| 16.11 Uhr

EM-Auslosung
Jogi Löw: "Wir lassen uns diese Werte nicht nehmen"

Fotos: Oliver Bierhoff – Europameister, Milan-Stürmer, DFB-Manager
Fotos: Oliver Bierhoff – Europameister, Milan-Stürmer, DFB-Manager FOTO: AP
Paris. Sportlich kann Weltmeister Deutschland die EM-Auslosung in Paris entspannt angehen. Ein mulmiges Gefühl bleibt dennoch nach dem Terror von Paris.

Eine "Hammergruppe" droht den Weltmeistern nicht, und dennoch werden Joachim Löw und "Losfee" Oliver Bierhoff am Samstagmorgen mit einem mulmigen Gefühl in den Flieger nach Paris steigen. Auf den Tag genau vier Wochen nach den Terror-Anschlägen während des Länderspiels im Stade de France werden der´Bundestrainer und sein gesamter Stab zur Auslosung der EM-Gruppen (Samstag, 18 Uhr/Live-Blog) in die französische Hauptstadt zurückkehren. "Natürlich wird die Rückkehr nach Paris auch für mich speziell", sagte Löw: "Ich denke, dass ich mich mit ein paar Gedanken an den 13. November auf den Weg machen werde, auch an die Angehörigen der Opfer."

Sportlich betrachtet könnte die Gelassenheit des Bundestrainers dagegen kaum größer sein. Die Aufstockung auf erstmalig 24 Teilnehmer, die Uefa-Präsident Michel Platini gegen zahlreiche Proteste durchsetzte, schließt ein richtig schweres Los schon im Vorfeld aus. Deshalb ist es Löw auch "völlig egal, wer uns zugelost wird". Ausgerechnet Platini wird bei "seiner" aufgeblähten Auslosung wegen seiner 90-Tage-Suspendierung durch die Fifa-Ethikkommission wahrscheinlich fehlen - es sei denn, der Internationale Sportgerichtshof (CAS) gibt am Freitagmorgen seinem Einspruch statt.

Als gesetztes Team geht der Weltmeister Titelverteidiger Spanien, dem Weltranglistenersten Belgien und Gastgeber Frankreich ebenso wie England und Portugal aus dem Weg. Als einzig echter harter Brocken kommt der von Deutschland in acht Pflichtspielen nie geschlagene Angstgegner Italien infrage. Die Squadra Azzurra würde gemeinsam mit Polen um Bayerns Stürmerstar Robert Lewandowski und der Türkei die vermeintlich stärkste Gruppe bilden.

Da auch noch die vier besten von sechs Gruppendritten weiterkommen, würde aber auch selbst dann und im Falle eines Ausrutschers keine echte Gefahr eines Vorrunden-Ausscheidens wie 2000 und 2004 drohen. Und auch Bierhoff, 1996 beim bisher letzten der drei deutschen EM-Titel Schütze des "Golden Goals" im Finale gegen Tschechien, kann in seiner Funktion als Losfee nicht wirklich viel falsch machen.

Auch Löw setzt ihn deshalb nicht unter Druck. "Oliver hat das bei der Auslosung der WM-Qualifikationsgruppen in Sankt Petersburg schon ganz gut gemacht", sagte der 55-Jährige schmunzelnd: "Er hat also Übung." In der Quali für 2018, bei der Bierhoff ebenfalls Lose zog, hat Deutschland mit Tschechien, Nordirland, Norwegen, Aserbaidschan und San Marino eine leichte Gruppe erwischt. So oder so verspricht Löw für die EM: "Entscheidend sind für uns nicht die Gegner, entscheidend sind wir selbst. Wir haben oft genug bewiesen, dass wir in der Lage sind, die Zeit der Vorbereitung optimal zu nutzen. Das wird uns auch diesmal gelingen." Natürlich bekomme aber "jeder Gegner von uns die volle Aufmerksamkeit. Wir werden auf alle Mannschaften gut vorbereitet sein."

Dass dennoch im Gegensatz zu früheren Auslosungen die gesamte sportliche Leitung - bestehend aus Löw, den Assistenten Thomas Schneider und Andreas Köpke sowie Bierhoff - nach Paris reisen wird, soll ein Zeichen setzen. "Gemeinsam mit den Teilnehmern aus den anderen Nationen wollen wir in Paris dokumentieren, dass wir an unserer Lebensweise festhalten, die geprägt ist von Offenheit, Toleranz, Respekt, Solidarität und Freiheit. Wir lassen uns diese Werte nicht nehmen", erklärte der Weltmeister-Trainer: "Ich wünsche unseren französischen Gastgebern, dass sie schnell wieder zur Normalität zurückfinden."

Auch Bierhoff steht noch unter dem Eindruck der Geschehnisse von vor vier Wochen, als während des Spiels zwei Explosionen zu hören waren und die Nationalmannschaft die Nacht in der Stadion-Kabine verbrachte. "Diesen Tag und die Ereignisse vergisst man nicht so schnell", sagte er: "Ich hoffe aber sehr, dass wir in Paris auch wieder ein Stück Normalität und die typische französische Lebensfreude zu spüren bekommen werden."

(dpa)
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