Frankreich - Schweiz 0:0: Frankreich bleibt weiter glanzlos
zuletzt aktualisiert: 13.06.2006 - 19:59Stuttgart (rpo). Erneut konnte "Grande Nation" eine Blamage in einer WM-Endrunde nur knapp verhindern. Vier Jahre nach dem Trauma von Südkorea kam die französischen Nationalmannschaft, die bei ihrem WM-Auftaktspiel als Mitfavorit ins Turnier gestartet war, gegen die Schweiz nicht über ein 0:0-Remis hinaus. Nach ihrem Fehlstart steht die "Equipe Tricolor" bereits im zweiten Spiel der Gruppe G gegen Südkorea am 18. Juni in Leipzig unter gehörigem Zugzwang. Zudem ist das Team seit 360 WM-Minuten ohne Torerfolg.
Vor 52.000 Zuschauern im ausverkauften Gottlieb-Daimler-Stadion bauten die Franzosen im Glutofen von Stuttgart (31 Grad Celsius) nach einem ordentlichen Beginn immer mehr ab. Vor vier Jahren war "Les Bleus" als WM-Titelverteidiger und Europameister mit einer peinlichen Niederlage gegen den Senegal (0:1) in die Endrunde in Südkorea und Japan gestartet und hatte nach einer punkt- und torlosen Vorrunde überraschend das Achtelfinale verpasst.
Entsprechend motiviert ging der Titelträger von 1998 in das erste WM-Duell gegen die mit sechs Bundesligaprofis angetretenen Schweizer und erarbeitete sich schnell ein deutliches Übergewicht. Vor allen Dingen der Schachzug des französischen Trainers Raymond Domenech, Spielmacher Zinedine Zidane und seinen legitimen Nachfolger Franck Ribery gemeinsam auflaufen zu lassen, schien sich schnell auszuzahlen. Der Altmeister und sein Lehrling waren zumindest in der ersten Halbzeit Dreh- und Angelpunkt des Mitfavoriten.
In seinem erst vierten Länderspiel wirbelte vor allen Dingen der 23 Jahre alte Ribery (Olympique Marseille) die Abwehr der Eidgenossen um den Dortmunder Legionär Philipp Degen immer wieder durcheinander und wurde von den rund 6000 französischen Fans schon früh mit Sprechchören gefeiert. Nicht zuletzt, weil die Schweizer bei ihrer achten WM-Teilnahme trotz großer Ambitionen zunächst nicht ins Spiel fanden und jegliche Kombinationssicherheit vermissen ließen. In der 70. Minute wurde Ribery körperlich ausgelaugt ausgewechselt.
Franzosen im Glück
Die "Equipe tricolore", die in der WM-Qualifikation gegen die Schweizer nur zu zwei Unentschieden gekommen war (1:1/0:0), ließ insgesamt den Killerinstinkt vor dem Tor des Ex-Leverkusener Keepers Pascal Zuberbühler vermissen. Obwohl Arsenal Londons Stürmerstar Thierry Henry das direkte Duell gegen seinen Vereinskollegen Philippe Senderos dominierte, blieb der 28-Jährige zunächst glücklos und scheiterte unter anderem in der 6. Minute mit einem Kopfball.
Mehr Glück hatten die Franzosen, als der Leverkusener Tranquillo Barnetta mit einem Freistoß aus 25 Metern nur den Pfosten traf und Stürmer Alexander Frei (Stade Rennes) den Abpraller nur um Zentimeter verpasste (24.).
Verhaltene Spielweise der Eidgenossen stoppt Frankreich
Durch ihre verhaltene Spielweise nahm die Elf aus der Alpenrepublik den Franzosen in der Folge immer mehr den Wind aus den Segeln. Das Team von Trainer Jakob "Köbi" Kuhn, das zuletzt 1994 ein WM-Spiel gewonnen hatte (4:1 gegen Rumänien), lieferte dem Ex-Europameister nach dem Wechsel einen offenen Schlagabtausch und hatte gleich zweimal die Führung auf dem Fuß. Doch zunächst scheiterte Barnetta (61.) mit einem Schuss, nur vier Minuten später köpfte der eingewechselte Daniel Gygax Frankeichs Keeper Fabien Barthez an.
Beste Akteure auf Seiten Frankreichs waren Ribery und Zidane, der in der zweiten Halbzeit aber deutlich nachließ. Bei dem Co-Gastgeber der EM 2008 wussten Barnetta sowie Abwehrspieler Patrick Müller zu gefallen. Überschattet wurde das Spiel von einem Todesfall. Ein 49-jähriger Franzose hatte bereits mehrere Stunden vor dem Spiel auf einem Parkplatz vor dem Stadion einen Herzstillstand erlitten.
STIMMEN ZUM SPIEL:
Trainer Raymond Domenech (Frankreich): "Zumindest haben wir einem direkten Konkurrenten Punkte abgenommen. Es ist halt passiert. Nachher kann man immer Wenn und Aber sagen, aber wir hätten in der zweiten Halbzeit noch ein Tor erzielen können. Taktisch und technisch war das ein gutes Spiel. Aber beide Mannschaften kannten sich und waren sehr gut aufeinander eingestellt. Außerdem hat sich die Hitze natürlich auf das Tempo ausgewirkt."
Trainer Köbi Kuhn (Schweiz): "Das war ein WM-Spiel gegen einen Großen dieser Fußball-Welt, das hat schon Eindruck auf uns gemacht. Dennoch hätten wir aufgrund der Chancen auch gewinnen können. Diesen Möglichkeiten trauern wir nach. Aber ein Punkt ist kein schlechter Start. Deshalb müssen wir zufrieden sein, und wir sind es auch."
STATISTIK:
Frankreich: Barthez - Sagnol, Thuram, Gallas, Abidal - Vieira, Makelele, Ribéry (70. Saha), Zidane, Wiltord (84. Dhorasoo) - Henry - Trainer: Domenech
Schweiz: Zuberbühler - Degen, Magnin, Senderos, Müller (75. Djourou) - Vogel, Barnetta, Cabanas, Wicky (82. Margairaz) - Frei, Streller (56. Gygax) - Trainer: Kuhn
Tore: Fehlanzeige
Gelbe Karten: Abidal, Zidane, Sagnol - Magnin, Streller, Degen, Cabanas, Frei
Schiedsrichter: Ivanov (Russland)
Assistenten: Golubev (Russland), Volnin (Russland)
Stadion: Stuttgart
Zuschauer: 53.000
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