in den beiden Quali-Duellen mit Kamerun kein Land: 0:2 hieß es am zweiten Spieltag in Kameruns Kapitale Yaounde, das Rückspiel in Abidjan ging trotz zweier Drogba-Treffer mit 2:3 verloren.
Und dennoch: An Kontinuität und Klasse mangelt es der Truppe von Coach Henri Michel, der schon sein Heimatland Frankreich bei der WM 1986 bis ins Halbfinale geführt hatte, nicht. In Libyen kamen die Ivorer zwar nicht über ein 0:0 hinaus, ansonsten regnete es aber ausschließlich Siege für die nicht gerade erfolgsverwöhnten „Dickhäuter“: 3:1 und 5:0 gegen den Sudan, 2:0 und 2:1 gegen die hoch eingeschätzten Ägypter, 3:0 und 1:0 gegen Underdog Benin und ein 2:0-Heimsieg über Libyen.
Das reichte. Denn die favorisierten Kameruner ließen sich am letzten Spieltag noch von Ägypten die Butter vom Brot nehmen, erreichten nur ein 1:1-Remis zu Hause und blieben damit in der Tabelle ein Pünktchen hinter der Elfenbeinküste zurück. Der Jubel in der Elfenbeinküste kannte keine Grenzen, das Land hatte nach den Unruhen und Bürgerkriegen der jüngeren Vergangenheit endlich wieder Grund zur Freude.
Zu verdanken hatten die Fans die WM-Teilnahme aber nicht nur Weltstar Drogba, der insgesamt neun Treffer auf sein Konto überwies, sondern auch dessem kongenialen Sturmkollegen Aruna Dindane. Dindane, der bei RC Lens in der französischen Liga aktiv ist, kam mit sieben Toren fast an seinen ungleich bekannteren Landsmann heran.
Was bei derart geballter Offensiv-Power verwundert: Das Prunkstück des Teams ist die Defensive. In zehn Spielen kassierten die Michel-Männchen gerade einmal sieben Gegentore, in sieben Spielen stand dabei die „Null“. Wie ein Who-is-who lesen sich die Namen des ivorischen Abwehrverbundes um Torwart Jean-Jacques Tizie zwar nicht, Kenner des internationalen Fußballs dürften die Namen aber durchaus wiedererkennen.
Neben Etienne Boka von Racing Straßburg und Auxerres Kanga Akale gehört auch Abib Toure von Arsenal London zu den Stabilisatoren der Hintermannschaft. Zu den Stützen des Teams zählen zudem der trickreiche Bonaventure Kalou von Paris St. Germain und Guy Demel vom Hamburger SV, der einzige Repräsentant der Bundesliga im Team des Afrikameisters von 1992. Mit diesen Spielern sollte den Ivorern auch beim Blick auf die WM-Endrunde nicht der Angstschweiß von der Stirn tropfen.
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